Kapitel 48

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„Willkommen bei meinem Live-Stream! Ich bin Kodzuken und heute, wie ihr es euch bei der Abstimmung gewünscht habt, mach ich bei unserem Minecraftprojekt weiter", begrüßte ich die ersten Leute, die schon online waren. Der Stream läuft nicht mal zehn Minuten und schon sind hunderte bereit, was daran liegt, dass ich es angekündigt hab. Ich liebe es vor meinem Computer zu hocken und einfach das zu tun, was ich mag. Es macht mich manchmal echt nervös, wenn ich die Zuschauerzahl betrachte, aber dann erinnere ich mich daran, was Mako gesagt hat: Es sind nur Zahlen. Vielleicht hat sie auch Recht. Ich schaute zum Live-Chat, der als kleines Fenster offen war, damit ich mitlesen konnte. Zu meinem Geburtstag wünsche ich mir ein zweiten Monitor, denn sonst wird es ziemlich anstrengend. Glaube nun sind die meisten Leute dabei, dann kann ich ja mit dem Thema beginnen.

„Ich wurde gestern mit abnormal vielen Nachrichten bombardiert und ich gehe darauf mal ein. Ich hab eigentlich den Stream auf gestern angesetzt, aber es kam mir etwas dazwischen, wodurch ich das nicht schaffen konnte. Morgen hab ich zugleich noch ein Termin, der mir wichtig ist", erklärte ich grob die Situation. Morgen ist eins der Qualifikationsspiele für das Frühlingturnier, was mir jetzt wichtig ist. Volleyball war nie meine Priorität, doch ich will zeigen, dass ich auch ohne Kuroo spielen kann. Ich bin der Vize-Kapitän und der Stammzuspieler, das muss ich einfach schaffen. Ich bin mir auch ziemlich unsicher, ob ich noch weiter darauf eingehen will. Wenn ich sage, dass ich morgen ein Volleyballmatch hab, kommen viele auf die Qualifikationsspiele und da sie wissen, dass ich in der Abschlussklasse bin, könnte man herausfinden, wer hinter 'Kodzuken' steckt. Eine Gänsehaut breitet sich auf meiner Haut aus. Das will ich ganz bestimmt nicht!

Was ist vorgefallen? Eine gute Frage aus dem Chat, aber ich weiß nicht ob ich das beantworten soll. Immerhin hatte ich gestern 'ein Gespräch' mit Kuroo. Es hat mich so aus der Bahn geworfen, dass ich jetzt nicht weiß, was ich tun soll. Klar, ich werde morgen mit ihm reden, aber worüber? Wie soll ich da anfangen? Mit diesem Gespräch beende ich das 'Love-Game' und das ist eine wichtige Entscheidung. Meine Freunde haben mir alle gesagt, ich solle es tun, dennoch zweifle ich. Shoyo wünschte mir viel Glück und dass ich alles schaffen werden, denn ich bin ein 'fabelhafter Gamer', wie er es sagte. Ich bin ihm dankbar, denn er macht mich einfach fröhlich, doch die Situation, die auf mich wartet, macht mir Angst. Ich beende nicht nur ein Game, sondern alles. Jeden Moment, den wir hatten und geplant hätten zu haben, wäre vernichtet, wie das Löschen eines Spielstandes auf der Konsole. Ich hab ihm versprochen ihn zu heiraten, mit ihm zusammenzuziehen und zusammen alles zu erleben, aber ich kann kein Versprechen halten. Mein Blick wanderte zu einer kleinen Schachtel auf meinem Schreibtisch, in dem der Ring lag. Es waren nicht nur du und ich. Du hast sie und ich hab meine Comminty, somit werden wir glücklich, oder?

„Ich möchte darauf nicht weitereingehen, irgendwann, doch nicht heute. Aber ich möchte etwas, was für mich alles bedeutet, sagen. Danke an jeden einzelnen an euch! Ich hätte nie gedacht in so einer kurzen Zeit so viele Leute meine Community nennen zu können. Es ist jedes Mal so berauschend zusehen, wer alles dabei ist und ich hab geplant ein Teamprojekt zu starten, auf einem Server, wo ihr euch registrieren könnt. Zusammen könnten wir in Streams arbeiten und eine gemeinsame Welt erschaffen." Auf diese Idee bin ich stolz. Ich will mir mit anderen etwas Größeres aufbauen. Das Gefühl der Einsamkeit oder Trauer ist verschwunden, denn ich bin nicht mehr allein. Ich war es nie, denn jemand war immer an meiner Seite und das wird auch wahrscheinlich so bleiben. Ich bin nicht mehr der zurückgezogene Kenma Kozume, der sich an ein Typen heftet, sondern ich bin nun vollkommen ich selbst. Ich hab mehr Vertrauen in mich, was mich immer wieder überrascht. Ich bin nicht traurig über die Beziehung, egal, wie es mich gequält hat, denn so bin ich nun geworden. Er hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin und das macht mich froh. Ich bin ihm dankbar, das muss ich ihm definitiv sagen.

Wie willst du das Projekt nennen? War die Frage, die ich gerade so zwischen den ganzen Freudenkommentaren sehen konnte. Sofort kam mir eine Idee auf. Nekoma, die Schule, auf der ich bin und Karasuno, die Schule dank der ich lernte, was Spaß bedeutet. Ich bin mir sicher. „Nekosuno", sprach ich den Namen aus. Ich fixierte den Chat an und sah, wie begeistert alle waren und ich erkannte auch, wie viele mir zuhörten. Tausende. Ich will das weiter machen. Ich möchte für jeden einzelnen da sein. Nach meinem Abschluss will ich meine Zeit dareinsetzten. Klar, ein Studium wäre auch ganz gut, aber definitiv nicht in Tokio. Das ist mir zu viel Stress und dazu hätte ich Angst ihm zu begegnen, was unwahrscheinlich in dieser Metropole ist, doch ich gehe lieber eine Nummer sicher. Vielleicht ziehe ich nach Sendai oder wie Akaashi nach Kyoto, obwohl lieber nicht. Da ist Bokuto, weshalb Kuroo auch zu ihm fahren würde, was ich nicht will. Dazu könnte Bokuto nicht die Fresse halten und würde ihm sagen, wo ich wohne. Wenn ich etwas abschließe soll es auch so bleiben. Das ist meine Entscheidung! Es wird bestimmt nicht leicht, den Rest hier zu lassen, aber das überlebe ich. Meine Eltern hätten kein Problem. Yuyu und Tokuma gehen noch zur Schule, weshalb ich sie so oder so nicht oft genug sehen könnte. Tora will ja mit paar anderen in eine WG ziehen, was echt nicht mein Geschmack ist. Ich will meine Ruhe, die ich bestimmt in Sendai bekomme. Da könnte ich Shoyo auch öfters sehen und weil da mich keiner kennt, hätte ich kein Problem rauszugehen. Langsam wird es eh Zeit sich für eine Uni zu entscheiden, immerhin bin ich bald achtzehn. Bald ist mein erster Geburtstag ohne ihn. Okay hör auf! Das reicht!

Ich begann augenblicklich über meine anstehenden Ziele zu sprechen, damit er endlich aufhört meine Gedanken zu kontrollieren. Aber es klappt einfach nicht. Seine Stimme klang gestern so angeschlagen, dennoch löste es in mir Unbeschreibliches aus. Ich hab ihn so lange nicht mehr gesehen. Eine Ewigkeit konnte ich ihn nicht mehr küssen oder seine Nähe spüren. Ich glaube ich hab die schlimmsten Emotionen kennengelernt: Die Liebe und das Gefühl verloren zu haben. In einem anderen Leben können wir vielleicht zusammenbleiben. Vielleicht kann ich in einem andere Leben meine Versprechen halten. Doch in diesem Leben verlasse ich dich. Es tut so weh, dich fallen zu lassen, doch es tat mir weh, als ich allein in ein schwarzes Loch fiel. Und noch schlimmer war es dich mit ihr zu sehen. Hoffentlich gibt es ein anderes Spiel, welches besser läuft als dieses. Das ist ein Drecks Spiel! Auch wenn es vielleicht kein anderes Leben gibt, hab ich Hoffnung irgendwann dir zu begegnen. Zwar will ich das im Moment nicht, denn ich mache gerade ein Cut, doch irgendwann schon. Irgendwann sehen wir uns wieder, aber dann nicht als zwei Geliebte oder Freunde, sondern als Fremde. Und vielleicht sage ich in dieser Zeit zu jemand anderen:

Ich liebe dich. 

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