Stöhnend öffnete Gawain die Augen. Er war umringt von seinen Freunden und seiner Familie. Das Knie schmerzte immer noch unerträglich und ihm war heiß.
„Guten Morgen, Dornröschen", grinste Sagramor. „Du hast die Siegerehrung verschlafen. Camelot ist erster. Ich bin zehnter, Tristan neunter und Arthur hat es sogar auf den sechsten Platz geschafft. Ich weiß nicht, ob du es noch mitbekommen hast, aber du hast gewonnen."
Sagramors Enthusiasmus verschwand, sobald er bemerkte, dass Gawain keine Reaktion zeigte, sondern nur mit versteinerter Miene in die Gesichter um ihn herum starrte.
„Kommt, Kinder, lassen wir ihn in Ruhe und gehen frühstücken", schlug William vor und verließ mit den Freunden den Raum, um im großen Saal gemeinsam das Frühstück zu genießen.
Gerade als sie fertig waren, sprang die große Tür auf und Merlin, Morgan und Medusa traten hindurch.
„Sir, ich möchte Ihnen jemanden vorstellen", machte Merlin den König auf sich aufmerksam, als sie vor ihm zum Stehen kamen. Medusa kniete sich augenblicklich nieder, als der König sie kritisch anguckte.
„Majestät, ich bin Medusa. Ich bin der Heilkunst kündig. Ich habe gehört, dass Sie einen Hofarzt brauchen."
„Nein, danke. Merlin ist mein Hofarzt."
„Aber Sir, ich habe Ihnen schon oft erklärt, dass ich nur Magisches heilen kann", verteidigte Merlin sie sogleich.
„Wie alt bist du? Sechszehn? Ich soll einem so jungen Mädchen mein Leben anvertrauen? Guck dir die Knappen an, die schlagen sich noch mit Stöcken!" Der König lachte auf und die Knappen verzogen beleidigt ihre Gesichter.
„Siebzehn, Sir, ich bin Siebzehn ..."
„Nein! Abgelehnt und jetzt verlasse mein Schloss!" Der König erhob sich von seinem Thron und blickte mahnend auf das schwarzhaarige Mädchen hinab.
„Aber Sir, Ihr Knappe ... ich kann ihm helfen."
„Sir, ich denke, Sie sollten ihr eine Chance lassen", besänftigte Merlin seinen König, „der Knappe schwebt in Lebensgefahr! Er ist der älteste Sohn eines treuen Verbündeten."
Einen kurzen Augenblick schien der König angestrengt nachzudenken, bevor er sich wieder auf seinem Thron niederließ.
„Gut, so soll es sein. Du hilfst dem Knappen. Wenn er überlebt, wirst du meine Hofärztin. Wenn nicht ... wirst du ihm in den Tod folgen." Der König blickte die junge Gestalt eindringlich an, während das Geflüster im Saal immer lauter wurde und Morgan sich schockiert die Hände vor dem Mund zusammenschlug.
Doch Medusa schien ruhig zu bleiben und erhob sich vom Boden, um dem König in die Augen blicken zu können.
„Danke, Sir."
Doch als Medusa sich zu Merlin und Morgan drehte, entging ihnen nicht der Ausdruck des puren Entsetzens, der sich in Medusas Augen abzeichnete.
„Morgan, du wirst ihr helfen."
„Ja, Merlin." Morgan nickte ihrem Lehrmeister zu und machte sich mit Medusa auf zum Zimmer der Knappen.
„Halt! Ich möchte mitkommen", rief der König ihnen nach, bevor er sie einholte und sich den Mädchen anschloss.
Leise klopfte es an der Tür zum Zimmer der Knappen. Die Familie von Orkanien wandte sich ihr zu, als auch schon Medusa, Morgan, sowie König Uther hineintraten.
„Lott, das ist Medusa. Sie behauptet, Ihrem Sohn helfen zu können", stellte Uther das Mädchen vor.
Lott zog skeptisch eine Augenbraue nach oben, doch nickte Medusa nach einigen Augenblicken zustimmend zu.
„Danke, Sir." Medusa verneigte sich kurz vor König Lott und trat an das Bett heran. Korena und Lott traten zur Seite, während Königin Juna sich an das Kopfende setzte und ihrem Sohn sanft durch die Haare strich. Sie beobachtete Medusa genau.
Diese legte ihre Tasche nieder und blickte auf Gawain hinab. Sie fühlte seine Stirn und nahm dann das kalte Tuch von seinem Knie und legte ihre Hände sanft auf.
„Er hat hohes Fieber und sein Knie ist glühend heiß, was auf eine Entzündung hindeutet", erklärte sie. „Das wird jetzt etwas weh tun."
Medusa tastete das Knie vorsichtig ab. Gawain stöhnte auf und verzog sein Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse. Doch die Königin beruhigte ihn sogleich. Dann nahm die Heilerin das Bein und streckte und beugte es ein paar Mal, was Gawain aufschreien ließ.
„Ich werde eine Kräutermischung zubereiten. Fürs Erste brauche ich kalte Tücher und diesen Trank." Medusa zog ein Fläschchen aus ihrer Tasche hervor. Sie nahm den Trinkbecher, der neben dem Bett stand und kippte den Inhalt kurzerhand aus dem Fenster, um den Trank hineinfüllen zu können.
„Diesen Trank haben meine Eltern entwickelt. Er beinhaltet eine komplexe Kräutermischung, die in der Lage ist, starke Schmerzen zu lindern", teilte Medusa selbstbewusst und stolz mit. Sie hob Gawains Kopf vorsichtig vom Kissen und setzte den Becher an seinen Lippen an.
„Komm schon, Gawain. Rein damit", ermutigte Königin Juna ihn mit Erfolg. Gawain schluckte die Flüssigkeit.
„Morgan, kannst du Tücher holen?"
Morgan stand die ganze Zeit verloren im Raum und starrte, in Gedanken versunken, den kranken Knappen an. Die Frage von Medusa riss sie jedoch aus ihrer Traumwelt und sie nickte ihrer neuen Freundin kurz zu, bevor sie aus dem Zimmer hastete.
„Wie ist das überhaupt passiert? Für mich sieht das wie eine Wunde aus, die von einer Klinge verursacht wurde. Ist das im Training passiert?"
„Sagramor hat ihn aus Versehen mit seinem Dolch getroffen", erklärte Korena ihr kurz, als Morgan auch schon wieder das Zimmer betrat, mit einem Stapel frischer Tücher in ihren Armen.
Medusa tunkte einen der Tücher, wie Merlin zuvor, in das kühle Wasser und legte es Gawain auf die Stirn.
Am Abend zuvor war Gawain aus seinen normalen Klamotten befreit und in sein Nachtgewandt gesteckt worden, wodurch Medusa problemlos überall herankam. Sie wickelte zwei weitere kalte Tücher um Gawains Waden, wickelte trockene drüber und deckte Gawain wieder zu.
„Ich werde jetzt eine entzündungshemmende Salbe mischen, dann komme ich wieder." Medusa nickte den Adeligen zu und verließ mit Morgan den Raum. Die Könige fingen augenblicklich an zu flüstern. Medusa hatte einen ersten Eindruck hinterlassen. Ob gut oder schlecht, wird sich hoffentlich bald rausstellen.
Fasziniert guckte Morgan Medusa bei der Arbeit zu. Das war ja fast, wie Zaubertränke brauen. Sie freute sich, Medusa helfen zu dürfen. Sie konnte viel von ihr lernen und, das war der Hauptgrund, bei Gawain sein. Sie hatte gemerkt, dass Gawain vor dem Stechen rot angelaufen war. Das war das Beste, das sie in ihrem Leben zu Gesicht bekommen hatte und sie schöpfte Hoffnung aus dieser Beobachtung, dass Gawain sie auch mochte. Hoffentlich bildete sie sich nicht zu viel darauf ein.
„Na?" Die Stimme Medusas riss Morgan ein weiteres Mal aus ihren Gedanken.
„Was?" Morgan blickte Medusa verwirrt an, welche sie nur schelmisch angrinste.
„Du und Gawain. Seid ihr ..."
„Nein, da ist nichts", unterbrach Morgan etwas zu hastig.
„Ach, komm schon. Ich habe euch vor dem Stechen gesehen und während des ganzen Turniers hattest du nur Augen für ihn." Morgan wurde rot und senkte ihren Kopf, um ihr Gesicht mit ihrem Schopf verstecken zu können.
„Ist das wirklich so offensichtlich?"
„Ach, Morgan. Das ist doch schön. Ich kenne euch noch nicht allzu lange, aber wenn du denkst, dass es passt. Warum nicht?"
„Ich bin mir nicht sicher, ob er mich mag."
„Also bitte, er war sehr verlegen."
„Er fand es vielleicht einfach nur peinlich."
„Quatsch! Egal, verschieben wir das auf später. Die Salbe ist fertig. Gehen wir und behandeln unseren attraktiven Patienten." Medusa setzte sich schelmisch grinsend in Bewegung, gefolgt von einer knallroten Morgan, was die Heilerin zum Lachen brachte.
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Wilde Rose
FanfictionRitter werden! Das ist Gawains Ziel, welchem er, zusammen mit seinen Freunden, in der Ritterschule auf Camelot immer näher kommt. Zusammen mit Sagramor, Tristan, Arthur und Guinivere bildet er die Tafelrunde, die vor bald drei Jahren von ihnen gegrü...