Antivaxer:
Derzeit liefert das Weltgeschehen die abgefahrensten Geschichten frei Haus. Man kommt kaum hinterher. Und die Sachen sind wirklich so abgefahren, dass man sich das kaum ausdenken kann.
So ist zum Beispiel der neue Gesundheitsminister in den USA ein Impfgegner. Auf der Homepage des Ministeriums sind nach seinem Amtsantritt wissenschaftliche Informationen über Krankheiten wie HIV verschwunden und es gibt keine Hinweise, dass das Ministerium vorhat, gegen die akuten Ausbrüche von Masern und Vogelgrippe etwas zu tun. Es sieht ganz so aus, als hätte das radikale Anti-Schulmedizin-Lager die Macht übernommen. Konsequenzen ungewiss.
Ja, inzwischen sind Impfprogramme, Impfstoff-Entwicklung und Impfpflicht verschwunden, Topberater entlassen, und wichtige Wissenschaftler müssen sich nach einer anderen Finanzierung umsehen. Masern sind auf dem Vormarsch. Gefährliche Parasiten drohen sich in amerikanischen Rinderherden auszubreiten. Und im Gesundheitsministerium dreht man vor allem lustige Werbeclips, die mit der eigentlichen Aufgabe des Ministeriums nichts zu tun haben und niemanden über irgendetwas informieren.
Nicht alles, was das Ministerium vorhat, sagen Experten, ist Unfug. So ist beispielsweise die Idee, dass eine intelligentere Ernährung viele chronische Krankheiten entweder mildert oder gar nicht erst entstehen lässt, wissenschaftlich gut belegt. Hier ein entsprechendes Programm, beispielsweise für staatliche Kantinen aufzulegen, macht ziemlich viel Sinn. Aber ich sehe keinen einzigen Schritt in diese Richtung. Stattdessen verlieren Millionen Menschen aufgrund der genialen Politik der Regierung ihre ohnehin überteuerte Krankenversicherung oder die Chance, sich Essen, Wohnung und Nebenkosten leisten zu können. Macht das die Leute gesünder? Tendenziell eher nicht. Denn Stress, Fehl- und Mangelernährung und das Fehlen einer bezahlbaren Versorgung in Sachen Gesundheit sind nicht gut für die Gesundheit.
Für die Schulmedizin:
In dem kleinen Lokalradio, wo ich mich nützlich zu machen suchte, entstand vor etlichen Jahren ein Krieg zwischen zwei feindlichen Lagern.
Zwei Leute, die ich seit Jahren kannte und die im Team wichtige Rollen spielten, zerkriegten sich über ein Thema: Schulmedizin versus Alternativmedizin - und mit ihnen zerstritt sich das halbe Radio. Durch sämtliche Gremien ging ein Riss und am Ende gab es statt einem Radio zwei.
Ich sah mich zwar eigentlich als neutrale Beobachterin, wurde aber nolens volens in den Streit hinein gezogen, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Zuerst hetzen Schulmedizin-Fanatiker bei mir gegen vermeintliche Globuli-Adepten, dann hielten sie auch mich für eine Abtrünnige, eine von jenen, die irgendwelchen obskuren Heilpraktikern folgten. Aus meiner Sicht traf das nicht zu. Aber das störte die Leute nicht.
Intoleranz und Toleranz:
Ich habe intolerantes Verhalten von beiden Seiten kennen gelernt, aber auch ein erhebliches Maß an Toleranz.
In der gegenwärtigen Regierung in Washington scheinen die Impfgegner die Macht ergriffen zu haben und alles nieder zu reißen, was nicht ihren Vorstellungen entspricht. In dem kleinen Radio, wo ich mich vor Zeiten herum trieb, waren fanatische Verteidiger der Schulmedizin die Angreifer.
Bis dahin war für mich Schulmedizin versus Alternativmedizin kein Problem. Es gab in meinem Umfeld Leute, deren Auffassungen ich nicht teilte. Aber das führte nicht dazu, dass ich sie als Person nicht mehr respektierte oder ihnen in anderen Bereichen nicht mehr traute - oder sie mir. Man arbeitete zusammen, verfolgte gemeinsame Interessen und ließ einander dort, wo man anders dachte, in Ruhe.
Doch nun entfaltete sich vor meinen Augen ein Glaubenskrieg. Schlimmer noch: Ich war plötzlich mitten drin.
Wie es begann?
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Die Fülle des Lebens
Non-FictionEigentlich wollte ich nur eine Mail schreiben. Doch die wurde zu lang und niemals abgeschickt. Ich wollte einem Bekannten, mit dem ich vor Monaten über Nachhaltigkeit und Entfremdung gesprochen hatte, berichten, welcher stetige Strom an Gedanken aus...
