Zum Teufel

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Meine Mutter redete in meiner Kindheit viel über das Wirken des Teufels in dieser Welt. Und sie kam in den letzten Lebens-Jahren vehement auf dieses Thema zurück.

Ich habe diesen Glauben nie geteilt.

Einmal hatten wir eine lange Diskussion und kamen nicht weiter. Ich versuchte es mit einem Bild: Wenn ich beim Skifahren oder beim Autofahren einen Baum mit meinen Augen fixiere, bleib ich daran hängen. Wenn ich mich am Teufel abarbeite, gelang ich niemals zu Gott.

Es half nichts. Sie deutete dasselbe Bild exakt entgegengesetzt. Keine Chance.

Jesus:

Wie ist Jesus mit dem Teufel umgegangen? Souverän. Ja, je älter ich werde, desto mehr begeistern mich seine Antworten.

Steine in Brot verwandeln? Warum sollte ich? Ich bin hier, um das Wort Gottes zu betrachten. Fasten schärft meine Sinne.

Dich anbeten, um die Herrschaft über alle Reiche der Erde zu erlangen? Warum sollte ich? Ich diene dem, dem alles Sein entströmt.

Mich vom Tempel in Jerusalem stürzen, um Fürsorge und Treue Gottes zu testen? Warum sollte ich? Wenn ein solcher Test meine tiefe Beziehung zu Gott in Frage stellt?

In Wirklichkeit antwortete Jesus um einiges klüger als in meiner freien Wiedergabe. Er weist den Angreifer jeweils mit einem Zitat aus den heiligen Texten zurück. Zum Beispiel: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Hätte er so geantwortet wie in meiner Interpretation, hätte er seinem Gegner eine Gelegenheit gegeben, nachzuhaken. Jesus lässt ihn auflaufen. Er argumentiert nicht. Er weist zurück. Freundlich, aber entschieden.

Und der Teufel? Er trollt sich. Er macht drei Anläufe, landet nicht und schmeißt das Handtuch.

Jesu Seele ruht in Gott. Das Auge seiner Seele bleibt auf Gott gerichtet, wendet sich nicht für eine Sekunde dem Teufel zu. Man vergleiche damit die verschlungenen Wege der Annäherung zwischen Dr. Faustus und dem Teufel bei Goethe. Die beiden zeichnen bekanntlich gemeinsam einen Pakt. Denn Faust kreist um sich selbst und der Teufel legt noch ein paar Umdrehungen zu.

Menschen;

Bei "menschlichen Teufeln" sieht die Sache anders aus. Denn die sind oft ausbeuterisch und gewalttätig. Und die Gewalt wird man leider selten mit Worten oder Gebeten los. Ich wünschte, das wäre anders. Aber eigene Erfahrung wie allgemeine Menschheitsgeschichte weisen leider in eine andere Richtung.

Gibt es überhaupt menschliche Teufel?

Darüber hatte ich eine lange, wiederkehrende und trostlose Auseinandersetzung mit einer Bekannten, die mich so ermüdet hat, dass ich mich nicht mehr bei ihr gemeldet habe. Denn wenn jeder Austausch mit einer langen Litanei über Menschen endet, die in Wirklichkeit Teufel sind und daher völlig anders funktionieren - eine These, der ich nicht zustimme, dann erübrigt sich irgendwann jede Kommunikation.

Ich glaube nicht wirklich an menschliche Teufel, nur an teuflisches Verhalten. Ich habe den Ausdruck 'menschliche Teufel' nur benutzt, um ein häufiges, vielen Menschen leider vertrautes Phänomen anzusprechen, das, so vermute ich, dazu beiträgt, dass manche Leute vehement an den Teufel glauben und sich intensiv mit ihm auseinandersetzen.

Keine Fruchtfliege würde auf die Idee kommen, ihresgleichen anzutun, was Menschen quer durch die Geschichte und rund um den Globus mit aller Selbstverständlichkeit anderen Menschen angetan haben und noch heute täglich überall auf der Welt in staatlichen, kriminellen und privaten Folterhöllen einander antun. Im Gegenteil. Fruchtfliegen verteidigen ihresgleichen mit allem, was sie haben und können, sowohl einzeln als auch in sorgfältig choreografierten Gruppen. Ihnen ist keine Mühe zu groß, um Artgenossen zu retten. Und sie legen sich, wenn es sein muss, auch mit wesentlich größeren Lebewesen an.

Die Fülle des Lebens Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt