Kiara
Ein paar Tage später
Hier am Hafen war es kalt, womit ich nicht gerechnet hatte. Er Windzug ließ mich frösteln, doch ich konnte nicht weg. Nicht jetzt, wo ich so nah an meinem Ziel war.
Bald konnte ich aufatmen, denn dann war alles zu Ende. Ich hatte meine Rache und konnte endlich wieder nachhause. Drauf freute ich mich am meisten. Meine Familie wieder sehen zu können.
Aber erstmal musste ich Pablo vernichten!
Dazu musste ich ihn finden. Die letzten Tage über versuchte er sich immer wieder bei mir einzuschleimen und sich zu entschuldigen. Mit teuren Geschenken, Ausflügen, weniger Arbeit. Mit jedem neuen Tag tat ich so, als würde ich ihm etwas mehr verzeihen.
Als er mir dann erst am Mittag mitteilte, dass er nach Michoacán müsse, schaffte ich es, ihn zu überzeugen, mitkommen zu dürfen. Es war meine Rettung. Hätte er nein gesagt, hätte ich ein Problem gehabt.
Ich drehte mich im Kreis, suchte nach meinem Ehemann oder irgendeiner Person. Niemand war zu sehen. Ich überlegte, mir die falsche Nummer gemerkt zu haben, aber das glaubte ich nicht. Ich konnte mir wichtige Sachen gut merken. Trotzdem lief ich andere Stellplätze ab. Nichts.
Nur das Rauschen des Wassers, der Wind und andere Kleinigkeiten, wie meine Schritte waren zu hören.
Plötzlich erklang eine Stimme. Dann eine zweite. Ich blieb abrupt stehen, ehe ich mich hektisch umsah.
Schnell stellte sich meine Reaktion als unnötig heraus. Die Stimmen gehörten nur zu zwei Arbeiten, die Pause machten. Sie unterhielten sich über das Essen, welches deren Frauen ihnen zubereitet hatten.
Als so eine Frau wollte ich nie enden. Männer waren durchaus selbst in der Lage sich ihr Brot für die Arbeit zu schmieren, sich ihre Wäsche selbst zu waschen oder zu putzen. Aber nein, selbst heutzutage noch, glaubte ein Großteil des männlichen Geschlechts, die Frauen müssten ihnen alles hinterherräumen.
Ich war keine Feministin, doch so etwas regte mich auf. Das lag wohl an meiner Erziehung. Ich wurde zu einer starken, selbstbewussten und ehrgeizigen Frau erzogen worden, die sich von niemandem etwas gefallen ließ. Schon gar nicht von einem Mann.
Ich entschied mich ein letztes Mal dazu, zum vereinbarten Treffpunkt zu laufen. Mittlerweile war es 23:10 Uhr. Lange konnte ich nicht mehr bleiben, sonst kam ich nach Pablo im Hotel an. Er würde Fragen stellen.
Am besten machte ich vorher Halt bei einem Schnellimbiss, so hatte ich eine Ausrede, wieso ich draußen war.
Beim Containerstellplatz 1C, der direkt am Wasser lag angekommen, drehte ich eine Runde. Dann sah ich endlich etwas. In der Ferne kam ein Schiff direkt auf den Hafen zu.
Ich suchte mir ein Versteck, um nicht entdeckt zu werden. Wahrscheinlich wurde die Uhrzeit einfach kurzfristig geändert. Wo sich Pablo in der Zeit über aufhielt, war ein weiteres Rätsel.
Mit jedem weiteren Meter, den das Schiff zurücklegte, stieg die Nervosität in mir an. Adrenalin rauschte durch meinen Körper.
Als es dann endlich fast so weit war, gefror mir das Blut in den Adern. Ich sah jemanden, den ich nicht sehen sollte.
»Suchst du mich, verlogenes Miststück?«
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KIARA - Wenn Rache süß ist
RandomNew Generation 1: Band 1 Rache ist bekanntlich süß, genau das dachte sich auch Kiara. Aber was noch besser als Rache war, war Rache an der Familie zunehmen, welche ihre Leiblichen Eltern ermordete. Seit Kiara wusste warum und von wem sie umgebracht...