Eironn nutzte Magie, um das Wasser wieder aus ihrer Kleidung zu ziehen. Damit waren sie schnell trocken und konnten sich langsam wieder zurück in das Dorf machen.
Den ganzen Weg hielt Kara die Hand des Magiers. Die Nähe beruhigte sie beim Gedanken an das Abendessen mit dem ganzen Rudel.
Vorbereitet wurde es bereits, als sie wieder zu ihrer Hütte kamen und Knurr sie dort erwartete. Der Anführer hatte sich auf eine dicke Baumscheibe gesetzt und die Augen geschlossen. Überraschend kamen sie jedoch nicht zurück, da er auf einen Meter Entfernung die Augen öffnete und sich erhob.
"Knurr." Eironn nickte kurz. Eine sehr kleine Verbeugung als Zeichen des Respekts, hatte er erklärt. "Was verschafft uns die Ehre?"
"Ein Gedanke. Dürfte ich ihn mit euch teilen?" Der Anführer deutete auf die Hütte. Im Inneren war gerade genug Platz für die drei.
"Es ist kein Angriff, Eironn. Wir kennen uns immerhin schon länger. Es geht um deine Begleitung." Wieder raste Karas Herz. "Nun, eigentlich sind es zwei Dinge."
"Wir verbergen nichts. Frag nur."
Der Anführer nickte und sah Kara an: "Du hast zu den Jägern gehört." Es war keine Frage, was sie die Hand des Magiers nur fester greifen ließ.
"Sie nahmen meine Mutter und mich auf. Sie war ihnen nützlich, ich nicht. Als ich zu alt war, um durchgefüttert zu werden, habe ich sie verlassen. Sie wollten Fenrs Rudel angreifen, vermute ich, deshalb habe ich sie gewarnt. Ich selbst habe mich aber immer von ihren Aktionen distanziert."
"Gut gesagt. Dann glaube ich, dass du keine Jägerin bist. Nun zur zweiten Sache: einer meiner Wölfe sagt, dass du seine zweite Seele bist. Er habe es gespürt, als du das Dorf betreten hast." Ein Moment des Schweigens. "Wenn er weiter darauf beharrt, dann musst du hier an seiner Seite bleiben. Es wäre zu gefährlich, wenn du weiterhin reist."
"Ein... Wolf..." Es fühlte sich an, als schwanke der Boden zu ihren Füßen. Eironns schneller Reaktion verdankte sie, dass sie nicht ungebremst zu Boden fiel sondern sich vorsichtig auf das Strohlager setzen konnte. Das rascheln unter sich drang jedoch nur dumpf an ihre Ohren. Ein Wolf erhob einen Anspruch auf sie. Ihre Gedanken sortierten sich nicht mehr. Stattdessen drangen heiße Tränen an die Luft.
"Alles gut, Kara. Vielleicht ist es ein Irrtum.", flüsterte der Magier, was sie nur laut schluchzen ließ.
"Aber... ich bin der einzige Mensch..."
"Noch ist nichts entschieden." Knurr verschränkte die Arme. "Aber ich werde nicht einen meiner Leute in Gefahr bringen, weil seine Seele durch die Welt reist."
"Und ich möchte verhindern, dass Kara unglücklich ist." Eironn ließ ihre Hand los und stellte sich schützend vor sie. "Sie war schon eine Gefangene der Menschen. Jetzt ist sie eine freie Magierin."
Der Anführer schüttelte den Kopf. "So warst du schon damals, nicht wahr Ira?"
"Mag sein. Ich könnte auch die zweite Seele sein. Würdet ihr mich dann auch hierbehalten wollen?"
"Das ist etwas anderes. Sie ist..." Ein lauter Knall unterbrach den Anführer. Donner gefolgt von prasselndem Regen auf dem Dach tönte ohrenbetäubend in der kleinen Hütte. Die Panik vergessen presste Kara die Hände auf die Ohren. Es half ihrem Geist, wirklich leiser wurde es nicht.
"Das ist keine Lösung!", brüllte der Anführer über den Lärm des plötzlichen Wolkenbruchs, eine Hand selbst an die Stirn gelegt. "Wir finden eine Lösung. Sie spricht mit ihm, dann entscheiden wir."
"Gut..." Es war kaum zu vernehmen, doch der Sturm endete, wie er begonnen hatte. Plötzlich. Eironn trat wieder zur Seite und ließ sich seinerseits auf das Lager sinken. Kara sah ihn nur an, beobachtete seine Bewegung - und das seltsame Licht, das verblasste.
"Warst du das?" Es dauerte einen Moment bis sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. "Der Sturm..."
"Ein Ausbruch." Der Magier klang müde. "Verzeih. Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich war nur... unvorsichtig."
"Also Magie?"
Er nickte. "Magie. Die Grenze ist deine Kraft, dir etwas vorzustellen. Und deine eigene Kraft." Er griff nach seiner zitternden Hand. "Ich habe es übertrieben. Lokal kann so etwas große Schäden anrichten." Entschuldigen hob er den Blick wieder. "Du solltest allein zum Abendmahl gehen. Ich brauche eine Weile Ruhe."
"Ich gehe nicht allein." Kara rückte näher zu ihm und legte ebenfalls eine Hand auf den Arm. "Nicht, wenn jemand will, dass ich hierbleibe. Wer weiß, ob ich wieder zurück käme."
"Das ist nett, aber es wird langweilig." Der Magier lächelte schwach, dann ließ er sich rücklings auf das Lager fallen und schloss die Augen. "Dauert nur einen Moment." Damit wurde seine Atmung ruhiger, das Zittern weniger und er schlief ein.
Kara zupfte einen der Dolche aus einer seiner versteckten Taschen und blieb neben ihm sitzen. "Danke und ruh' dich aus. Ich passe auf." Damit behielt sie weiter Kontakt mit seiner Hand, in der anderen umklammerte sie den Dolch und hielt den Blick auf die Tür gerichtet. Sollte nur einer der Wölfe versuchen, sie zu entführen und in diesem Dorf gefangen zu halten...
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Midia
FantasyNach der Zerstörung ihrer eigenen Welt musste die Menschheit in eine andere fliehen. Zurückgeworfen in die Anfänge der Zivilisation erinnern nicht einmal mehr Legenden an eine andere Zeit. Kara wurde in diese Welt geboren, die die Menschen den urspr...
