Sie machte sich Sorgen. Sie war unruhig. Ich hörte ihren Herzschlag. Er raste.
„Halt dich an mir fest, Luna Lisandra", sagte eine sanfte aber dumpf klingende Frauenstimme. Ich kannte diese Stimme, denn ich hatte sie schon oft gehört.
„Hilf mir, Sienna", hörte ich eine andere angstvolle zitternde Stimme, die hohl klang und alles um mich herum erbeben ließ. Das war die Stimme meiner Mutter, sie hatte es mir schon gesagt. Sie hatte es mir immer wieder gesagt, wenn sie mit ihrer Hand sanft über ihren Bauch streichelte. Immer dann, wenn sie das tat, konnte ich die Wärme ihrer Hand spüren.
„Wir haben es gleich geschafft, Luna Lisandra. Nur Mut. Nur noch ein paar Meter, dann kannst du dich ausruhen", sagte wieder die sanfte Stimme der Frau, die meine Mutter Sienna nannte, aber das wusste ich ja schon.
Alles schaukelte und trotzdem fühlte ich mich sicher und geborgen. Dann hörte das Schaukeln auf. Meine Mutter stöhnte. Sie hatte sich mühsam irgendwohin gesetzt. Ich konnte deutlich fühlen, dass es ihr nicht gut ging. Meine Mutter war müde, unendlich müde und sie zitterte. Sie zitterte nicht vor Kälte, denn Sienna hatte ihr eine Decke gereicht. Mutter hatte sich dafür bedankt und so wie es sich anfühlte zugelassen, dass Sienna die Decke fest um sie wickelte. Nein, meine Mutter zitterte nicht vor Kälte, sie zitterte vor Angst.
Irgendwas gluckerte. Auch das Geräusch kannte ich schon. Es gluckerte immer, wenn meine Mutter etwas trank. Dann wurde es ruhig. Auch der Herzschlag meiner Mutter beruhigte sich langsam. Ich hörte sie atmen und ihr Atem ging gleichmäßig. Sie schlief. Wie konnte sie jetzt schlafen? Ich konnte es nicht, ich war unruhig. Seit einiger Zeit schon hatte ich das Gefühl, als ob etwas nicht stimmte. Immer wieder. Und langsam wurde es hier auch verdammt eng. Der Platz, der mir zur Verfügung stand, war schon immer begrenzt gewesen. Seit ich denken konnte, war das schon so. Doch in den letzten Tagen war der Platz gefühlt immer kleiner geworden. Jetzt verkrampften sich auch noch die Muskeln meiner Mutter und engten mich noch mehr ein. Wie konnte sie da immer noch schlafen?
Da plötzlich - ein Schrei. Grell. Zitternd. Gequält. Meine Mutter schrie.
„Ich bin da, Luna Lisandra", flüsterte Sienna beruhigend. „Ganz ruhig. Ich bin da."
„Er ist tot", stöhnte meine Mutter auf, verkrampfte sich und schrie vor Schmerz und weinte. Wer ist tot? Was ist tot? Ich wusste es nicht, aber es musste etwas schreckliches sein, wenn meine Mutter deswegen schrie und weinte.
Und schon wieder verkrampfte sich ihr Körper und es wurde noch enger um mich herum.
„Du musst jetzt stark sein, Luna. Stark für deine Tochter", sagte Sienna mit fester Stimme. „Nimm meine Hand, Luna. Drücke."
Warum drückte sie? Wollte sie mich zerquetschen? Es war doch so oder so schon ziemlich eng hier. Ich hatte mich in den letzten Tagen irgendwie gedreht, hoffte dass es so wieder bequemer wurde. Aber da hatte ich mich getäuscht, anstatt bequemer wurde es immer enger und ungemütlicher. Schließlich wurde ich gegen etwas Hartes gedrückt. Immer und immer wieder und immer häufiger und immer heftiger.
„Presse", rief Sienna. „Presse, Luna Lisandra. Einatmen. Ausatmen. Pressen. So ist es gut. Und nocheinmal. Einatmen. Ausatmen. Pressen."
Schreie, sie dröhnten in meinem Kopf. Meine Mutter schrie. Der Druck wurde immer stärker. Bald konnte ich mich nicht mehr bewegen. Es tat weh. Was sollte das? Was geschah hier? Was war los mit dir, Mutter? Was machst du mit mir? Die Stimmen wurde dumpfer, je mehr ich mich zusammengepresst fühlte. Und noch immer spürte ich den Druck, der mich in diese Enge schob. Wie lange denn noch?
„Gleich hast du es geschafft, Luna." Siennas sanfte Stimme klang komisch gepresst.
Und plötzlich wurde es kalt in meinem Gesicht. Bitterkalt. Und so hell. Hände griffen nach mir und zogen leicht an meinem Kopf, während der Druck gegen meinen Hintern zunahm. Wieder Schreie.
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Suche, Tonya!
Hombres LoboWas war bei ihrer Geburt wirklich geschehen? Warum hatte ausgerechnet sie diesen Talisman erhalten? Warum hatte sie das Gefühl, dieser Mondstein bedeutete etwas? So viele Fragen und keine Antwort darauf. Tonya wollte sich nicht einfach so unterordne...
