Laudato Si

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Assisi:

Francesco d' Assisi war der Sohn eines reichen Kaufmanns und träumte einst davon, ein Ritter zu sein. Der Weg dahin, so las ich vor einigen Jahren, stand ihm offen. Denn die Grenze zwischen den italienischen Patrizier - Kaufleuten und Rittertum war anders als in Deutschland fließend.

Doch dann entschied er sich für Gott als seinen einzigen Herrn, Jesus als seinen Meister und Armut als seinen Weg. Das Besondere an seinem Weg war, dass er sich den Armen nicht nur zugewandt hat. Er hat sich entschlossen, ihre Armut und existenzielle Schutzlosigkeit zu teilen.

Tausende sind ihm damals und später durch die Jahrhunderte gefolgt. Ich schreibe ein bisschen über diese Bewegung in 'Consumo ergo sum'.

Eine zweite Besonderheit war, dass er sich nicht nur gleich anderen Heiligen immer wieder in die Einsamkeit der Natur zurückzog, sondern alle Geschöpfe als seine Geschwister empfand und sich selbst als eine Stimme im Lobgesang der ganzen Schöpfung für ihren Schöpfer.

Sein 'Laudato si', 'Sonnengesang' oder 'Gesang der Schöpfung' ist der Anfang der italienischen Literatur, das erste literarische Werk eines namentlich bekannten italienischen Autors, 1224.

Indigener Lobgesang:

Ich kannte den Gesang vor allem in einer freien deutschen Kirchenlied- Version, liebte sie, dachte aber nicht wirklich darüber nach.

Doch neulich begegnete mir ein Buch, das mich zum ersten Mal diese betende Beziehung zur Schöpfung in aller Tiefe nachempfinden ließ. Es heißt 'Braiding Sweetgrass' und stammt von Robin Wall Kimmerer.

Es war ein Buch, auf das ich durch Zufall aufmerksam wurde und mir mit wachsendem Erstaunen und Interesse anhörte. Das Letzte, was ich erwartet hatte, geschah. Am Ende des Buches schwingt und klingt in mir plötzlich der Sonnengesang des Heiligen Franziskus 'Laudato si'. Und zum ersten Mal spüre und verstehe ich, was Franz von Assisi sagt. Es ist der einzige mir bekannte christliche Text, der den Lobgesang der ganzen Schöpfung und den Lobgesang des Menschen für die ganze Schöpfung in den Mittelpunkt stellt.

Ganz anders die Tradition, von der Robin Wall Kimmerer erzählt. Der Lobgesang der ganzen Schöpfung, der Dank der Menschen für die ganze Schöpfung, die geschwisterliche Liebe zu allen Geschöpfen ist das Herz ihrer Erzählung. Mehr noch: Die indigene Schöpfungsgeschichte kennt mehrere Menschengeschlechter, die unter gegangen sind, weil sie hochmütig und undankbar waren. Erst die Menschen, die fähig waren, sich in die Schöpfung einzufügen, blieben am Leben. 

Robin Wall Kimmerer ist Biologin, Ökologin, Poetin und Erbin einer tief in der Natur verwurzelten indigenen Kultur, wo jeder Tag mit dem Lobgesang für die Schöpfung und durch die Schöpfung beginnt, wo alle Geschöpfe Geschwister sind und Gemeinschaft auf Dankbarkeit für die Gabe des Lebens samt all der wunderbaren Geschwister beruht, mit denen wir unseren wunderbaren Planeten bewohnen dürfen.

Sie erzählt ihre Geschichte zwischen Wissenschaft, Lehre und indigener Kultur und stellt den Sonnengesang, der allen indigenen Kulturen Amerikas offenbar gemeinsam ist, in den Mittelpunkt. Ihre Vorstellung ist, dass eine Menschheit, die nicht täglich dankbar ist für das Wunder des Lebens, die das Leben nicht gemeinsam feiert und die anderen Geschöpfe nicht als Geschwister achtet, nicht fähig ist, umsichtig und verantwortungsvoll zu handeln. Sie wird untergehen. Eine Menschheit, die zum Lobpreis des Lebens zurück kehrt, hat eine Chance. 

Enzyklika:

Angeregt durch dieses Buch, das ein Stück weit die Rückreise von einem entfremdeten, von Zwängen übersäten Alltag in ein mögliches, erfülltes Leben beschreibt, kehre ich zurück zu meinen Wurzeln im christlichen Glauben. 

Die Fülle des Lebens Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt