Kapitel 44

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Um Jungkook sind so viele Menschen, alle reden durcheinander, manche schreien. Warum tun sie das? Sie sollen aufhören, ich will doch einfach nur meine Ruhe haben, ich bin so müde, schlafen wäre jetzt schön, einfach einschlafen und wenn ich aufwache, ist alles wieder in Ordnung.
Aber stattdessen all dieser Lärm.
Ich hebe meine Arme wieder an meinen Kopf und lege meine Hände erneut auf meine Ohren. Dann kneife ich meine Augen fest zusammen.
Ich bin so überfordert, warum fühle ich mich so? In mir herrscht ein riesiges Durcheinander. Meine Atmung ist flach und mein Puls dröhnt in meinen Ohren.
Ich spüre, wie sich erneut fest Arme um mich schlingen. Der Druck und die Wärme ist angenehm. Jungkook?, denke ich, doch irgendetwas fühlt sich anders an. Das ist nicht Jungkook, aber er ist doch immer da, wenn ich ihn brauche, warum denn jetzt nicht?
Jungkook...
Shiwon...
Blut?
Ist Jungkook verletzt?
Wie ein Blitz, durchfährt mich die Erkenntnis und die Erinnerungen kehren schlagartig zurück. Ich reiße meine Augen auf und schnappe keuchend nach Luft.
"Jungkook!", schreie ich, reiße mich aus Jimins Umarmung und springe vom Stuhl auf, um zu Jungkook zu laufen.
Ich verliere allerdings sofort mein Gleichgewicht und kippe vorne über. Doch ich werde aufgefangen und blicke in Namjoons Gesicht.
"Taehyung beruhige dich, es ist alles gut. Sie versorgen Jungkook, er hat eine Stichwunde, aber es ist nichts lebensbedrohliches."
Ich brauche einen Moment um die Worte zu verarbeiten. Währenddessen setzt Namjoon mich auf den Stuhl zurück. Jetzt bemerke ich auch erst, dass alle da sind. Jimin, der mich wieder in seine Arme schließt und auch Jieun, die vor mir in die Hocke gegangen ist und eine Hand auf mein Bein abgelegt hat. Namjoon, der noch immer vor mir steht und mich besorgt ansieht. Dann sind da noch Yoongi, Hoseok und Jin, die zwischen Jungkook und mir hin und her sehen und meine Eltern. Ich beobachte wie mein Vater zu Jungkook geht und vor ihm auf die Knie geht. Er verbeugt sich tief und sagt etwas zu Jungkook.
Dieser dreht jetzt, zu meiner Erleichterung, seinen Kopf zu meinem Vater und hebt seine Hand, als wolle er meinen Vater sagen, dass er sich nicht vor ihm verbeugen solle.
Die Erkenntis fühlt sich wie ein Stich im Herzen an. Mein Vater bedankt sich? Ich begreife plötzlich das Shiwon auf mich zugestürmt ist. Mich hätte es treffen sollen, nicht Jungkook!
"Ohgott das ist alles meine Schuld", hauche ich entsetzt und meine Augen füllen sich mit Tränen.
"Stopp Taehyung!", sagt Namjoon jetzt mit einer Strenge in der Stimme, die mich aufhorchen lässt.
"Es ist verdammtnochmal Shiwons Schuld! Er ist dafür verantwortlich und es ist Jungkook, der die Entscheidung getroffen hat, dazwischen zu gehen und Gott sei Dank konnte er schlimmeres verhindern." Namjoon wird zum Ende hin wieder sanfter. Er nimmt jetzt meine Hand in seine und sieht mich eindringlich an.
"Taehyung, es wird alles gut, versuch dich ein wenig zu beruhigen und bitte gibt dir nicht die Schuld, okay?"
Ich nicke. Namjoon hat recht und wäre unsere Situation umgekehrt, hätte ich genauso reagiert. Und hätte Jungkook dann Schuldgefühle deswegen, würde mich das traurig machen. Das, was ich jetzt verspüre ist einfach so eine tiefe Dankbarkeit und unendlich viel Liebe.
"Herr Kim?", ich drehe meinen Kopf und sehe die Anwältin, die neben mir in die Hocke gegangen ist und mich besorgt ansieht.
"Hören Sie, sie können mit Herrn Jeon ins Krankenhaus fahren, ich werde mich hier um alles weitere kümmern und eins können sie glauben, Herr X wird eine gerechte Strafe bekommen, dafür werde ich schon sorgen."
Sie sieht mich lächelnd aufmunternd an und ich bin ihr wirklich dankbar.
"Vielen Dank", sage ich aufrichtig.
Sie nickt und verabschiedet sich dann von uns.
"Ich will jetzt zu Jungkook", sage ich, doch noch während ich dabei bin aufzustehen, wird Jungkook auch schon auf eine Trage verlegt und die Sanitäter machen sich sogleich mit ihm auf dem Weg zum Rettungswagen. So schnell wie ich kann, laufe ich hinterher.
Unsere Freunde und meine Eltern begleiten mich. Am Rettungswagen angekommen, drehe ich mich noch einmal zu ihnen um und sage: "Sehen wir uns gleich in der klinik?"
"Na klar Tae Tae, wir kommen alle nach", sagt Jimin und ich bin erleichtert. Dann gehe auch ich zu dem Rettungswagen, an dem jetzt ein Sanitäter an der offenen Seitentür steht und auf mich wartet. Ich steige ein und nehme dann auf einem Sitz platz, der direkt neben der Liege auf der Jungkook liegt, steht.
Endlich kann ich Jungkook sehen und mit ihm reden, denke ich. Sofort wende ich mich zu ihm und Jungkook schenkt mir ein Lächeln. Allerdings sieht er blass aus und ich sehe ihm an, dass er versucht seine Schmerzen die er haben musste, zu verstecken.
"Jungkook das tut mir alles so schrecklich leid", hauche ich und jetzt kann ich meine Tränen nicht mehr aufhalten. Ich nehme sein Gesicht in meine Hände und drücke ihm einen Kuss auf seine Stirn, dann umschlinge ich sein Kopf und halte ihn vorsichtig.
"Tae? Dir muss nichts Leid tun, ehrlich gesagt bin ich darüber, wie es ausgegangen ist, mehr als nur glücklich. Du glaubst gar nicht wie erleichtert ich bin, das dir nichts passiert ist."
Ich rücke von ihm ab und schaue ihn entsetzt an.
"Spinnst du? Mach sowas bitte nie wieder! Es hätte mich treffen sollen, wieso setzt du dein Leben aufs spiel?"
Ich reagiere wahrscheinlich gerade etwas über, aber es gibt nichts schlimmeres für mich, als die Vorstellung Jungkook zu verlieren.
Jungkook nimmt meine Hand und streichelt jetzt beruhigend mit seinem Daumen darüber.
"Tae? Ich würde alles dafür tun, dass man dir nie wieder weh tut. Ich ertrage die Vorstellung einfach nicht, wieder um dein Leben bangen zu müssen. Nein, das schaffe ich nicht mehr."
Ich will ihn anschreien und sagen, dass er mir damit aber extrem weh tut. Doch ich merke schnell, dass das nicht Fair wäre. Jungkook hat so viel durchgemacht und war trotzdem immer so stark. Ich kann seine Entscheidung auf jeden fall verstehen, hätte ich doch genauso gehandelt.
"Ich liebe dich Kookie, ich liebe dich so sehr."
Ich kann mich so glücklich schätzen, einen so wundervollen Mann in meinem Leben zu haben, der zu genau der richtigen Zeit in mein Leben getreten ist. Was wäre nur aus mir geworden, wenn wir uns nie begegnet wären? Wie oft stelle ich mir diese Frage?
Zum Glück habe ich die Antwort nie erfahren.

Gebrochen | TaekookGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt