Ich weiß nicht, wie viele Stunden vergingen, in denen wir da gesessen und geredet hatten, doch was ich wusste war, dass bereits die Vögel zwitscherten, als wir uns mit einer Umarmung an meiner Haustür verabschiedet hatten. Mir war klar, dieser Abend mit Kasimir, würde mich den halben Tag kosten.
Nachdem ich ein paar Stunden Schlaf nachgeholt und mir ein ausgiebiges spätes Frühstück gegönnt hatte, schnappte ich mir Chicco um mit ihm eine Runde zu drehen. Ich würde Kasimir fragen, ob er Lust hatte, mich zu begleiten. Es war wieder extrem heiß draußen und ich trug meine Jeansshorts und ein Trägertop, wobei ich selbst das, als zu viel Stoff empfand. Motiviert ging ich rüber zu Marias Haus und klingelte an der Tür.
Schläfrig und nur in Boxershorts gekleidet, stand Kasimir vor mir.
,,Was geht?", nuschelte er. Ich sah Maria hinter ihm, sie schaute um die Ecke und winkte mir mit einem freudigen Lächeln zu.
,,Dachte, du hast vielleicht Lust uns bei einem Spaziergang zu begleiten?"
Völlig irritiert und als hätte ich gerade gefragt, ob er sich nackt ausziehen könne, sah er mich an. Meine Selbstsicherheit, mit der ich zu seiner Haustür marschiert war, verwandelte sich plötzlich in Unsicherheit. Hatte er kein Bock auf mich?
Bevor er etwas antworten konnte, sagte Maria etwas auf Polnisch zu ihm und eh ich mich versah, stand er angezogen vor mir und wir drei waren auf dem Weg zum See. Er trug eine weiße Shorts mit roten und ein paar blauen Zebrastreifen. Zumindest sah es so aus. Eine Bauchtasche und ein schwarzes Shirt, wo wieder dieses "BEK" draufstand. Doch diesmal stand es im Slot eines Spielautomaten. Ich musste bei Gelegenheit, unbedingt mal bei Google schauen, was es bedeutete.
,,Wie geht's dir denn?", fragte ich, nachdem wir eine Weile schweigend nebenher gelaufen waren.
,,Passt schon. Und dir?"
,,Ach dafür das, das letzte Mal das ich gekifft habe, schon ziemlich lange her war, geht es mir gut."
Er sagte nichts weiter und wir liefen wieder schweigend weiter. Ich wollte noch über irgendwas mit ihm reden, doch aus irgendeinem Grund, fiel mir nichts ein. Nach einer weiteren Weile des Schweigens, beschloss ich ihm einfach von meiner Party zu erzählen.
,,Ich schmeiß heut Abend übrigens ne Party."
,,Mh, ok."
,,Ich, würde mich freuen, wenn du auch kommst."
Er überlegte kurz, ,,Wie viele Leute werden da sein?"
,,Ach nur vier Freundinnen von mir."
Er musste grinsen, ,,Ok. Kann ich wen mitbringen?"
,,Ja natürlich, um zwanzig Uhr geht's los."
,,Alles klar", antwortete er neutral und schwieg wieder. Den restlichen Weg bis zum See sollte es auch so bleiben.
Als wir angekommen waren, setzten wir uns auf die Wiese unter einen Baum, in Nähe des Seeufers. Die Sonne schien wirklich extrem, doch der kühle Wind, ließ es dann doch etwas angenehm wirken. Ich ließ Chicco von der Leine und er rannte sofort ins Wasser. Es befanden sich nur wenige Leute, am See. Das war das gute, wenn man auf dem Dorf wohnte. Nicht so viele Menschen. Ich warf einen kurzen Blick zu Kasimir, der neben mir saß und auf den See blickte. Eigentlich hatte ich so viele Fragen an ihn, doch ich hatte den Eindruck, dass gerade einfach nicht der richtige Zeitpunkt war, sie zu stellen. Davon abgesehen, dass ich das Gefühl hatte, dass er mit seinen Gedanken heute ganz woanders war. Was ihn wohl beschäftigte? Ich beschloss, die Augen zu schließen und die frische Luft zu genießen. Doch schon nach kurzer Zeit atmete ich den Geruch von Weed neben mir ein.
,,Hier", hörte ich Kasimirs Stimme.
Ich öffnete die Augen und sah vor meinem Gesicht, seine Hand, in der er den Joint hielt. Ich zögerte kurz und schüttelte den Kopf.
,,Du bist voll chillig", sagte er plötzlich und sah mich an.
,,Wie meinst du das?"
,,Weiß nich, du stellst einfach nicht so viel Fragen. Bin's anders gewohnt."
Ich lächelte in mich hinein und legte mich auf die Wiese. Da hatte mich meine Intuition wohl nicht getäuscht.
,,Du bist auch chillig", imitierte ich ihn und grinste.
Er legte sich dazu und wir genossen beide, die Ruhe um uns herum, während er den Joint rauchte.
Nach einiger Zeit wurde die Ruhe jedoch gestört. Chicco kam völlig nass angerannt und fing an, sich vor uns zu schütteln.
,,Chiccoooo! Stopp!", schimpfte ich, doch er schüttelte sich weiter. Als er damit fertig war, rannte er wieder zurück ins Wasser. Wir standen auf und begutachten unsere Kleidung. Überall waren Wasserspritzer.
,,Egal! Wollt eh ins Wasser." Kasimir zog seine Schuhe und sein Shirt aus, während ich versuchte so zu tun, als wäre das kein interessanter Anblick. Chicco kam wieder angelaufen und wollte sich gerade wieder vor mir schütteln, als Kasimir ihn von mir weglockte und mit ihm ins Wasser ging. Noch gerettet, dachte ich und beobachte die beiden. Ich überlegte, ob ich auch mit rein sollte.
,,B kommst du?", rief Kasimir plötzlich.
B? Das erinnerte mich an Blair von Gossip Girl. War das sein Spitzname für mich?
,,Klar Kasi!", rief ich mit einem breiten Grinsen zurück, welches er erwiderte. Ich war zwar jetzt nicht drauf vorbereitet schwimmen zu gehen, doch eine Abkühlung bei dem Wetter kam ziemlich gelegen. Ich zog mich ebenfalls, bis auf die Unterwäsche, aus und ging zum Ufer. Kasimir spielte mit Chicco, während ich mich langsam, an das kalte Wasser heran tastete. Ich stand schon bis zur Hüfte drin, als von der Seite plötzlich eine Ladung kaltes Wasser auf mich zukam. ,,Ah, nein, hör auf!", schrie ich und musste dabei lachen. Und kaum hatte ich das gesagt, kam auch schon die nächste Ladung.
,,Is nur Wasser!", rief Kasimir und grinste mich frech an.
,,Warte ab, ich zeig dir, was nur Wasser ist!" Ich stürmte auf ihn zu. Er versuchte zwar abzuhauen, doch ich erwischte ihn und hängte mich von hinten an seinen Hals, sodass er das Gleichgewicht verlor und wir beide ins Wasser platschten. Als wir wieder auftauchten, hielt er schützend meine Handgelenke fest, damit ich mich nicht wieder an ihn hängte.
,,Ok, ok, du hast gewonnen!" sagte er schnell.
,,Ha, siehst du, mit mir, legt man sich nicht an!", prahlte ich und ließ die Arme sinken. Irgendwie sah er, mit seinen nassen Haaren, gerade extrem heiß aus und ich musste mich kurz zusammen reißen, kein Kopfkino zu bekommen.
,,Was is los?", er ließ meine Handgelenke los und musterte mich fragend, mit seinen tief braunen Augen. Ich merkte, ich brauchte sofort eine Abkühlung und kehrte ihm den Rücken zu. ,,Ich werde eine Runde schwimmen!",sagte ich kurz und knapp und ging noch tiefer ins Wasser. Plötzlich spürte ich, wie er mich von hinten packte und an seinen halbnackten Körper drückte.
,,Das ist die Rache B !",hörte ich noch, bevor ich mit ihm im Wasser versank.
Da hatte ich meine Abkühlung bekommen.
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Ohne Dich/Kasimir Fan Fiction
FanficBonnie ist eine einundzwanzig Jahre alte Studentin, die mit ihren Eltern und ihrem Hund Chicco, in einem ruhigen Dorf in der Nähe von Berlin wohnt. Sie ist oft allein, da ihre Eltern ständig auf Geschäftsreisen sind. Eines Tages zieht im Haus nebena...
