Kapitel 4

97 4 0
                                        

Zu meinem Glück sind Jimin und Jieun nicht weiter darauf eingegangen, dass ich mein Brot nicht gegessen habe.
Wir sind gerade auf dem Weg zum Bus, vielmehr begleiten sie mich, da beide in die andere Richtung müssen.
Sie sind mir entgegengekommen und extra weiter gefahren, damit ich nicht so einen weiten Weg habe und nun bringen sie mich auch noch.
Ich friere etwas, was nicht unbemerkt bleibt. Jimin legt einen Arm um mich und drückt sich an mich. Ich kann dem Gespräch zwischen Jieun und Jimin kaum folgen. Ich fühle mich schlecht. Ich weis, was sie beide über mich und meine ganze Situation denken und tief in mir weis ich auch das ich keine Bürde für sie beide bin.
Dennoch bleibt mein Gefühl das mir sagt, das ich genau das bin.
Ich bin völlig in Gedanken versunken, als ich eine Hand an meinem Hinterkopf fühle, die sich in meine Haare gräbt. Ich drehe meinen Kopf und sehe Jimin an, der zu mir zu sprechen scheint: "Erde an Taehyung, bist du noch da? Hörst du mich?"
Jetzt erst merke ich das leichte piepen auf meinen Ohren und die dumpfen Hintergrundgeräusche. Auch die Stimme von Jimin scheint dumpf, wird aber zunehmend deutlicher.
Ich versuche mich zu entspannen und das Gefühl der Ohnmacht und inneren Angst die langsam in mir aufsteigt, abzuschütteln. Ich Antworte also, denn wir sind bereits stehen geblieben und vier besorgte Augen blicken zu mir rauf:
"Ja, tschuldigung, ich war in Gedanken. Und vielen Dank für alles und es tut mir leid das ich nicht immer der Freund bin, den ihr verdient hättet."
Direkt nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte, fühlte ich einen leichten Klaps am Hinterkopf und Jieun schnaufte empört auf.
"Hatten wir das Thema nicht gerade erst? Ach Taeeeeee wir können dankbar sein so einen tollen Freund wie dich zu haben, wann kommt das endlich mal bei dir in deinem hübschen Köpfchen an."
Ich liebe sie beide, wirklich.
Mir wird warm ums Herz und ich muss wirklich besser darüber nachdenken was ich sage, auch wenn das meine Wahrheit ist, behalte ich es in Zukunft besser für mich. Nachher verliere ich sie noch schneller als mir lieb ist.
"Sag mal Taehyung", meldet sich Jimin zu Wort, "wie wäre es wenn wir am Wochenende zu dir kommen und ein gemütlichen Abend machen? Ich mein wir können einfach nur gammeln, kuscheln oder was immer du willst, wir müssen auch nicht kochen oder so, Jieun und ich essen einfach vorher und wenn dir danach ist, könnten wir auch reden. Aber ohne Zwang, wir sind einfach nur da".
Zum Glück trifft indem Moment der Bus ein und beide umarmen mich.
"Bitte melde dich und gib uns Bescheid, ob wir am Wochenende zu dir kommen sollen", ruft er noch, ehe die Türen des Busses sich schließen.
Ich nicke und winke ihnen, bis sie schließlich aus meinem Sichtfeld verschwinden.

Zuhause angekommen, versuche ich erst gar nicht mehr meine Tränen zu unterdrücken. Ich habe so ein schlechtes Gewissen. Meine ganze Liebe und Energie die ich habe, stecke ich in meinen Job und die Kinder und für meine Freunde, geschweige denn Familie bleibt kaum noch was übrig. Ich habe das Gefühl, diese ganze selbstauferlegte Last droht mich zu erdrücken. Außerdem macht sich ein Gefühl in mir breit, das ich kaum noch schaffe zu ignorieren, Hunger. Wenn es da ist, dann beruhigt mich es auf einer Weise, gibt mir Sicherheit, zeigt mir das ich auf dem richtigen Weg bin. Aber manchmal wird es so aufdringlich, das es droht die Kontrolle zu übernehmen. Ich bin hin und her gerissen, nur eine Kleinigkeit, nur soviel, das ich auch weiterhin funktionieren kann.
Ich gehe in die Küche und schneide mir Gemüse, dazu einen Joghurt Dip. Dann stehen auch die Chancen besser, wenigstens etwas Schlaf zu finden.

Nicht viel später liege ich im Bett. Mein Magen rumort und ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich versuche nicht weiter darüber nachzudenken, stattdessen kommen mir wieder Jimins Worte in den Sinn. Ich greife nach meinem Handy und sehe dort auch direkt eine Nachricht von ihm in unserer Gruppe mit Jieun. "Bitte denk darüber nach, okay?" Wir lieben dich." Darauf folgt ein Herz von Jieun und ich drücke mein Handy auf meine Brust. Ich hole einmal tief Luft und kneife meine Augen zusammen. Was ist mein Problem? Wieso habe ich so Angst davor mich meinen engsten Freunden zu öffnen? Sie kennen im Grunde sowieso die Wahrheit oder zumindest in Teilen, das hat mir Jimin mit seiner Äußerung vorhin schon deutlich gemacht.
Ich weis auch dass nur ich es bin der Änderung bringen kann und der erste Schritt wäre darüber zu reden. Aber will ich es wirklich? meine Sicherheit aufgeben? Doch tief im inneren weis ich das ich es nicht mehr lange schaffe, so mein leben wie gewohnt weiter zu führen.
Ich nehme mein Handy wieder in die Hände und tippe in die Gruppe: "Ihr wisst gar nicht wie viel mir eure Worte bedeuten, ich liebe euch auch, DANKE <3. Wie wäre es mit Samstag Nachmittag?"

Gebrochen | TaekookGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt