Kapitel 4

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Wir alberten noch eine Weile im Wasser herum, bevor wir wieder zurück zum Ufer gingen und uns auf die Wiese legten. Ich warf einen Blick auf mein Handy und sprang auf, als ich die Uhrzeit sah. Es war bereits sechzehn Uhr.
,,Oh Mist, ich muss nach Hause, die Party vorbereiten!"
,,Chill! Lass ein spliffen und ich helfe dir später."
Ich lachte kurz auf. ,,Was auch sonst! Aber weißt du was? Egal jetzt, es ist Wochenende, es sind Semesterferien und meine Eltern juckt es sowieso nicht, weil sie nie da sind. Also her damit!"
,,Na dann", sagte er mit einem Lächeln und griff nach seiner Bauchtasche. Nun wusste ich auch, wozu er das Ding überhaupt trug.
,,Sag mal, du machst doch Klamotten und sowas. Bist du gut?", fragte er während er den Joint drehte.
,,Ich denke schon. Ich kann ich dir später ein paar Sachen zeigen, wenn du magst."
,,Jo, auf jeden."
Ich witterte meine Chance, ihn jetzt auch endlich mal etwas zu fragen.
,,Sag mal, wo warst du eigentlich, dass du deine Ma, nicht so oft sehen konntest?"
,,Ach mal hier, mal da und vor ner Woche noch im Urlaub in Kolumbien."
,,Krass! Alleine?"
,,Nee, mit ein paar Freunden."
,,Wie war es denn?"
Kasimir fing an zu erzählen, während ich ihm gespannt zuhörte. Über das Wetter, was es dort für leckeres Essen gab und was er alles gesehen hatte. Ich hatte zwar den Eindruck, dass er mir nicht alles über den Aufenthalt dort gesagt hatte, doch die Informationen reichten mir aus. Es wirkte, als wäre es sein erster richtiger Urlaub gewesen, so begeistert sprach er davon.
,,Und jetzt erholst du dich noch ein paar Tage bei deiner Ma, bevor du wieder arbeiten musst?", fragte ich, nachdem er zu Ende erzählt hatte.
Bei der Frage schmunzelte er, nickte aber dann. Ich wusste zwar nicht, was ihn dazu veranlasst hatte, doch ich mochte sein Lächeln.

Es war bereits halb sechs, als wir vom See zurückgekehrt waren. Kasimir hatte den ganzen Weg über rumgeblödelt und ich mich deswegen halb Tod gelacht. Er konnte echt lustig sein. Nun standen wir bei mir in der Küche. Chicco fraß genüsslich seinen Napf leer, während ich am Küchenblock lehnte und zusah, wie Kasimir unseren Kühlschrank inspizierte.
,,Was gibt's heut Abend eigentlich zu trinken?", fragte er und stopfte sich eine Scheibe Käse in den Mund.
,,Moment!", ich hob den Zeigefinger und ging runter in den Keller. Dort befanden sich in einem riesigen Regal, alle möglichen Spirituosen meiner Eltern, sowie sämtliche Weine. An der Wand gegenüber waren Kisten gestapelt mit alkoholfreien Getränken. Viel Auswahl gab es also.
Ich schnappte mir zwei Wodkaflaschen, einen Whiskey und ging zurück in die Küche.
,,Tada!", ich stellte die Flaschen auf den Tresen, was Kasimir dazu veranlasste von seinem Handy aufzublicken und es schnell in seiner Tasche verschwinden zu lassen. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt sah, wie er sein Handy benutzt hatte.
,,Musstest du noch schnell deiner Freundin Bescheid sagen, bevor du zur Party kannst?", witzelte ich. Er grinste nur, doch antwortete nicht darauf, stattdessen kam er zu mir herüber und begutachtete den Alkohol.
,,Beluga und Dalmore. Aha."
,,Ich hab einfach das erstbeste gegriffen."
Ich schaltete das Radio ein, holte die Baguettes aus dem Schrank, die Susi heute Vormittag eingekauft hatte und die Zutaten zum Belegen. Ich hatte ihr gestern Abend extra noch eine Liste geschrieben, mit Dingen, die sie für die Party besorgen sollte. Manchmal war es doch ziemlich von Vorteil, eine Haushälterin zu haben.
,,Hier, du wolltest mir doch helfen", ich reichte Kasimir das Messer, damit er die Baguettes schneiden konnte.
Dann holte ich zwei kleine Glässchen aus dem Schrank und befüllte sie mit dem Wodka. Er setzte gerade an um mit dem schneiden des Baguettes zu beginnen, als ich ihn abhielt und ihm eines der Glässchen hinhielt. ,,So mein lieber Kasi, auf einen lustigen Abend." Wir stießen an und tranken die Gläschen leer. Ich musste das Gesicht verziehen, denn normalerweise hasste ich warmen Wodka. Kasimir hatte den Wodka getrunken, als hätte ich ihm gerade ein Schluck Wasser gereicht. Ich befüllte die Gläser erneut für eine zweite Runde und auch da verzog er keine Miene. Der konnte auf jeden Fall was ab.
Als wir die Baguettes fertig hatten, merkte ich von den zwei Wodka, schon ein leicht beschwipstes Gefühl. Ich suchte gerade eine Schüssel für die Chips, als mich Kasimir antippte und mir ein weiteres Gläschen in die Hand drückte.
,,Dein Ernst?", sagte ich und musste dabei lachen.
Er legte seinen Arm um mich.
,,Machst du etwa schon schlapp?"
,,Auf keinen Fall! Ich dachte nur, du musst nochmal zu deiner Ma bevor die Party losgeht. Denke nicht, dass sie das toll findet, wenn du dort angetrunken auftauchst."
Er überlegte kurz und ich merkte, wie er, während er das tat, an meinen Haaren herumspielte.
,,Du hast recht! Wir sehen uns später B." Er stellte den Becher ab, winkte mir noch einmal kurz zu und ging.
Ok, das war jetzt schnell und unerwartet.
Ich deckte den Tisch im Garten, holte weitere Getränke und bereitete weitere Snacks vor. Dann ging ich nach oben, hüpfte unter die Dusche und überlegte, was ich anziehen sollte. Ich war gespannt, wen Kasimir mitbringen würde. Die Mädels waren am Durchdrehen gewesen, als ich erzählt hatte, dass zwei Typen dabei sein werden. Meine vier Freundinnen, waren bis auf eine von ihnen alle Single. Da gab es Laura, die genauso alt war wie ich und an der gleichen Uni Kunst studierte. Wir kennen uns schon seit dem Kindergarten und waren beste Freundinnen. Sevtap war vierundzwanzig und hatte seit fünf Jahren einen festen Freund. Wir hatten mit ihr zusammen Abitur gemacht und nun arbeitete sie im Einkauf einer großen Firma.
Mona war ebenfalls mit uns an der Uni und studierte Lehramt, sie war bereits achtundzwanzig Jahre alt. Wir lernten sie gleich am ersten Tag an der Uni kennen, als sie uns ihren vierjährigen Sohn in die Hand gedrückt hatte, um sich bei den Betreuern über das mangelnde Essen in der Kindertagesstätte zu beschweren. Während Laura belustigt die hitzige Diskussion beobachtet hatte, war ich hinter dem kleinen Louis hinterher, damit er nicht abhaute. Im Anschluss sind wir alle zusammen in das Eiscafé gegangen und Mona hatte uns zwei riesige Eisbecher als Dankeschön ausgegeben, seit dem war sie ein Teil unserer Truppe. Nicole war dreißig und die Cousine von Mona. Sie war Abteilungsleiterin, bei einer ebenfalls großen und bekannten Firma. Sie genoss ihr Singleleben und gab gern mal eben hunderte Euro für Flip-Flops von Louis Vuitton aus. Egal wo sie auftauchte, sie sorgte definitiv immer für Stimmung.
Nachdem wir uns in der Gruppe über unsere Outfits ausgetauscht hatten, entschied ich mich für ein weißes Sommerkleid. Da kam mein leicht südländischer Teint, den ich von meiner Mutter geerbt hatte, zur Geltung. Sie ist Spanierin und damals mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Ich selbst konnte jedoch kaum ein Wort Spanisch, da wir in der Familie nur Deutsch sprachen.
Ein letztes Mal betrachtete ich mich im Spiegel und zupfte meine Locken zurecht. Ob Kasimir mich eigentlich attraktiv fand? Er machte auf jeden Fall nicht den Anschein. Ich hatte eher das Gefühl, als wäre ich ein guter Kumpel für ihn. Ob es tatsächlich seine Freundin gewesen war, der er vorhin geschrieben hatte? Das würde sein Verhalten auf jeden Fall erklären. Oder ich war einfach nicht sein Typ! Eigentlich ja auch nicht wichtig oder? Denn genau das hatte ich mir ja gewünscht, eine Freundschaft ohne das der Typ was von mir will. Hmm.
Irritiert schüttelte ich den Kopf und verließ mein Zimmer. Wieso dachte ich überhaupt so intensiv darüber nach?

Ohne Dich/Kasimir Fan FictionGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt