Wilde Rose- Kapitel 46

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Ein grelles Licht erhellte die Lichtung. Merlin trat daraus hervor und ging langsam auf die Gruppe zu. Traurig blickte er auf Gawain herab.

„Kommt, Kinder, nehmt euch an den Händen. Ich werde uns und die Pferde zurück nach Camelot zaubern."

Sie nahmen sich an den Händen und bezogen auch Gawain in den Kreis mit ein. Mit einem grellen Lichtblitz verschwanden sie von der Lichtung und tauchten direkt vor Merlins Baumhaus wieder auf.

Arthur, Tristan und Guinivere saßen geknickt vor dem Baumhaus, während Sagramor ungeduldig auf und ab stapfte.

„Wir waren einfach zu langsam", beschwerte sich der Grieche vorwurfsvoll.

„Sagramor, wir wussten nicht einmal, wo sie waren", erklärte Arthur ruhig.

„Ja, wir konnten leider nichts machen", pflichtete Guinivere ihrem Freund bei und auch Tristan nickte zustimmend.

„Das ist genau das, was mich so fertig macht", entgegnete Sagramor traurig, als endlich die Türe aufging und Medusa raustrat.

„Ihr könnt reinkommen." Sie lächelte emphatisch in die Runde, während sie sich die blutigen Hände an einem Tuch säuberte.

Im Baumhaus stand Merlin am Gästebett und lächelte die Gruppe aufmunternd an. Am Bett saß Morgan, die einem bewusstlosen Gawain sanft über das blasse Gesicht streichelte.

„Unser Freund hat Glück gehabt", begann der Alte zu berichten, „es war eine Verletzung, die von einem durch und durch magischen Wesen verursacht wurde. Es war kein Gift im Spiel. Ich konnte also einen Trank zusammenmischen, der die Wunde in null Komma nichts heilt."

„Er muss sich trotzdem ausruhen. So ein enormer Blutverlust ist nicht ohne", pflichtete Medusa dem Zauberer bei. „Also, hopp hopp, raus hier. Er wird noch einige Stunden bewusstlos sein."

Die vier Freunde befolgten nur widerwillig den Rat der Heilerin, während Morgan weiter am Bett sitzen blieb.

Als Gawain langsam aufwachte, merkte er, dass er nicht mehr auf dem dreckigen Waldboden, sondern in einem weichen, warmen Bett lag. Irgendjemand strich ihm sanft über den Arm, aber sonst spürte er ... nichts. Keine Schmerzen.

Schwerfällig öffnete er seine Augen und sah sogleich in die fröhlichen Gesichter seiner Freunde, Merlin und Medusa.

„Willkommen zurück", begrüßte ihn der Zaubermeister und grinste ihn an.

Verwundert setzte er sich auf.

„Vorsicht, mach langsam", sagte Morgan mit sanfter Stimme, während sie ihre Hand immer noch nicht von seinem Arm nahm.

Er befreite sich aus der Decke und hob sein, jetzt sauberes, Hemd an. Langsam Strich er sich über den Bauch, wo eigentlich die Wunde hätte sein müssen. Eine große Narbe zierte die Stelle.

Das kann doch nicht sein, verunsichert  blickte er in die Runde.

„Ich habe nicht schon wieder geträumt, oder?", fragte er und glaubte langsam, verrückt zu werden.

„Nein." Morgan konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie in sein schockiertes Gesicht sah. „Es war alles real. Merlin konnte dich heilen."

Mit offenem Mund starrte er besagten Zauberer einen kurzen Augenblick an, ehe er erleichtert ausatmete und sich zurücklehnte, nur um sich nach wenigen Sekunden erneut aufzusetzen. „Was war das?", wandte er sich an den alten Zauberer.

„Es war ein Geschöpf, entsprungen aus deiner Fantasie." Nun sahen alle den Magier an, als wäre er verrückt geworden.

„Morgan, was hattest du vor?", fragte er seine Zauberschülerin geduldig.

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