Der Bildschirm wurde nach einer kurzen Sequenz schwarz und dann tauchte wieder der Song des Games auf, gefolgt vom Abspann. Namen über Namen wurden abgeratet und ich legte nach einigen langen Stunden des Zockens endlich meine Psp beiseite. Ich schaute aus dem Fenster und zuckte zusammen, als wieder ein Donner ertönte. Dieses Unwetter hält seit gestern an. Hoffentlich wird es bisschen besser. Der Sommer ist angebrochen und nach langen, warmen Tagen, folgt meist ein kalter Sturm, allerdings ist das unvorteilhaft, weil ich übermorgen wieder zum Sommercamp der goldenen Woche fahre. Ich habe echt keine Lust, eine Woche dort zu sein und nur Volleyball zu spielen. Zwar ist Shoyo auch dort, eigentlich all meine Freunde, aber dennoch. Ich bin zu unmotiviert und faul. Ich muss wieder auf Handyspiele umsteigen, denn ich habe jetzt alle Spiele, die ich für die Psp und den Nintendo besitze, durchgespielt. Zwar könnte ich nochmal dasselbe spielen, jedoch brauche ich eine Herausforderung. Etwas was ich schon einmal besiegt hab, ist kein Gegner für mich. Ich lerne schnell deren Abläufe und verliere so auch mein Interesse am Kampf. Nur die Schlacht gegen meine innere Verheerung bleibt ein kräftezehrendes Problem. Aber als nicht gerade schlechter Gamer, sollte ich es irgendwann schaffen, auch wenn ein Kampf ohne Hilfsmittel unmöglich scheint. Zwar habe ich den Weg der Opferung gewählt, dennoch kampflos will ich nicht fallen. Das wäre ein Abgang der mir nicht passen würde. Ich bin kein jämmerlicher Lappen, ich bin nur ein scheiß Jugendlicher.
Ein knarzendes Geräusch ertönte und mein Kopf schnellte in die Richtung der Tür. „Ich habe noch immer Schlüssel, oder hätte ich anklopfen sollen?" Seine Stimme klang vorsichtig, seine Augen zeigten mir seine Unsicherheit und das wurde durch ein kaum merkliches Zittern bestätigt. Er ist wirklich ein offenes Buch. Mit den Jahren lernt man jede Emotion kennen und man weiß auch, wie man sich verhalten sollte. Seine Haut war blass, was mich darauf schließen lässt, dass er kaum rausging. Er verbrachte die meiste Zeit ja eh nur in der Uni und lernte durchgehend, da kam er selten dazu, raus zu gehen. An seiner Uni gibt es doch ein Volleyballteam, ich weiß, dass Bokuto da spielt, aber ob er mitmacht, weiß ich nicht. Wir hatten auch kaum geredet, womit meine Unwissenheit nicht so verwunderlich sein sollte. Er hat nicht mehr seine provokante, selbstbewusste Aura, sondern eine die zeigt, wie energielos man er ist. Ich hatte ihn so noch nie gesehen. Ein unbeschreiblicher Schmerz machte sich in meiner Brust breit und eine Welle der Schuldgefühle überkam mich. Ich hätte mehr tun müssen. Ich hätte für Kuro da sein müssen. „Ich habe kein Problem damit, das weißt du auch. Also komm rein und steh nicht, wie behindert, an der Tür", sagte ich schnippisch. Sein zuvor schiefes Lächeln wurde breiter und er schmiss sich daraufhin in mein Bett. Immer nach dem Training, als wir zu mir nach Hause gingen, legte er sich sofort hin, während ich anfing zu spielen, doch nun saß ich stumm daneben. Mein Knoten im Herzen löste sich und meinen Muskel entspannten sich automatisch, als ich wieder sein Duft warnahm. Das habe ich vermisst. Scheiße, ich habe ihn vermisst.
Meine Augen fokussierten Kuro, der sein Gesicht wieder zwischen zwei Kissen presste. Und genauso entsteht seine grauenhafte Frisur. Egal, was gerade falsch zwischen uns läuft, ich fühle mich dennoch bei ihm wohl. Egal, wie schlecht es mir geht, ich würde nur seine Anwesenheit dulden. Egal, was ist, ich würde immer Tetsuro wählen. „Wollen wir reden?", hörte ich gedämpft seine Worte. Ein Seufzen entfuhr meine Lippen und ich ließ mich rückwärts in mein Bett fallen, links neben mir lag er. Kuro drehte sein Kopf zu mir, soweit ich es in meinem Augenwinkel erkennen konnte, doch ich blickte stur an die Decke. „Von mir aus", grummelte ich zur Antwort. Mir wurde nicht schlecht, in mir breitete sich keine Panik aus, da mir klar war, dass diese Situation kommen musste. Ich bin eigentlich froh darüber, dass er den ersten Schritt dafür tat, denn ich hätte es nicht geschafft. Tokuma hat mich jeden Morgen genervt, damit ich endlich eine Konversation mit Tetsuro starrte, Tora spamte mich immer mit Nachrichten voll und Yuyus teuflischer Blick, war Folter genug. Es ist an der Zeit. Der Höhepunkt hat ein Ende und die Storyline geht weiter. Das Videospiel zeigt nun ein anderes Gesicht, je nachdem wie dieses Gespräch ablaufen wird, so wird es das Ende verändern. „Ich war ein Hurensohn, oder?" Nun drehte ich mein Gesicht in seine Richtung und ich antwortete: „Nein, warst du nicht. Kuro, du bist ein elendiges Miststück." Bei meiner Aussage konnte er sich kein Lachen verkneifen. Ein Lachen, welches mein Herz kurzzeitig erwärmte und Schmetterlinge aufleben ließ. „Willst du mir erstmal erzählen, wie es an der Uni ist? Wirklich mit mir geredet hast du nicht", meinte ich mit einem monotonen Ausdruck. „Ey, Kenma, sei nicht so ausdruckslos!" Tetsuro setzte sich auf und umschloss mein Handgelenk, mit einem Ruck zog er mich auch auf und schloss mich in seine Arme. Ich hörte sein regelmäßiger Herzschlag und nahm so auch das heben und senken seiner Brust war. Ich spürte diese unendliche Wärme, die jegliche Schmerzen in mir linderte und mich frei atmen ließ. Meine Lider fielen zu und ich konzentrierte mich nur noch auf seine Stimme, ich blendete alles, was in mir tobte, aus. Ich will wieder mit ihm in der fünften Dimension schweben und die angehaltene Zeit genießen. „Es tut mir ehrlich leid und es tut mir leid, dass ich so plötzlich auftauche. Ich habe dich gestern an meiner Uni gesehen, aber du bist, einfach ohne mich angesprochen zu haben, gegangen. Ich wollte dir nachrennen, doch dann traten meine Kommilitonen aus dem Wohnhaus und zerrten mich rein. Ich wollte echt mit dir reden und ich habe dir abertausende Nachrichten gesendet, aber du gingst nicht an dein Handy, deshalb habe ich Akaashi angefragt, allerdings hatte er genauso wenig Ahnung. Dann war meine einzige Idee: Yuki und Tora, die mich sofort anfauchten, dass ich zu dir soll. Na ja, jetzt bin ich wohl hier und ich bin froh drüber", begann er zu berichten. Mein Handy war seit gestern aus, da ich einfach mein Ladekabel nicht fand. Ich sollte mir mal ein neues kaufen.
„Also erstmal, wie es an der Uni ist. Scheiße anstrengend! Der Schuldruck war schon mörderisch, aber das ist echt abnormal. Ich muss durchgehend lernen und dann, wenn ich denke, dass ich durch bin, stehen die nächsten Dinge an. Ich bin so beschäftigt, dass ich nicht mal meinen Hobbys nachgehen kann! An meiner Uni gibt es ein Volleyballteam, das Problem ist, ich kann da nicht mitmachen, weil meine Vorlesungen in der Zeit stattfinden, bei der das Training startet. Ich kann ja schlecht alles sausen lassen, dazu bin ich mit fucking Spitzeule in einem Zimmer, der mich durchgehend volllabert und dazu quengelt er. Er geht zum Training, das macht mich manchmal echt wütend, aber ich akzeptiere es. Er kann nicht ohne Volleyball, hingegen ich es aushalte. Was du wahrscheinlich noch nicht weißt: Er zieht aus. Er hat einen Vertrag bei MSBY bekommen und zieht deshalb nach Osaka. Dann wird es noch langweiliger an der Uni, na ja, was solls. In meiner Nähe wohnt nun Mikasa und sie leistet mir auch ab und an Gesellschaft. In meiner Verbindung habe ich auch einige Typen kennengelernt, die echt sympathisch sind. Im Allgemeinen war es alles, was ich in den letzten Wochen tat. Immer nur lernen und am Abend nervte mich fast jeder. Wie ist es bei dir, Vize-Kapitän?" Er arbeitet von morgens bis abends, erst danach hat er Zeit. Das wäre ein Leben, welches ich nicht führen könnte. Ich könnte meine Hobbys nicht aufgeben. Videospiele machen mein Leben aus. Er klang auch nicht gerade stolz oder glücklich über sein erstes Semester. Ehr enttäuscht und müde. Das ist nicht mehr Tetsuro, seine impulsive Art ist echt geschwächt. Pausenloses Lernen ist nicht gesund, das sehe ich nun an ihm.
„Es ist okay, aber es ist scheiße ohne dich in der Schule. Irgendwie fehlt etwas. Na ja, ich habe nicht aufgehört und spiele ganz normal weiter. Yamamoto liebt es Kapitän zu sein, hingegen ich manchmal echt überfordert bin, aber Sato hilft mir. Wir haben logischerweise auch Erstklässler dazubekommen und ich habe mich mit einem angefreundet. Er ist zwar nervig und provoziert mich oft, trotzdem sind wir Freunde. Sein Spiel ähnelt deiner Spielweise und er hat genauso hässliche Haare. Er heißt Tokuma Yoshida, die anderen in der ersten sind ganz nett, manchmal überheblich, trotzdem ganz gut. Wir haben ein gutes Gefühl dabei, dass wir eine Revanche gegen die Karasuno gewinnen werden. Ich hasse den Schulstoff, dazu habe ich keine Kraft jeden Tag mich dahinzuschleppen. Und dann haben wir übermorgen das Camp. Ich will nicht", gestand ich ruhig. Tetsuro strich mir einmal sanft durch die Haare. Seine Hand verkrampfte und ich sah ihm ins Gesicht.
Tränen standen in seinen Augen und seine Lippen bebten. Schock machte sich in mir breit und ich wusste nicht, wie ich handeln soll. Ich bin einfach überfordert! Wie geht Akaashi und Yuyu immer so bedacht damit um? Ich kriege das nicht hin. Kuro vergrub sein Gesicht in meiner Halsbeuge und meinen Muskel spannten sich daraufhin an. Zögernd legte ich meine Arme um ihn. Ich tat nichts. Ich konnte nichts sagen, denn der Kloß in meinem Hals war so riesig. Ich hoffe einfach meine Anwesenheit ist ausreichend. In den letzten Tagen bemitleidete ich mich selbst, ohne zu merken, wie es ihm geht. Ich habe nie an seine Gefühle gedacht. Ich bin kein Teamplayer. „Ich bin ein scheiß Freund! Ich kann nicht mal meine Versprechen halten. Ich habe Angst, dass du jemanden in der Schule kennenlernst, der die wichtiger wird. Ich habe Angst, dass du mich vergisst, aber, Kenma, versteh bitte, ich bin einfach so verplant. Ich vergesse zu essen, verliere Schlaf, nur um das Beste aus dem Studium zu machen. Ich will es so schnell wie möglich durchhaben, um genug Geld zu verdienen, damit wir ein gutes Leben haben. Ich will, dass es uns gut geht! Dabei vernachlässige ich aber die Gegenwart. Bitte... Bitte verlass mich nicht! Kenma, bitte bleib bei mir. Ich brauch niemand anderen, mir sind doch alle egal, ich will doch nur dich, Kitten. Seit unserer Kindheit sind wir beieinander und dieser Abstand zwischen uns, bringt mein Herz zum Zerbrechen. Ich meinte alles, was ich je gesagt hab, ehrlich. Nur du und ich, das ist mein Wunsch!"
Mit jedem Wort wurde seine Stimme brüchiger und leiser. Am Ende glich es einem Wispern, doch ich verstand alles. Er ist, wie ich, in tausend Teile zerfallen. Es waren wieder tausende Messerstiche. „Kuro", ich wollte ihn leicht von mir drücken, doch er sein Griff wurde stärker. Meine Hand wanderte an seinen Haarschopf und ich fing an ich zu streicheln. Kuro, du Hund. Na ja, das sollte ich lieber nicht jetzt sagen, wäre vielleicht bisschen asozial. „Kenma, verzeih mir bitte!" Ich könnte ihn echt nie hassen, weil ich ihn zu sehr liebe. Er ist mir wichtig, auch wenn ich mich selbst verletzte, brauche ich ihn in meinem Leben. Er ist meine Sonne. „Ich verzeihe dir, Tetsuro." Ich zögerte nicht, aufgrund dessen, dass es die komplette Wahrheit ist. Aber die Wahrheit kann auch schmerzen und ich spüre es.
„Kitten?", schniefte er.
„Was ist denn?"
„Ich liebe dich. Ich höre dir zu. Sag alles, was in dir ist. Ich bin zwar nicht bereit, aber das werde ich wahrscheinlich nie. Wir waren immer zusammen und werden es auch für immer sein, doch wie du einmal zugeben musstest: Kommunikation ist wichtig, auch wenn es kacke ist."
Ach, Fick dich, Kommunikation!
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Love-Game
FanfictionIch bin Kenma oder auch als „Kodzuken" bekannt. In meinem Livestream kam die Frage über meine Oberschulzeit auf und wie ich mich zum ersten Mal verliebt habe. Da ist eine lange Geschichte, aber ich werde sie nun an die Öffentlichkeit bringen. „Das...
