Ausbeutung

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In meiner Anfangszeit als Studentin passierte es mir 2 Mal, dass Dozenten mir eine exzellente Hausarbeit zurück gaben mit der Bitte, sie für ihre eigene Arbeit verwenden zu dürfen. Ich fühlte mich geehrt und gab gern die Einwilligung.

Heute würde ich es nicht mehr tun und auch keinem anderen raten. Denn es ist Ausbeutung. Eine vergleichsweise milde Form der Ausbeutung, aber immerhin. Die korrekte Form, mit meiner Leistung umzugehen - von Seiten der Dozent:Innen - wäre es gewesen, meine Arbeit unter meinem Namen zu veröffentlichen. Denn das war eigentlich ihr Job: Junge Talente fördern.

Dass mein Name zusammen mit meinen Ergebnissen, für die ich hart gearbeitet hatte, in keiner Fachzeitschrift erschien, schwächte meine Position und meine Chancen auf eine akademische Laufbahn. Und es reduzierte die Möglichkeit, dass die Ergebnisse meiner Forschung adäquat diskutiert und weiter entwickelt werden, weil diejenigen, die die Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit präsentierten, an der Entstehung derselben nicht beteiligt waren. Ich wiederum war von dem, was mit meinen Ergebnissen geschah, abgeschnitten.

Das ist ein Musterbeispiel für Entfremdung im Sinne des englischen Originals. Denn 'to alienate' bedeutet unter anderem, jemandem etwas wegnehmen oder entreißen, ihm sein Recht auf etwas wegnehmen, eine Verbindung kappen. Der Mensch, dem etwas entfremdet wurde, ist seiner ursprünglichen Nutzungsrechte beraubt. Die Sache, die entfremdet wurde, verliert ihren Kontext und ursprünglichen Wert und wird zur Ware. Besonders gut zu verstehen am Beispiel der Entfremdung der Almende durch englische Großgrundbesitzer am Vorabend des englischen Kapitalismus:

Was ist da passiert? Die Großgrundbesitzer trennten Land, das bis dahin allen offen stand, für ihre eigene private Nutzung ab, mit der Begründung, dass sie es viel besser zu nutzen wüssten als die Allgemeinheit. Die Menschen, die von dieser Entfremdung betroffen waren, wehrten sich. Aber die Großgrundbesitzer setzten sich schließlich durch. Diese Handlung hat die Sozialstruktur und das wirtschaftliche Setup des Landes verändert. Sie hat eine grundlegende Armut und Abhängigkeit geschaffen, die zuvor nicht vorhanden waren.

Exkurs Rom:

Ähnliches war mehr als 1000 Jahre zuvor auch in Rom passiert, wo Großgrundbesitzer, viele von ihnen Senatoren, die sich für besonders edle und gute Menschen hielten, Kleinbauern von ihren gut bewirtschafteten Feldern vertrieben. Die Kleinbauern, ursprünglich die Grundlage der Republik, hatten anschließend im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Sie gingen in die Armee, eroberten oder sicherten für Rom neues Land und bekamen eventuell bei ihrem Abschied von der Armee ein kleines Stück davon ab. Oder sie gingen in die Stadt, wo der Staat sie und ihre Nachkommen durchfütterte. Das war die Herkunft der vielen Plebs in der Großstadt Rom. Sie lebten fortan in schlecht gebauten, überfüllten Stadtvierteln mit geringen Verdienstmöglichkeiten und vielen Seuchen. Der Vertrag zwischen diesen deklassierten Bürgern und der sterbenden Republik und später dem imperialen Staat, dass der Staat immer für Nahrung und Unterhaltung sorgt: Brot und Spiele.

Bauern galten ursprünglich als die Grundlage der republikanischen Ordnung und der erfolgreichen römischen Armee. Sie waren tapfere Krieger, engagierte Bürger und versorgten die Republik zuverlässig mit Nahrung. Die entwurzelten Plebejer dagegen galten als politisch abhängig und verführbar und eher als ungeeignet für die Armee. Die rekrutierte lieber in der Bevölkerung eroberter Länder und angrenzender feindlicher Gebiete. So kamen die ersten Germanen nach Rom und wurden römische Bürger. So lernte Arminius die römische Armee kennen und besiegen. So kamen Menschen in den Provinzen, die nicht demokratisch, sondern als Territorien unter Besatzung regiert wurden an die römische Staatsbürgerschaft.

Die übergroßen, von Sklaven nicht engagiert, sondern eher schlecht als recht bewirtschafteten Latifundien zerstörten die Fruchtbarkeit der Böden, die die kleinen, engagierten Bauern zuvor klug zu erhalten wussten. (siehe Montgomery 'Dirt. The Erosion of Civilizations'). Rom wurde mehr und mehr von Getreide aus den Provinzen abhängig. Die Provinzen mussten mehr liefern, als das Land eigentlich her gab. Die Verluste an Bodenfruchtbarkeit, die mit dieser dysfunktionalen, ausbeuterischen Wirtschaftsweise einher gingen, sind zum Teil in den betroffenen Ländern bis heute nachweisbar.

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