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Als nur noch glimmende Asche übrig war, zerrten die Soldaten sie zurück.
Auch diesmal zählte sie nicht Türen und Treppen. Sie musste diesen Weg nicht kennen. Er führte sie nur tiefer, nicht in die Freiheit.
Da stach ihr der metallische Geruch von Blut in die Nase. Unsicher sah sie auf, als die Soldaten sie wieder fallen ließen. Auch in diesem Raum waren Fackeln das Licht an den Wänden. Große Pfützen von Blut sammelten sich in der Mitte.
Darüber, bedeckt mit blutenden Wunden hing Eironn an Ketten, der Kopf auf die Brust gesunken, die Augen geschlossen. Blut tropfte auch jetzt noch in die Pfütze. Ein regelmäßiger, hoher Ton.
"Ira...", hauchte sie und wollte die Hand zu ihm strecken, doch ihr fehlte die Kraft. Nicht einmal Tränen kamen ihr.

Eironn
Er spürte ihre Anwesenheit. Ihre Energie war schwach, doch erkannte er sich selbst in ihrer Magie wieder.
Dass er noch nicht tot war, verdankte er der Besonderheit seines Körpers. Er ließ sich nicht töten, wenn er nicht wollte. Und gerade eben hatte er noch zu viele Gründe zu leben.
Über den Geruch seines eigenen Blutes, der den Raum einnahm, erreichte ihn Karas Note. Jedoch gemischt mit Rauch, Blut und brennendem Fleisch.
Eironn wusste sofort, woher sie gerade kam. Er wollte sie umarmen, trösten, helfen, das Erlebte zu verarbeiten, doch noch musste er seine Rolle spielen.
"Bleib stark.", bat er sie in Gedanken und hoffte, dass die Nachricht, die er über seine Magie zu ihr sandte ihre Wirkung entfaltete. Sie durfte einfach nicht brechen. Es gab noch viel, das ihn faszinierte. Und viel, das er sie noch lehren wollte. "Bitte Kara. Gibt nicht auf."

Ein leises, kraftloses Schluchzen ertönte, hallte in dem Raum wie eine Fanfare. Doch auch Hoffnung schwang darin mit. Das Wissen, dass sie seine Nachricht erreicht hatte.
Er rührte sich nicht, als die Peitsche ihn wieder traf, gefolgt von einem verzweifelten Klagelaut der Frau.
Er würde auch ein weiteres Mal den Fängen der Menschen entkommen. Auch, wenn sie besser vorbereitet waren als zuletzt, würde er sich nicht in ihre Waffe verwandeln lassen.
Nicht, dass sie seine Identität kannten. Für sie war er ein Magier. Ein Monster, das sie zu ihren Zwecken nutzen konnten.
"Wir können ihn nicht umbringen.", flüsterte eine bekannte Stimme. Der Mann war schon oft persönlich bei ihm gewesen. Hatte ihn schon verletzt und Verletzungen befohlen. Er hatte ihn zwar schon eine Weile nicht mehr gesehen, doch die Stimme war unverkennbar.
Er spürte eine Klinge, die jemand über seinen Bauch setzte. Auch das würde nicht zu mehr als einem Kratzer führen. Ein Kratzer, der schnell heilte.
"Nein. Tu es nicht!", flehte Kara und schrie, als die Klinge in seine Eingeweide drang. Langsam zog der Mann sie zur Seite und gab warmem Blut den Weg frei. Es sammelte sich hallend bei dem, das den Boden bereits bedeckte.
"Bleib stark.", sandte der Magier wiederholt. "Ich lebe, siehst du? Das Blut fließt noch."
Kara schluchzte und die Klinge wurde entfernt. Ein verzweifeltes Rufen seines Decknamens drang noch zu ihm, als die wieder hinaus gezerrt wurde.

"Ira.", zischte der Mann. "Du wirst qualvoll sterben, das verspreche ich. Und dann schicke ich dir meine Tochter hinterher. Doch ihr Leid, wird so viel größer sein."
"Du unterschätzt sie." Seine Stimme klang falsch in seinen Ohren. Rau und unbenutzt. Doch er blieb dabei. Er würde eine weitere Rolle spielen. "Du unterschätzt unser Volk. Wir sind stärker, als es scheint."
"Narr." Der Mann trat näher. "Ihr werdet beide an diesem Ort sterben. Langsam. Nachdem ich euch gebrochen habe."
Eironn schüttelte den Kopf. Langsam, damit er sich weiter kraftlos geben konnte. Er richtete seine Magie auf den Mann, ließ sein Abbild in seinem Geist erscheinen. So erkannte er zwar nur Umrisse, doch genug um den Blick aus leeren Augen auf ihn zu richten. "Wer von uns hier stirbt ist die Frage." Eironn grinste. "Und ich werde dir die Antwort nicht verraten."
"Sei still." Er schrie fast, doch den Magier störte das nicht. "Ich sollte dir einfach die Zunge rausreißen lassen." Er hob die Hand, was Eironn kurz auflachen ließ, bevor er sich hustend verschluckte. 
"Dann kann ich dir aber nichts mehr erzählen. Wobei es mich schon wundert, dass du die Kleine nicht sofort neben mich gehängt hast. Aber sie scheint dir noch immer etwas zu bedeuten." Er hatte ihn gereizt. Wütend versenkte der Mann sein Messer mehrfach in der Brust des Magiers. Ob er wütend über seine Aussage war oder weil er sich nicht umbringen ließ? "Sie ist deine Tochter, auch wenn sie nicht von deinem Blut ist. Sie wird immer ein Kind dieser Welt sein. Ein Geschöpf der Götter. Sie..." Die Klinge glitt durch seine Kehle und schnitt ihm das Wort ab. Diese Heilung würde etwas länger dauern. 
"Schweig still.", fauchte er ein letztes Mal, dann entfernten sich auch seine Schritte und Eironn war wieder allein.

Hatte er ihn zu viel provoziert? Der Magier sah besorgt mit der Magie weiter auf den Eingang zu seiner Folterkammer. Kara konnte sicher nicht überleben, was ihm angetan wurde. Das bedeutete aber auch, dass sie diesem Ort bald verlassen sollten.
Er hatte einige Muskeln und Nerven erwischt, die ihn nun hinderten, den Kopf zu heben. also zwang er seine sicher schon mehrfach gebrochenen und verheilten Hände Kreise in die Luft zu malen. Sie mussten die Festung verlassen. Und wenn er dafür Hilfe in Anspruch nehmen musste, dann war es so. 

MidiaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt