Kapitel 49

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Ein kühler Frühlingswind wehte mir durch das Haar. Ich verschränkte die Arme, in der Hoffnung dadurch weniger Körperwärme zu verlieren. Als ich rechts, den Gehweg entlang blickte, standen die Straße entlang, geparkt Autos, die ziemlich teuer aussehen. Bei einigen waren die Fensterscheiben herunter gelassen oder die Türen geöffnet und laute Musik dröhnte heraus. Daneben standen Gruppen von Männern und Frauen, die sich lautstark unterhielten, rauchten und lachten. Links von mir, waren ebenfalls ein paar Autos die Straße entlang geparkt. Allerdings standen dort keine Leute herum. Daher entschied ich mich für den ruhigeren Weg.
Ich ging den Weg entlang und sah mich um. Ob Kasimir schon gegangen war? Das wäre ziemlich unwahrscheinlich, da Dilo und Hassan, ihn doch sonst auch immer überall rumfuhren und die waren noch drinnen. Ich seufzte und überlegte, einfach wieder zurück in den Club zu den Mädels zu gehen.
Bing! Ertönte der Nachrichtenton von meinem Handy. Ich holte es aus meiner Umhängetasche heraus und sah auf den Bildschirm. Mein Atem blieb stehen, als ich Kasimirs Namen las und die Nachricht dazu.

Suchst du mich?

Verwirrt starrte ich auf den Bildschirm. Ob ich ihn Suche?
Woher weiß er das? Ich sah mich um, ob ich ihn irgendwo in einer Ecke stehen sah. Kein Kasimir! Ich blickte wieder auf den Bildschirm und antwortete ihm hastig.

Ja

Mal schauen, was passiert. Wie Mona gesagt hatte. Ich erschrak, als plötzlich die getönte Hinterscheibe, von dem Auto neben mir herunter ging und Kasimir mich angrinste, ,,Was geht B?"
,,Hey!",antwortete ich euphorischer als ich wollte und hätte mir dafür ins Knie beißen können. Sammelte mich jedoch schnell wieder, ,,Ja nix ne."
,,Nach nix, sieht das aber nich aus",sagte er und musterte mich von oben bis unten.
,,Warum bist du hier und nicht bei den anderen?", fragte ich schnell um ihn von mir abzulenken. Da mich das ziemlich nervös machte, das er mich so genau begutachtete, als wäre ich ein Ausstellungsstück.
,,Keine Lust", antwortete er und sah mich nun an.
,,Hm."
Ein ungewohntes Schweigen umgab uns. Eigentlich wollte ich ihm so viel sagen, doch ich wusste nicht wo ich anfangen sollte. Bevor es unangenehm wurde, deutete Kasimir mit dem Kopf ins Auto, was soviel hieß, das ich einsteigen sollte. Ich ging zur anderen Seite. Erst jetzt, als ich am Türgriff zog, bemerkte ich wie schwitzig meine Hände eigentlich waren. Ich setzte mich zu ihm auf die ledernde Rückbank. Jemand saß am Steuer, den ich nicht kannte. Ich begrüßte ihn kurz und ein ebenso kurzer Gruß kam zurück.
,,Und was haste so gemacht?",fragte Kasimir sofort. Leicht überrumpelt, blickte ich ihn an. Mir fiel auf das er ein klein wenig zugenommen hatte. Das störte mich nicht, aber er sah dazu auch etwas fertig aus. Sofort spürte ich Sorge in mir hochkommen, ob es ihm gut ging. Nicht's desto trotz, war seine Einleitung in ein Gespräch, ziemlich plump. Es wirkte, als hätten wir uns erst letzte Woche gesehen und würden uns nun den üblichen Klatsch und Tratsch um die Ohren hauen. Aber was hatte ich erwartet? Das er mich umarmt und freudestrahlend begrüßt?
,,Ähm gut, danke. Naja - hauptsächlich hab ich mich um mein Studium gekümmert. Dann bin ich viel mit den Mädels unterwegs gewesen. Achja mit meinem Vater hab ich mich wieder vertragen und meine Ma ist wieder am Daten", antwortete ich mit einem Grinsen, ,,Und was hast du so, die letzten Monate gemacht?" Ich war mir nicht sicher, ob ich den Zeitraum erwähnte, um zu verdeutlichen, das wir uns sehr lange nicht gesehen hatten oder in der Hoffnung, ich würde eine, etwas in die Tiefe gehendere, Antwort bekommen.
,,Viel zu tun gehabt. Unterwegs gewesen und Musik gemacht."
,,Okeey. Und wie geht's dir sonst so?" 
,,Gut", antwortete er kurz und knapp.
Da hatte er also doch, die letzten Monate einfach Stumpf in einen Satz und ein Wort gepackt.
,,Sicher? Du siehst etwas fertig aus."
Er schmunzelte, ,,Machst du dir Sorgen?"
Ich hob nur die Augenbrauen und zuckte beiläufig mit den Schultern. Wenn er dieses ganze Gespräch so oberflächlich halten konnte, konnte ich es auch. Obwohl ich innerlich unbedingt wissen wollte, ob es ihm wirklich gut ging und vorallem ob er nach unsere Trennung, weiter Kontakt mit Aylin hatte, andere Beziehungen und auch alles andere.
Willst du auch?", er zeigte auf den Joint, den er gebaut hatte, zündete ihn an und nahm einen Zug. Ich schüttelte den Kopf.
,,Komm, auf die guten alten Zeiten", sagte er mit einem Lächeln und zwinkerte mir zu.
,,Na gut",druckste ich und erwiderte es. Ich war unserem Zusammentreffen hier, zwar noch misstrauisch gegenüber, aber seinem Lächeln, konnte ich einfach nicht widerstehen und vorallem, wie sehr hatte ich genau dieses Lächeln, die letzten Monate vermisst.
Er rutschte ein Stück zu mir und gab mir den Joint herüber. Ich wurde ein wenig nervös und das Gefühl ihn einfach nur zu berühren überkam mich. Ich nahm einen tiefen Zug. Dieser Joint musste mich unbedingt beruhigen. Es konnte doch nicht sein, das ich kaum ein paar Minuten mit ihm im Auto sitze und mein Herz sofort verrückt spielt. Als ich langsam den Rauch ausblies, und dieser durch das geöffnete Dachfenster nach draußen stieg, bemerkte ich im Augenwinkel, das Kasimir mich dabei beobachtete. Das alles fühlte sich irgendwie an wie damals. Wie oft haben wir zusammen irgendwo gesessen, einen Joint geraucht, Pizza gegessen uns über Gott und die Welt unterhalten und...
,,Du siehst hübsch aus",sagte er plötzlich und ließ meine Locken, die locker über meiner Schulter lagen, durch seine Finger gleiten. Womit er mein Schwelgen in Erinnerungen unterbrach. Ich spürte wie ich errötete. ,,Dankeschön. Das Kleid hab ich übrigens selbst genäht. Heute ist Sevtap's Junggesellinnenabschied ", antwortete ich und gab ihm den Joint zurück.
,,Du hast halt Talent darin. Mir wolltest du auch mal ein paar Klamotten designen."
,,Ich wusste nicht das der Deal noch steht und - danke."
Ich betrachtete seinen schwarzen Hoddie und die schwarze Jogginghose, die er trug, mit der BEK Aufschrift, ,,Wie ich sehe, habt ihr aber bereits neues Merch rausgebracht. Gefällt mir!" Er nahm einen Zug und lächelte, ,,Is das so?"
Ich nickte. Warum war ich so extrem nervös in seiner Gegenwart? Und warum zum Teufel, machte er mich so wuschig. Er versucht dich nur aus der Bahn zu werfen. Lass dir nicht anmerken, das es funktioniert! Redete ich mir in Gedanken ein.
,,Digga, ich geh mal rein. Schließ ab, wenn ihr mit flirten fertig seid", sagte der Typ am Steuer plötzlich. Drehte sich um, grinste Kasimir an und warf ihm dann den Autoschlüssel zu. Kasimir fing ihn und grinste nur zurück ohne zu antworten.
Wie peinlich, dachte ich.
,,Ich hab ganz vergessen,das der noch vorne saß", sagte ich, als der Typ die Tür hinter sich zugeschlagen hatte.
,,Passt, schon! Haben doch nix unanständiges gemacht." Kasimir sagte das mit einem so veruchten Unterton, das ich sofort Kopfkino bekam. Komm klar Bonnie! Kasi ist dein Ex! Versuchte ich das Kopfkino wieder abzuschalten. Ich zuckte zusammen, als plötzlich jemand lautstark an der Fensterscheibe, auf meiner Seite klopfte. Mit aufgerissenen Augen, blickte ich zu Kasimir, der ganz locker blieb. Und nun ganz dicht an mich heran rutschte, um den Knopf für die Fensterscheibe zu betätigen. Als die Scheibe herunter fuhr, tauchte die Silhouette eines breitgebauten Mannes auf.
,,Yo, Bonnie- was geht?" Dilo stand nun vor uns und grinste mich an.
,,Hi", antwortete ich verlegen.
Er blickte zu Kasimir, ,,Junge, sag doch was!"
,,Was soll ich'n sagen?"
Klang Kasimirs Stimme direkt neben meinem Ohr. Ich spürte die Wärme, seines dicht an mich gedrückten Körpers, seine linke Hand, lag fast auf meiner. Ich atmete sein Parfum ein und mein Herz fing an zu rasen. Ich stellte mir vor, wie es wäre ihn zu küssen.
Dilo wechselte den Blick, zwischen mir und Kasimir, hin und her. ,,Brudi, wir klären später! Macht mal euer Ding da zu Ende und kommt rein feiern." Dann beugte er sich ganz dicht ans Fenster und sprach nun in einem leiseren Ton zu mir, ,,Is deine eine Freundin auch hier? Nicole?" Ich nickte.
,,Alles klar", ein breites Grinsen überzog sein Gesicht. Dann richtete er sich wieder auf und ging davon. Kasimir drückte auf den Knopf und die Scheibe fuhr wieder nach oben. Ohne was zu sagen, rutschte er wieder komplett zurück auf seinen Platz, als wäre nichts gewesen. Hatte er dieses Gefühl nicht auch gerade gespürt?
,,Was sagst du? Wollen wir auch wieder rein?"
,,Ähm- Ja, klar. Aber... ich... wollte vorher gern noch etwas wissen." Murmelte ich und atmete tief ein.
Sein Handy vibrierte, was ihm aus der Hosentasche gefallen sein musste. Als ich einen Blick darauf warf, leuchtete ein Frauenname auf dem Display auf. Ich sah ihn an, doch er reagierte nicht darauf, sondern wartete noch auf meine Frage.
,,Willst du nicht ran gehen?"
,,Unwichtig!"
Das vibrieren hörte auf.
Unwichtig! War es das wirklich, oder sollte ich nur etwas nicht wissen? Mit einem Mal, fühlte ich mich dumm. Was tat ich hier gerade? Schmachtete meinem Ex hinterher, den ich verlassen hatte, weil es mit ihm keine Zukunft gab?
,,Du musst mir nix verheimlichen", sagte ich selbstbewusst und zwinkerte, ,,Wir sind cool miteinander. Und ich freu mich für dich, wenn du jemand neues hast." Wenn jemand eine eins in Schauspielkunst verdient hatte, dann war ich das gerade, denn es war alles komplett gelogen. Sein Gesicht wurde ernst und er wendete sich ab. Er nahm einen letzten Zug vom Joint und katapultierte ihn aus dem Dachfenster nach draußen.
,,Ok. Dann lass mal jetzt rein!"

Laura strahlte mich an, als sie mich kommen sah, doch als sie meinen Gesichtsausdruck erkannte, wurde sie ernst.
,,Was hat der Idiot gemacht!", fragte sie sofort. Auch Mona und Nicole, kamen zu mir.
,,Nix! Alles gut. - Wir sollen zur VIP Lounge von denen rüber kommen. Wo ist Sevtap?"
,,Nach Hause. Ihr Bruder hat sie abgeholt. Die war völlig am Ende!", antwortete Mona.
,,Willst du rüber zu denen?", fragte Nicole besorgt. Ich nickte, ,,Es ist alles cool. Kasi und ich sind nur Freunde und so wird es bleiben."
Alle drei sahen mich ungläubig an. Ich glaubte es ja selber kaum. Erst dachte ich, er wäre sauer auf mich gewesen, wegen dem was ich im Auto gesagt hatte, doch als wir in den Club gingen, war er wieder der alte. Locker drauf und erzählte von seinen geplanten Auftritten.
,,Alles gut Leute! Lasst uns jetzt rüber. Ich will den Rest des Abends genießen."

Ohne Dich/Kasimir Fan FictionGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt