Geplanter Massenmord:
Am 7. Oktober 2023, dem Geburtstag Wladimir Putins, überquerten Tausende Hamas-Kämpfer die normalerweise gut gesicherte Grenze zwischen Gazastreifen und Israel und begannen, weitgehend ungehindert und systematisch israelische Zivilisten abzuschlachten. Es dauerte ewig, bis die israelische Armee den Betroffenen zu Hilfe "eilte". Für viele Menschen kam die Rettung zu spät.
Die staatliche Ordnung, das staatliche Gewaltmonopol waren laut Zeugnis von Augenzeugen nicht nur für Stunden, sondern teilweise für Tage aufgehoben. Eine Aufarbeitung dieses Totalausfalls hat bis heute nicht stattgefunden. Entsprechend wuchern die Vermutungen. Der eine glaubt, dass die Regierung von dem Überfall wusste und ihn geschehen ließ. Andere stimmen zumindest darin überein, dass der Mossad prinzipiell informiert war, aber die Möglichkeit eines solchen Überfalls nicht ernst genommen hat.
Nach dem, was ich aus Aussagen von Augenzeugen und informierten Beobachtern im Land aus den ersten Tagen danach rekonstruieren kann, scheint es sich um hochmütige Nachlässigkeit plus maligne Vernachlässigung zu handeln.
Das Land war im Aufruhr gegen die Justizreform der Regierung, in der man eine Gefahr für die Demokratie gesehen hat. Die Armee war teilweise im Streik. Und Sicherheitskreise warnten, dass beispielsweise die Grenze zu Gaza weniger sicher sein könnte. Das ist zumindest meine Erinnerung.
Ich weiß nicht mehr, ob der Aufruhr bis direkt zu dem 7. Oktober reichte oder einige Zeit vorher abebbte. Aber die Grenze war wohl mehrfach geschwächt. Denn soweit ich mich erinnere, wurden erfahrene Soldaten ins Westjordanland verlegt, um aggressive Siedler zu beschützen. Für die Kibuzim im Süden, die der Regierung eher kritisch gegenüber standen, hatte man nur unerfahrene Truppen übrig, die möglicherweise zusätzlich ausgedünnt waren durch Streiks und Aufruhr.
Die Grenze nach Gaza schien - abgesehen von Feuerballons und Raketen - weitgehend sicher zu sein, während im Westjordanland die tödlichen Zusammenstöße, nicht zuletzt dank der Aktivitäten der Regierung, nun Alltag wurden.
Die eher friedliebenden, der Regierung eher kritisch gegenüber stehenden Leute an der Grenze zu Gaza lagen der Regierung nicht sonderlich am Herzen. Es scheint, dass man Sicherheitsprotokolle vernachlässigt und eventuell an frische, unerfahrene Soldaten nicht angemessen weiter gegeben hat. Die Soldaten an der Grenze wurden im Schlaf überrascht und gehörten zu den ersten Opfern. "Wie ist das möglich?", fragte ich mich, als ich zuerst davon hörte. "Wie können erfahrene Soldaten so hilflos sein?"
All das ist auch nach 2 Jahren nicht aufgearbeitet. Verantwortliche sind nicht benannt und auf eine Entschuldigung warten die Menschen vergebens. Stattdessen führt man Krieg gegen die Hamas und legt dabei den Gazastreifen in Schutt und Asche, zerstört die Lebensgrundlagen und das Leben der Menschen. Mehr als 2 Millionen Menschen werden zum großzügig eingepreisten "Kollateralschaden" für den Krieg gegen eine Terror-Organisation.
Zivilisten - überwiegend Frauen und Kinder - hungern, werden erschossen, von Bomben und Granaten zerfetzt, lebendig verbrannt. Es gibt keine Sicherheit, keine Versorgung, nur Trauma, Vertreibung und Terror. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass man auf diese Weise nicht weniger Terror bekommt, sondern mehr. Laut einer Analyse, die mir neulich begegnet ist, sind 60 Prozent der heutigen Kämpfer die verwaisten Kinder von Eltern, die bei früheren israelischen Angriffen getötet wurden.
Soziale Infrastruktur:
Man sollte nicht vergessen, die Organisation, die regelmäßig, Raketen nach Israel feuert und am 7. Oktober Massaker an Kibbuzim und Festival-Gästen organisierte, bietet zu Hause soziale und religiöse Dienste an. Die Muslim- Bruderschaft, der die Hamas entstammt, ist genuin eine religiöse Bruderschaft, die das spirituelle Wohlbefinden des Volkes und die soziale Lage der Menschen zu verbessern suchte. Meine These ist, dass die Entwicklung zur Terror- Organisation diesen ersten Impuls pervertiert, aushölt und zum gefährlichen Rekrutierungs- Programm umfunktioniert.
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Die Fülle des Lebens
Non-FictionEigentlich wollte ich nur eine Mail schreiben. Doch die wurde zu lang und niemals abgeschickt. Ich wollte einem Bekannten, mit dem ich vor Monaten über Nachhaltigkeit und Entfremdung gesprochen hatte, berichten, welcher stetige Strom an Gedanken aus...
