Kapitel 2

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Keine fünf Minuten später stand Kasimir in unserem Wohnzimmer und bestaunte es. Er hatte sich ein weißes T-Shirt übergezogen, auf dem in Großbuchstaben "BEK" stand. Keine Ahnung, was es bedeutete, aber war wohl der Name irgendeiner aktuellen Band. Obwohl er einen leicht schrägen Eindruck auf mich machte, genoss ich seine Anwesenheit. Ich mochte es generell Gesellschaft zu haben und er war ja Marias Sohn. Ich weiß, Maria würde ihn grün und blau schlagen, wenn er es wagen würde, irgendeinen Blödsinn mit mir anzustellen. Sie war Polin und legte großen Wert auf einen respektvollen Umgang mit Frauen. Das hatte ich bei ihren Erzählungen des Öfteren rausgehört. Mit Chicco, kam er auch sofort klar, was mich ziemlich überraschte, da Chicco gerade was Männer anging, immer sehr misstrauisch war.
,,Was für'n übelster Fernsehen. Dikka, kraaasss ist das ein Aquarium als Wand?"
Ich musste kurz schmunzeln, bevor ich ihm antworten konnte. ,,Eher ein Raumtrenner. Meine Eltern haben das Aquarium extra so anfertigen lassen."
Er ließ den Blick schweifen.
,,Jawoll und ein Heimkino. Deine Eltern müssen echt Para haben, bei der Hütte."
Ich zuckte mit den Schultern. ,,So besonders ist das alles nicht. Das ganze Zeug verliert seinen Wert, wenn man es mit niemandem genießen kann."
Er ließ seinen Blick, vom Heimkino ab und sah mich an.
,,Hab schon gehört, dass deine Eltern immer unterwegs sind. Tut mir auf jeden Fall leid. Seh meine Mama auch nicht mehr so oft wie damals."
,,Naja, hab mich dran gewöhnt. Alles gut", log ich, denn das Letzte, was ich gerade wollte, war, die gute Stimmung zu killen, in dem ich einem Jungen, den ich gerade erst kennengelernt hatte, meine familiären Probleme zu erklären.
,,Du, wenn es dir nichts ausmacht, würde ich mal eben nach oben gehen und unter die Dusche springen. Mach es dir ruhig gemütlich, fühl dich wie zu Hause. Ich bin gleich wieder da.", ich lächelte ihn an und hatte den Eindruck, ein Hauch von Röte in seinem Gesicht zu erkennen.
,,Äh, klar, geh ruhig", stammelte er schnell und fuhr sich verlegen durchs Haar.
Das war ziemlich süß, dachte ich und ging mit einem grinsen nach oben.
Zehn Minuten später war ich fertig. Ich ging mit einem Handtuch bedeckt in mein Zimmer und zog mir das nächstbeste Sommerkleid über, das ich finden konnte.
Als ich wieder herunterkam, war jedoch von Kasimir, keine Spur mehr zu sehen. Nur Chicco, der im Wohnzimmer auf dem Boden lag.
,,Kasimir?", rief ich durchs Haus und sah mich in den anderen Zimmern um. In der Küche fand ich einen Zettel, auf dem mit leicht krakeliger, aber lesbarer Schrift stand:

Sorry! Musste schnell rüber, essen ist fertig. Wir sehen uns Nachbarin. K.

Aus irgendeinem Grund war ich total enttäuscht. Ich hatte mich in seiner Nähe echt wohlgefühlt und hätte gerne noch mehr Zeit mit ihm verbracht.
Ich gesellte mich zu Chicco ins Wohnzimmer und ließ mich auf das Sofa sinken. Dann schrieb ich meinen Freundinnen, dass morgen eine Party bei mir steigt. Worauf mein Handy, von den vielen What's App Nachrichten aus unserer Mädelsgruppe förmlich explodierte. Alle freuten sich wie verrückt und die Vorfreude auf die Party, ließ meine Stimmung wieder ein wenig steigen.

Den restlichen Tag, hatte ich somit, in meinem Designerzimmer verbracht, um an meinen Zeichnungen zu arbeiten und das eine oder andere, von mir genähte Kleidungsstück, zu überarbeiten. Auch dieses Zimmer hatten mir meine Eltern extra eingerichtet, damit ich mich dort kreativ austoben konnte. Ich besaß eine riesige Sammlung von den unterschiedlichsten Stoffen und Applikationen, so wie die neuste Nähmaschine. Gegen neun, hatte ich mir dann eine riesige Pizza bestellt. Gab dem Lieferanten ein extra Trinkgeld, worüber er sich ausgesprochen freute und ging hoch in mein Zimmer. Nun lag ich auf meinem Bett, während Chicco, auf seiner Decke schlummert und suchte mir einen Film bei Netflix raus.
,,Tja Chicco, was gucken wir denn heute schönes?"
Chicco öffnete halb seine Augen und schlief dann seelenruhig weiter.
Doch gerade als ich es mir bequem gemacht hatte und einen Film starten wollte, hob Chicco ruckartig den Kopf. Gefolgt von einem Knurren, stand er auf und ging Richtung Zimmertür.
,,Chicco, was ist los?"
Ich lauschte, doch konnte nichts hören. Sein Knurren wurde stärker und leichte Panik, kam in mir hoch. Versuchte jemand einzubrechen?
Ich stand langsam auf und ging ebenfalls zur Tür, das Handy fest in meiner Hand umklammert, damit ich so schnell wie möglich die Polizei rufen konnte. Eigentlich war es unmöglich, dass jemand im Haus war, sonst wäre die Alarmanlage angegangen. Und meine Eltern ließen diese wirklich regelmäßig warten. Abgesehen davon, war es eine der besten Modelle, die es derzeit auf dem Markt gab. Leise öffnete ich meine Zimmertür und wollte durch einen Spalt in den dunklen Flur blicken. Doch Chicco drängte sich mit aller Macht durch genau diesen Spalt hindurch und lief hinaus.
,,Chicco nein!", flüsterte ich leise und sah nur noch, wie er die Treppe herunter düste.
,,Chicco!", versuchte ich leise zu rufen und ging ein paar Schritte den Flur entlang, der nun beleuchtet war. Chicco hatte den Bewegungsmelder ausgelöst und somit das Licht eingeschalten. Am Treppenabsatz blieb ich stehen und lauschte. Doch noch immer war nichts zu hören. Das Licht schaltete sich wieder aus und ich stand im Dunkeln da.
,,Chicco!", rief ich nochmal halb flüsternd. Plötzlich ging das Licht unten wieder an und eine Gestalt trat hervor.
,,Was geht, Nachbarin. Bock zu chillen?"
Kasimir stand unten an der Treppe und blickte zu mir nach oben. Keine zwei Sekunden später stand auch Chicco neben ihm und freute sich.
,,Alter!", brachte ich wütend hervor und war im gleichen Atemzug erleichtert, dass es nur Kasimir war.
,,Du bist verrückt, mir so einen Schrecken einzujagen!"
,,Ey Sorry! Hab den Schlüssel von meiner Mama. Dachte hast Lust auf Gesellschaft."
Ich musste die Situation erstmal sacken lassen und schwieg.
,,Und?", fragte er nach einer Weile. Ich winkte ihn wortlos, mit einer Handbewegung, nach oben.

,,Machs dir bequem", ich zeigte auf das hellgraue kleine Ecksofa, in meinem Zimmer und schaltete den Film wieder aus, um auf einen der Radiosender zu wechseln.
,,Sorry nochmal, mir war irgendwie langweilig. Bin's gewohnt, dass immer Leute um mich rum sind", beichtete er, setzte sich und zog seine Trainingsjacke aus.
,,Schon ok. Nimm dir ruhig was von meiner Pizza", ich stellte den Karton auf den Couchtisch. Dann setzte ich mich zu ihm.
,,Danke." Er nahm sich ein Stück und stopfte es sich förmlich in den Mund, während ich ihn dabei beobachtete. Er hatte etwas Interessantes an sich und was auch immer es war, es faszinierte mich so sehr, dass ich meinen Blick, ohne es zu merken, an ihm haften ließ. Abgesehen davon, dass ich den Eindruck einfach nicht loswurde, ihn schonmal gesehen zu haben.
,,Wenn du mich weiter stalkst, ess ich die Pizza ohne dich."
Er riss mich aus meinen Gedanken heraus.
,,Ich stalke dich nicht. Und nein, das wirst du nicht tun!", schnell griff ich mir eines der Stücke und stopfte es mir ebenfalls in den Mund, was ihn zum Lachen brachte.
,,Spliffst du eigentlich?", fragte er plötzlich, völlig unerwartet.
,,Na ja, – eher selten. Und du?"
Er nickte, holte einen Joint und ein Feuer aus seiner Tasche und zündete ihn an. Ich stand auf und schickte Chicco aus dem Zimmer. Nachdem Kasimir ein paar Züge genommen hatte, reichte er ihn mir. Wortlos nahm ich ihn und zog ebenfalls ein paar Mal. Da war es wieder, das breite Grinsen in seinem Gesicht, dass ich heute schon so oft gesehen hatte.
,,Warum grinst du?", fragte ich und musste mit grinsen, da es mich jedes Mal förmlich, ansteckte. Ich nahm noch einen Zug und gab ihm den Joint zurück.
,,Nur so." Er lehnte sich zurück und zog erneut.
,,Sag!", fordere ich ihn auf und stupste ihn mit meinem Ellenbogen sanft in die Seite.
,,Ha ha, nein!"
,,Lachst du mich etwa aus?"
,,Quatsch", sagte er und zwinkerte mir zu.
,,Na, das hoffe ich für dich!"

Innerhalb weniger Minuten bekam ich bereits die volle Wirkung des Weeds zu spüren und fing an ihn über Gott und die Welt voll zu quatschen. Sowie über verschiedene peinliche Erlebnisse, die ich schonmal hatte, was ihn anscheinend sehr unterhielt. Da er definitiv auf die Gespräche einging. Es war wirklich eine Weile her gewesen, dass ich das letzte Mal gekifft hatte.
Nach einer Weile kam mir die glorreiche Idee, doch auch mal das Fenster zu öffnen, um Luft hereinzulassen, da sich mittlerweile ziemlicher Nebel im Zimmer gebildet hatte. Ich stand auf und balanciert, mit meinem Pizzastück in der Hand, zwischen Kasimirs Beinen hindurch. Doch noch bevor ich das Fenster ganz erreichte, stolperte ich und die Pizza klatschte an die Fensterscheibe. Ich hatte mich gerade noch so an der Fensterbank halten können und spürte Kasimirs Hände an meiner Taille, der mich halten wollte.
,, Alles ok?", fragte er.
Ich musste plötzlich aus vollem Halse loslachen, sodass ich Bauchschmerzen bekam und Kasimir lachte ebenfalls mit. So viel Spaß mit einem Typen hatte ich echt schon lange nicht mehr gehabt. Dieses unbeschwerte Gefühl, dass es sich nicht nur um das eine drehte, hatte ich vermisst. Bei den meisten Treffen lief es doch früher oder später immer darauf hinaus, dass der Typ einen ins Bett kriegen wollte. Doch bei Kasimir hatte ich nicht den Eindruck, dass er auch nur eine Sekunde daran gedacht hatte, mich heute sozusagen, klarzumachen. Es fühlte sich alles eher an, als würde ich mit einer guten Freundin zusammen sitzen und als würden wir uns schon ewig kennen.
Nachdem wir uns beruhigt hatten, ließ ich mich wieder neben Kasimir auf das Sofa fallen und beobachtete ihn, wie er weitere Züge nahm. Er wirkte so geheimnisvoll und mir wurde klar, ich muss unbedingt mehr über diesen Jungen erfahren!

Ohne Dich/Kasimir Fan FictionGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt