Kapitel 56

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(31.12.2013)

Und so geht wohl ein Jahr zu Ende. Es fühlt sich falsch an diesen Tag ohne ihn zu durchstehen. Allerdings hab ich gelernt, das Leben meint es selten gut mit Menschen. Seine Nähe war mir selbstverständlich, wodurch ich erst als er weg war merkte, wie falsch ich gelebt hab. Vor einem Jahr küsste ich ihn und über uns explodierten jegliche Raketen. Es fühlte sich wie das schönste Geschenk an, aber nun ist es eine bloße Erinnerung. Dieser Moment hat ein großen Platz in meinem Herzen. Und heute wird es ein Silvester, welches keinem Vorherigem gleicht. Die Tatsache, nicht mehr mit ihm zusammen zu sein, ist endlich in meinem Kopf angekommen, doch der bittere Nachgeschmack, ohne ihn zu leben, ist weiterhin bestehend. Aber jede Reaktion kling ab, das ist nun mal so. Menschen trennen sich und dann macht man stumm weiter. Das Leben schreitet voran, obgleich man das nicht will. Gegen die Zeit kann man nicht ankämpfen. Das ist das Schicksal aller Menschen und dies ist unveränderbar. Langsam finde ich mich damit ab. Langsam kann ich wieder normal weiterleben. Okay, was heißt hier bitte normal? Manchmal wache ich auf und wünsche mir ihn neben mir zu sehen. Ich könnte nie jemand anderen lieben oder begehren, denn nur er zieht mich an und nur er schafft es, mich Nächte lang wachzuhalten. Ich will noch einmal mit ihm den Himmel beobachten, vielleicht in meinen Träumen, denn die Realität sieht anders aus. Aber eine Sache lässt alles positiver ausschauen: Wir schauen jeden Tag in denselben Himmel. Jedes Mal, wenn ich die Sonne sehe, spüre ich seine Wärme. Jedes Mal, wenn ich mein Zimmer betrete, blicke ich an die Stelle, wo eins das Poster hing. Jedoch eins hat sich nicht geändert:

Ich trage den Ring noch immer, weil ich jeden zeigen will, dass ich ihn nicht loslassen kann.

„Kuroo, kommst du endlich?" Bokuto streckte sein Kopf in mein Zimmer. „Ja, kannst schon runtergehen, komme gleich nach", wies ich ihn an. Die Eule grinste und flitze runter, wo das Auto von ihm stand. Die Zeit vergeht rasend, wovor ich immer Angst hatte. Nie hätte ich gedacht, dass er der erste mit einem Führerschein ist, schließlich ist er im Kopf oft wo ganz anders. In meinem Kopf malte ich mir aus, wie er die Prüfungen nicht besteht, aber er bewies das Gegenteil. Bokuto überraschte alle. Das ist ein Beweis, dass jeder Erwachsen wird, obwohl niemand es sich wünschte. Keiner wird ewig ein Jugendlicher sein. Es gibt keine Garantie, dass die Jugend bis in das Erwachsenalter hält, zum Beispiel in Form von Schulfreundschaften oder Kindheitsfreunden. Ich werde auch älter und muss verstehen im jetzt zu leben. Heute fahre ich mit nach Kyoto und bleibe dort auch eine Woche, ehe ich wieder hierher zurückkehre. Kurzzeitig verlasse ich diese Stadt, in der er ist. Kurzzeitig mache ich die Distanz zwischen uns größer, auch wenn schon zwischen uns eine Schlucht der Sozialen Distanz herrscht. Ich ging zu meinem Schreibtisch und öffnete die oberste Schublade. Sofort gelangte ein weißer Umschlag in mein Sichtfeld. Vielleicht sollte ich nochmal alles in Worte fassen, damit in mir das Chaos kleiner wird. Ich bin nicht mehr traurig darüber ohne ihn zu sein. Ich bin nur müde davon ihn jeden Tag auf jeglichen Plattformen zu sehen und zu wissen, dass jeder ihm zu hören kann. Er redet frei von der Seele. Kenma hat sein Charakter geändert und scheint glücklich. Aber es macht mich wütend, nicht mehr der einzige für ihn zu sein.

Früher war ich der einzige, welcher seinem langen Redefluss lauschte und nun sind es tausende.

„Irgendwann wirst du endlich beim Adressanten ankommen", murmelte ich. Daraufhin schlug ich es zu und griff nach meiner Tasche. Wenn ich mich jetzt nicht beeile, kommt Bokutos Depri-Modus und das will ich mir, sowie Akaashi, nicht auf einer langen Autofahrt antuen. Ich sauste die Treppen runter und riss die alte Holztür auf. Da sah ich schon sein Auto. Es ist ein Wunder, das diese Klapperkiste noch fährt. „Komm, steig ein!" Bokuto saß schon am Steuer und ich erkannte ein genervten Akaashi auf dem Rücksitz. Gut gelaunt ließ ich mich neben dem Ex-Kapitän nieder. Hier ist es genauso kalt wie draußen. Das ist eigentlich nicht verwunderlich im Winter. „Hey, Akaashi, wieso sitzt du hinten?", wollte ich von ihm wissen. Der Junge trug einen braunen Pullover und auf seiner Nase saß seine Brille. In der Freizeit trägt er es wirklich, irgendwann werde ich mich an diesen Anblick von ihm gewöhnen. „Von hier sehe ich weniger von dem, was Bokuto macht. Das beruhigt mich ein wenig", gab er zu. „Akaashi! So schlecht fahre ich gar nicht", quengelte Bokuto auf. „Da hast du recht. Du fährst nichts schlecht, sondern scheiße. Aber egal, wie scheiße du am Steuer bist, Mako-san fährt noch schlimmer", beruhigte er ihn. „Ist das jetzt so ein Gesetz, dass Mako schlechter fährt als alle anderen?" „Ja, das ist das Makonische-Gesetz", erwiderte er. Daraufhin konnte ich mir kein Lachen verkneifen. „Jetzt bock nicht rum, Kotaro, und fahr los", forderte der Jüngste ihn auf. Sofort hellte sich das Gesicht des Fahrers auf. „Liebend gern! Auf nach Kyoto", brüllte er und setzte sein Auto in Bewegung.

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