Kapitel 45

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Als ich endlich Jungkook erblicke, der durch die offene Tür in den Warteraum kommt, springe ich auf und gehe in großen Schritten auf ihn zu.
Ich nehme ihn vorsichtig in die Arme, meine Krücken halte ich dabei weiterhin, hinter seinem Rücken, fest.
"Jungkookie, ich bin so froh", sage ich und fange aus purer Erleichterung an zu weinen.
Jungkook zieht mich fest in seine Arme und es ist ein unglaublich schönes Gefühl seine Stärke zu spüren.
Nach einiger Zeit löst er sich ein wenig, hält mich aber noch fest, bis ich meine Krücken auf den Boden abgestellt und mein Gleichgewicht wiedergefunden habe.
Dann legt er seine Hände um mein Gesicht und wischt mit seinen Daumen meine Tränen weg.
"Hey", sagt er, "Nicht mehr weinen, okay? Hab doch gesagt, alles ist gut."
Sein Lächeln nimmt mir auch meine restlichen Sorgen und ich erwidere es.
Trotzdem werde ich in den nächsten Tagen gut auf Jungkook aufpassen, er spielt bestimmt wieder einiges herunter, damit ich weniger besorgt bin. Denn bei dem ganzen Blut, muss die Wunde doch schon tiefer gewesen sein und auch jetzt sieht er noch etwas blass und mitgenommen aus.
"Hey Jungkook, ich bin so erleichtert, dass du einigermaßen munter zu sein scheinst", sagt Namjoon, während er Jungkook jetzt zu sich in eine Umarmung zieht, "Scheiße das hat uns allen einen ganz schönen Schock verpasst."
Auch die anderen wenden sich jetzt alle an Jungkook, umarmen ihn und drücken ihre Erleichterung aus. Jungkook schenkt allen ein leichtes Lächeln und kratzt sich verlegen am Ohr. Dann guckt er mit seinen runden Augen einmal in die Runde und sagt: "Danke, aber ist ja alles nochmal gut gegangen."
"Trotzdem wurdest du verletzt", Yoongi legt seine Hand auf die Schulter von Jungkook und sein Blick ist eindringlich.
"Übernimm dich nicht und achte in den nächsten Tagen auf dich. Wir unterstützen euch auch, Jungkook, ich mein das ernst, wehe du trägst schwere Sachen oder machst irgendeinen anderen unüberlegten Mist, ruf uns gefälligst an."
"Ich passe da schon mit auf", sage ich und unterbreche Jungkook, der gerade seinen Mund geöffnet hat, um etwas zu sagen.
"Du brauchst gar nicht deine Augen verdrehen", ergänze ich dann noch und grinse, als er sich ertappt fühlt und leicht auf seiner Unterlippe kaut. Dieser Blick ist zu niedlich.
"Okay", sagt er dann schmollend, "Aber so schlimm ist das alles nicht, ich muss auch nur eine Woche etwas aufpassen, bis die Fäden raus können. Überdramatisiert das ganze bitte nicht."
"Ach Jungkook, nimm es einfach an, okay? Und denk immer daran, wie du reagieren würdest, wenn dein Taehyungie in der Situation wäre", sagt Jin schmunzelnd und legt seinen Arm um Jungkooks Schultern.
Dieser lässt ein wenig seinen Kopf hängen und grinst, dann nickt er leicht.
"Okay", sagt Namjoon, "Ich weis ja nicht wie es euch geht, aber ich wäre dafür jetzt langsam hier weg zu kommen, ich habe genug von Krankenhäusern."
Wir stimmen alle zu und machen uns dann auf den Weg zum Parkplatz, um endlich nach Hause zu fahren.

Jungkook und ich gehen mit Namjoon mit, der uns nach Hause fährt, da Jungkooks Auto noch am Gericht steht. Namjoon wird sich später gemeinsam mit Jin darum kümmern und das Auto von dort abholen und zu uns zurückbringen.
Und apropos Gericht, jetzt, da meine Sorge um Jungkook gewichen ist, denke ich wieder mehr über die Verhandlung nach. Ich hoffe einfach nur das der heutige Vorfall dazu beitragen wird, das Shiwon eine lange Haftstrafe bekommt und ich ihn im besten Fall nie wieder sehen muss. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn wir nochmals zu einer Verhandlung müssen.
Ich schüttel den Gedanken ab und konzentriere mich dann wieder auf die Gegenwart und lege meinen Kopf auf Jungkooks Schulter, der neben mir auf der Rückbank sitzt. Wir verbinden unsere Hände miteinander und genießen einfach nur die Nähe des anderen.

***

"Es schneit!", sage ich begeistert, als ich die Bettdecke von mir schlage und zum Fenster hüpfe. So als würde er meine Begeisterung teilen und auch etwas sehen wollen, springt Yeontan bellend und schwanzwedelnd an meinem Bein hoch.
"Guck dir das an Yeontan, wenigstens du teilst meine Begeisterung", sage ich, während ich ihn ans Fenster hebe. Mit großen Augen beobachten wir beide die dicken Schneeflocken am Fenster, während Jungkook und Bam noch im Bett liegen. Beide haben nur kurz in unsere Richtung gesehen und dann die Augen wieder geschlossen.
"Was meinst du Tannie, wollen wir in den Schnee?"
Yeontan bellt und als ich ihn wieder auf den Boden absetze, wedelt er aufgeregt mit dem Schwanz und dreht sich ein paar Mal im Kreis.
"Alles klar, mein Kleiner, ich muss mich nur noch anziehen, dann geht's ab nach draußen."
"Spinnst du?",ertönt ein müdes Grummeln aus dem Bett, aber davon lasse ich mich nicht beirren und gehe zum Kleiderschrank.
"Ohman, schmeiß mich doch gleich aus dem Bett, wie spät ist es?", sagt Jungkook noch immer grummelnd in meine Richtung.
Amüsiert drehe ich mich zu ihm um: "Ich hab doch gar nichts gesagt, schlaf doch weiter."
Doch anstatt darauf zu hören und sich wieder hinzulegen, zieht er jetzt beide Augenbrauen in die Höhe.
"Ist das dein Ernst?", sagt er, steht dann auf, um zum Fenster zu gehen und nach draußen zu sehen. Dann dreht er sich wieder zu mir um und verschränkt seine Arme vor der Brust.
"Wie willst du da alleine raus?"
Jetzt verschränke ich ebenfalls meine Arme vor der Brust und setze meinen Schmollmund auf: "Ich schaff das schon, außerdem kann ich heute wieder die Prothese versuchen, immerhin habe ich sie schon eine Woche nicht mehr genutzt und ich bin auch nicht mehr so druckempfindlich."
Jungkook löst seine verschränkten Arme und seufzt, dann ruft er nach Bam: "Na los Bam, wir gehen nach draußen."
Ich schüttel schmunzelnd meinen Kopf und mache mich dann weiter daran, mich anzuziehen. Jungkook verschwindet unterdessen im Bad.
Es ist süß, wie Jungkook sich sorgt und kümmert, auch wenn es manchmal doch etwas anstrengend ist. Aber die Vorstellung, jetzt gemeinsam mit ihm und beiden Hunden im Schnee spazieren zu gehen, ist gleich noch viel schöner, als nur alleine mit Tannie.
Und das es genau jetzt schneit, ist mehr als perfekt, denn heute ist heilig Abend. Wir konnten uns bisher kaum auf die Vorweihnachtliche Zeit einlassen, da der Gerichtstermin dazwischen lag und dann noch der Vorfall, bei dem Jungkook verletzt wurde. Es ist gerade einmal etwas über eine Woche her.
Doch unsere Freunde haben uns unterstützt, uns mit einem wunderschönen Weihnachtsbaum überrascht, uns bei Einkäufen geholfen und unsere Wohnung geschmückt.
Seit zwei Tagen nun ist alles fertig und Jungkook und ich haben seitdem ganz viel Zeit für uns. Dass wir heute so sorglos Weihnachten feiern können, nur wir beide mit den Hunden, bedeutet mir so viel.
Denn noch vorgestern Morgen, lag noch immer die Unsicherheit des Gerichtsurteils, schwer auf meinem Herzen. Doch ein Anruf der Anwältin, hat mir all diese Schwere genommen. Shiwon hat dank des zweiten Mord versuchs, als das wurde es zum Glück tatsächlich gewertet, Lebenslänglich bekommen, mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Es wird also schwer für Shiwon werden, jemals wieder rauszukommen. Selbst wenn, es liegt weit in der Zukunft und ich will mir wegen solchen Gedanken nicht das Leben unnötig schwer machen.

Gebrochen | TaekookGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt