,,Äh ok, musst du nicht morgen arbeiten?", fragte ich irritiert.
,,Ich hab die Woche Uurlaaaub!"
Ich betrat ihre Wohnung und hörte aus dem Wohnzimmer, welches am anderen Ende des Flures lag, trotz geschlossener Tür, schon den Bass dröhnen. Ich zog meine Schuhe aus und ging den schwach beleuchteten Flur entlang. Ein Geruch von Alkohol und Rauch lag in der Luft. Vorsichtig öffnete ich die Wohnzimmertür und trat ein. Bei gedimmten Partylicht, laufendem Fernsehen und dröhnender Musik, saßen zwei Typen, auf ihrem Sofa, die ich nicht kannte. Während der eine, weißes Pulver auf ihrem Couchtisch klein hackte, quatschte der andere ihn voll.
,,Hey", sagte ich und beide sahen neugierig in meine Richtung.
,,Hey, schöne Frau!", sagte der, der geredet hatte, euphorisch. Er hatte kurze blonde Haare, trug ein weißes Poloshirt und eine beige Shorts. Er sah ziemlich gut aus, fast Model mäßig.
,,Hi", sagte der andere, der dagegen wirkte wie der typische Dealer von nebenan. Er hatte ebenfalls blonde Haare, allerdings etwas länger und zerzauster. Unter seinen Augen zeichneten sich tiefe Ringe. Er trug ein schwarzes T-Shirt mit einer Aufschrift und eine blaue zerrissene Jeans. Nachdem er mich begrüßt hatte, senkte er seinen Kopf und widmete sich wieder seinem Projekt auf dem Tisch.
,,Das ist Marvin, ein Freund und das ist Stephan, mein Arbeitskollege! Und Jungs, das ist meine Freundin Bonnie", stellte Nicole uns vor.
,,Bonnie komm setz dich!", sagte der blonde Typ, bei dem ich nun wusste, dass er Stephan hieß und deutete auf den Platz neben sich.
,,Willst du auch?", fragte er, als ich mich setzte und zeigte auf das weiße Pulver, welches Marvin jetzt fein säuberlich zu ein paar Lines zurechtschob.
,,Nein Danke."
,,Du bleibst doch noch ein bisschen, oder?", fragte Nicole, während sie im Schrank kramte.
,,Wie? Willst du gleich wieder los?" fragte Stephan und lächelte mich mit seinen blauen Augen an.
,,Eigentlich wollte ich nur kurz was abholen."
,,Ach komm schon, leiste uns noch ein wenig Gesellschaft. Wir trinken was zusammen", sagte er jetzt und schenkte mir sein charmantestes Lächeln. Verdammt, war der sympathisch!
Ich wog kurz die Situation ab. Sollte ich zurück nach Hause? Wo mich meine Mutter sicher wieder mit endlosen Entschuldigungen voll blubberte, weshalb sie nun doch wieder arbeiten gehen müsse, damit ich im Anschluss allein und deprimiert in meinem Zimmer hockte, oder mich mit gutaussehender Gesellschaft und ein wenig Alkohol ablenken?
,,Ok, warum eigentlich nicht!", sagte ich entschlossen und lächelte ebenfalls zurück.
Nicole kam zu mir rüber und drückte mir das Weed in die Hand.
,,Willst du erzählen, was los ist?", fragte sie besorgt.
,,Meine Eltern lassen sich scheiden, weil mein Vater 'ne neue hat. Ich glaube, mehr muss ich dazu nicht sagen." Nicole schüttelte den Kopf. ,,Ach scheiße Bonnie, das ist richtig mies!"
,,Irgendwie hab ich mir auch schon gedacht, dass es mal so weit kommt. Die haben sich ja zum Ende hin, so gut wie nie gesehen."
,,Hatten die 'ne Fernbeziehung?", fragte Stephan.
,,Kann man so sagen."
,,Sowas funktioniert eh nie auf Dauer. Entweder fühlen sie sich irgendwann einsam und suchen sich deswegen wen anders oder sie leben sich auseinander, weil sie nichts mehr zusammen unternehmen. War bei meinen Eltern auch so! Die haben sich getrennt als ich zehn war."
Stephans Worte brannten sich in meinen Kopf. War es tatsächlich so schwierig, eine Fernbeziehung zu führen oder sie zu halten?
,,Aber Kopf hoch, kleines, hier findest du definitiv die Ablenkung, die du jetzt gebrauchen kannst", holte mich Nicole aus meinen Gedanken und drückte mich ganz fest.
,,Danke."
,,So! Und was willst du jetzt trinken?", bereit mir was aus der Küche zu holen, stand sie vor mir.
,,Egal", sagte ich locker und zuckte mit den Schultern.
Sie grinste und ging. Nach wenigen Minuten kam sie mit einem Longdrinkglas in der Hand zurück.
,,Ach Jungs, hab ich eigentlich schon erzählt, wer am Wochenende auf Bonnie's Hausparty war?", Nicole stellte das Glas vor mir ab und hielt kurz inne, ,,Darf ich das überhaupt erzählen?"
Ich musste lächeln und nickte.
,,Ok – und zwar, kennt ihr diesen neuen Newcomer Rapper hier aus Berlin, Namens Kasimir?"
,,Kasimir 1441?", fragte Marvin und sah mich mit riesigen Augen an. Ich nickte verlegen.
,,Heeeeeftig!", sagte Stephan kaum fassend.
,,Er war mit diesem Dilo da. Ich kannte die beiden bis dahin überhaupt nicht, aber super drauf, die Jungs. Mit Dilo bin ich später noch um die Häuser gezogen. Richtig korrekter Mann."
,,Geile Sache, kennst du die privat oder wie?", fragte Stephan.
,,Na ja nur Kasimir ein bisschen."
Ich wollte den beiden nicht gleich offen legen, wie privat ich ihn kannte.
,,Krass, erzähl mal! Ist er in echt so wie in seinen Songs, mit Nase hier, Nase da, Bitches ballern, Partys und so weiter? Hab gehört, dass er immer am Feiern ist", sagte Stephan und war total aus dem Häuschen. Entweder freute er sich tatsächlich darüber, dass ich Kasimir kannte, oder es lag an der Line, die er sich gerade durch die Nase gezogen hatte.
,,Ich hab gehört, der soll voll der Junkie sein, ständig verballert und ständig zugedröhnt. Vor allem in seinen Interviews sieht man das voll."
Ich sah die beiden an und konnte gar nicht fassen, was für Sachen über Kasimir erzählt werden. Das machte mich ziemlich wütend, doch ich musste sachlich bleiben. Das meiste waren doch sowieso nur Gerüchte! Zumindest hoffte ich das, denn eigentlich hatte ich ja selbst gar keine Ahnung, wie es um seinen Drogenkonsum stand und konnte nur beurteilen, was ich bisher mitbekommen hatte.
,,Na ja, also eigentlich – ist er all das, was ihr gerade beschrieben habt, genau nicht! Kiffen ja, aber sonst ist er ganz normal drauf."
Die beiden sahen mich an, als hätte ich gerade behauptet, Michael Jackson würde noch leben.
,,Ok. Hätte ich jetzt ehrlich gesagt nicht erwartet", sagte Stephan und wirkte tatsächlich leicht enttäuscht.
,,Kann ich mir gar nicht vorstellen", stimmte Marvin ein und die beiden verfielen in ein Gespräch über Insta Storys, Songs von ihm und anderen Rappern, deren Inhalte, sowie deren darin enthaltener Wahrheit.
Ich nahm mein Getränk vom Tisch und sah Nicole an. Sie verdrehte die Augen und hob ihr Glas.
,,Auf uns!"
Ich erhob meines ebenfalls und roch schon den Duft von rauchigem Alkohol. Dann nahm ich einen kräftigen Schluck. Kurz danach spürte ich auch schon das Brennen in meiner Kehle vom Whiskey Cola.
Ein paar Stunden vergingen und meine miese Stimmung war mittlerweile Geschichte. Ich hatte schon vier Gläser hinter mir und war leicht betrunken. Auch die anderen hatten sich reichlich mit ihrem Zeug zugedröhnt. Wir lachten, erzählten und alberten herum. Ich hatte den Eindruck, dass Stephan mich sehr interessant fand. Er hing mir förmlich am Arsch und wollte alles Mögliche über mich wissen. Als er mich fragte, ob ich einen Freund habe, versuchte ich der Frage gekonnt auszuweichen, da ich selbst nicht wusste, was Kasimir und ich eigentlich waren. Geschweige denn wollte ich, dass Leute, die ich gerade erst kennengelernt hatte, vom derzeitigen Status erfuhren. Als ich mir gerade eine neue Mische machen wollte, klingelte mein Handy. Ein Videoanruf von Kasimir. Ich verließ schnell das Wohnzimmer und ging raus auf den Balkon.
,,Heeeyy", sagte ich angeheitert und versuchte wenigstens halbwegs nüchtern zu klingen.
,,Hey Babe, sind vor einer halben Stunde im Hotel angekommen. Dachte, ich meld' mich hier, da hab ich meine Ruhe." Ich betrachtete den Bildschirm und wäre am liebsten hindurch zu ihm in sein Bett gesprungen. Er lag Oberkörper frei da, mit leicht verwuschelten Haaren, wie ich es am liebsten mochte und schaute mich mega süß, durch die Kamera an.
,,Sehr schön. Zeig mal dein Zimmer!", versuchte ich das Gespräch auf ihn zu lenken, damit er nicht merkte, dass ich doch betrunkener war, als ich vermutet hatte.
,,Ok", sagte er mit einem Lachen und stand auf. Es war ein sehr schickes Hotelzimmer und ausgesprochen groß. Alles war ordentlich und sah sehr hochwertig aus. Er hatte auch einen riesigen Balkon und zeigte mir die Aussicht auf Köln.
,,Voll schön", schwärmte ich, auch wenn ich bis auf ein paar Lichter am Horizont, kaum was erkennen konnte. Er legte sich wieder in sein Bett. ,,Wo bist du? Hör voll die laute Musik im Hintergrund ballern."
,,Ach, bei Nicole. Musste zu Hause einfach raus."
,,Was is passiert?", fragte er besorgt.
In dem Moment ging die Balkontür auf und Stephan kam laut lachend herausgestolpert.
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Ohne Dich/Kasimir Fan Fiction
Fiksi PenggemarBonnie ist eine einundzwanzig Jahre alte Studentin, die mit ihren Eltern und ihrem Hund Chicco, in einem ruhigen Dorf in der Nähe von Berlin wohnt. Sie ist oft allein, da ihre Eltern ständig auf Geschäftsreisen sind. Eines Tages zieht im Haus nebena...
