Gegen zwölf, waren Kasimir und ich dann endlich mal aufgestanden. Ich hatte mir vom Housekeeping ein Reiseset geben lassen, damit ich mir die Zähne putzen konnte. Dazu gab es Duschgel und Body Lotion, von der Hausmarke. Ich betrachtete alles mit einem skeptischen Blick, als mir die Dame die Sachen in die Hand drückte, da ich absolut kein Fan davon war. Mich erinnerte der Geruch einfach zu sehr an reiner purer Seife, aber es war besser als nichts. Ich sah Kasimir im Augenwinkel schmunzeln.
,,Na ja, besser als nichts", sagte ich als die Dame das Zimmer wieder verlassen hatte.
,,Du kannst meine Sache benutzen, bis auf die Zahnbürste natürlich."
,,Damit ich den ganzen Tag rieche wie du?"
,,Dann denkst du wenigstens die ganze Zeit an mich."
Ich musste lächeln. Schon irgendwie süß! Ich warf ihm eine Kusshand zu und ging ins Badezimmer. Als ich gerade dabei war, mir die Zähne zu putzen, kam Kasimir plötzlich hereinspaziert, zog sich neben mir seine Boxershorts herunter und ging unter die Dusche. Ich würde nicht sagen, dass es sich komisch anfühlte, den immerhin kannte er mittlerweile jede Stelle meines Körpers auswendig und ich bei ihm genauso, doch es war definitiv etwas, voran ich mich in Zukunft wohl erstmal gewöhnen musste. Und wo ich gerade über Gewohnheiten nachdachte, stellte ich mir doch glatt die Frage, was wir eigentlich waren? Ich putzte mir die Zähne zu Ende und betrachtete den vom Wasserdampf beschlagenen Spiegel vor mir. Wir verhielten uns doch schon irgendwie wie ein Paar, aber so wirklich ausgesprochen, hatte es noch keiner von uns. Er hatte mich im Videocall, seine Frau genannt, aber konnte man das wirklich so ernst nehmen? Musste man den Beziehungsstatus überhaupt nochmal besprechen, wenn es so lief wie jetzt? Was ist, wenn ich es anspreche und er aber selbstverständlich schon davon ausgeht, dass wir ein Paar sind und dann gekränkt ist, oder er auf einmal reiß ausnimmt, weil ihm das zu viel wird, wenn wir uns offiziell Paar nennen? Will er überhaupt eine Beziehung oder ging es ihm hierbei nur um den Spaß? Mal wieder plagte mich meine Unsicherheit und vernebelte all die schönen Gedanken, an die wundervolle Nacht, die wir zusammen verbracht hatten. Ich riss mich innerlich zusammen. Nein! Diesmal sollten mich diese negativen, quälenden Gedanken nicht überkommen!
Kasimirs Stimme ertönte plötzlich dicht an meinem Ohr. ,,Was denkst du?"
Dann spürte ich, wie sich seine Arme von hinten um meine Taille schlangen. Ich legte meinen Kopf zur Seite. ,,Was ich heut den ganzen Tag so mache, während du deinen Videodreh hast", log ich und blickte wieder in den Spiegel, in dem ich nun die verschwommenen Umrisse unserer Silhouetten sah. Er küsste meinen Hals und drückte mich fester an sich. ,,Du kannst mitkommen, wenn du willst."
,,Du hast ein Videodreh mit Kool Savas! Du musst dich da auf deine Arbeit konzentrieren und ich weiß, das wirst du nicht können, wenn ich dir die ganze Zeit über die Schulter schaue." Ich schloss die Augen und legte meine Hände auf seine. ,,Mhh", hauchte er in mein Ohr und küsste weiter meinen Hals, ,,Da hast du recht!" Dann drehte er mich um, sodass ich in sein frech grinsendes Gesicht blicken konnte. Langsam zog er mir das Shirt aus, welches ich mir von ihm zum Schlafen gemopst hatte. Als ich nackt vor ihm stand, ließ er sein Handtuch fallen und zog mich mit unter die Dusche.
Nachdem wir eine Weile im Badezimmer verbracht hatten, war Kasimir etwas spät dran und musste sich beeilen. Dilo und die anderen warteten schon im Foyer des Hotels auf ihn. Das würde sicherlich wieder Ärger geben, doch er versicherte mir, dass es sich dafür, definitiv gelohnt hatte. Als er alles hatte, gab er mir noch schnell einen Kuss und verließ hastig das Hotelzimmer.
Ich ließ mich aufs Bett fallen und dachte über Kasimir nach. Er hatte mir erzählt, wie die nächsten Tage bei ihm aussahen. Dieses Wochenende der Video Dreh, Montag wolle er wieder für vier Tage zu seiner Ma fahren, danach gings für ihn, Dilo und ein paar Freunden nach Mazedonien in den Urlaub. Wenn Sie wieder kamen, stand schon direkt ein Interviewtermin an und dann kam auch schon sein Album Release. Er würde definitiv wieder viel unterwegs sein, die nächste Zeit und viele Termine haben, das würde sich so schnell auch nicht ändern, aber ich hatte mich ja darauf eingelassen. Eines war auf jeden Fall klar, wenn das mit dem Videodreh erledigt war und erstmal wieder ein wenig Ruhe einkehrte, möchte ich das Thema mit uns klären.
Laura bombardierte mich täglich mit Fragen, seit sie wusste, dass da zwischen Kasimir und mir was am laufen war. Und auch dieser Stephan von Nicoles Party hatte mich nun bei Instagram gefunden und abonniert, da ich mein Profil öffentlich hatte. Hoffentlich erzählte er nicht überall herum, was er über mich und Kasimir wusste. Bevor ich das mit ihm nicht mal selbst geklärt hatte, war das Letzte, was ich wollte, dass irgendwelche Gerüchte entstanden oder die Medien in irgendeiner Weise auf mich aufmerksam wurden. Das veranlasste mich tatsächlich dazu, sofort mein Profil auf Privat zu stellen.
Ich stand vom Bett auf und sah mich im Zimmer um. Sein Koffer stand offen neben dem Schrank und hier und da lagen ein paar Sachen von ihm herum. Markenkleidung oder Shirts mit Logo seines Plattenlabels "BEK". Für eine Sekunde dachte ich daran, mich noch ein wenig genauer umzuschauen, denn ich fragte mich, ob er sein Weed dabei hatte oder es irgendwo hier lag. Im Zimmer danach riechen, tat es jedenfalls noch. Wir hatten zwar versucht in der Nacht ein wenig Parfüm von ihm herum zu sprühen und die Balkontür weit offen gehabt, doch natürlich half es nicht. Ich entschloss mich, es sein zu lassen. Es kam sicherlich auch komisch rüber, wenn ich hier anfing in seinen Sachen herumzuwühlen. Ich stand auf und suchte dafür meine restlichen Sachen zusammen. Heute Abend, nach dem Abendessen mit meiner Ma, würde ich mich bei ihm melden, bis dahin wollte ich erstmal ins Santos zurückkehren und mir dann ein wenig Köln anschauen.
,,Bonnie mein Schatz, du musst unbedingt von meinem Lachs probieren", sagte meine Mutter, schnitt mir ein Stück ab und packte es auf meinen Teller.
,,Danke."
,,Wie lief es denn mit deinem Freund? Konntet ihr alles klären?"
,,Ja, Gott sei Dank und er hat sich sehr gefreut", sagte ich verlegen.
Sie sah mich an und lächelte.
,,Und du hast recht gehabt, er hat sich mir auf jeden Fall mehr geöffnet. Oder zumindest sind wir auf gutem Wege... das einzige, was noch ungeklärt ist, ist, dass wir noch immer nicht darüber gesprochen haben, ob wir nun offiziell ein Paar sind oder nicht", sagte ich leicht geknickt und stocherte in meinen Kartoffeln herum.
,,Warum sprichst du nicht mit ihm darüber?"
Ich zögerte kurz, ,,Ich trau' mich nicht. Was ist, wenn ich ihn damit verletze oder noch schlimmer, vergraule. Weil er kein Interesse daran hat, sich zu binden. Immerhin ist er berühmt, er könnte jede haben, er kriegt ständig haufenweise Nachrichten und Liebeserklärungen und trifft ständig Frauen. Warum sollte er sich da auf eine und vor allem ausgerechnet auf mich festlegen?"
,,Weil du eine wunderbare junge Frau bist und wenn er das nicht erkennt, ist er auch nicht der richtige für dich. Doch ich kann dir sagen, das ganze so offenzulassen, könnte euch sicherlich noch mehr Probleme bereiten. Deswegen sei mutig und rede heut Abend mit ihm!"
Ich blickte nachdenklich auf meinen Teller.
,,Ich wollte das nach dem Wochenende tun."
,,Was hält dich davon ab, es jetzt zu tun?" Ich blickte meine Mutter an
,,Es ist gerade so schön zwischen uns und ich habe Angst, dass sich etwas ändert."
,,Daran kommst du nicht vorbei! Ändern wird sich für euch früher oder später sowieso einiges. Die Frage ist doch, nehmt ihr die Herausforderungen zusammen an oder jeder für sich."
Ich lächelte. ,,Du hättest Therapeutin werden sollen?"
,,Lebenserfahrung", antwortete sie mit einem Schmunzeln.
DU LIEST GERADE
Ohne Dich/Kasimir Fan Fiction
Fan-FictionBonnie ist eine einundzwanzig Jahre alte Studentin, die mit ihren Eltern und ihrem Hund Chicco, in einem ruhigen Dorf in der Nähe von Berlin wohnt. Sie ist oft allein, da ihre Eltern ständig auf Geschäftsreisen sind. Eines Tages zieht im Haus nebena...
