Kiara
Nein, nein, nein!
Das durfte nicht passieren. So war das nicht geplant. Ich war gewaltig am Arsch.
Mir blickte ein graues paar Augen ins Gesicht. Sie waren noch kühler als sonst, kalt, unnahbar. Ich konnte keinen funken Wärme für mich darin sehen, keine Liebe und Zuneigung. Dafür puren Hass.
Ich war aufgeflogen. Dazu brauchte Pablo niemand etwas sagen. Sein Verhalten, sein zorniger Blick, seine Worte, als er auf sich aufmerksam machte. Er wusste von meinen Lügen, wusste, wer ich war. Zumindest kannte er einen Teil.
Jetzt ergab es auch Sinn, wieso ich niemanden gefunden hatte und kein Schiff gekommen war. Der Termin wurde wegen mir verschoben.
»Wie?«, erhob ich zuerst das Wort, obwohl ich es bereits ahnte. Er musste eine Kamera in seinem Büro haben. »In meinem Büro wird ein stiller Alarm ausgelöst, wenn ich ihn nicht ausgestellt habe. Die Nachricht wird mir dann über das Handy mitgeteilt, wo ich mir normalerweise sofort die Liveübertragung der Kameras ansehe. Da ich aber andere Probleme zu dem Zeitpunkt hatte, warst du mein kleineres Problem«, erklärte er mir zähneknirschend. »Jetzt sieht es anders aus. Als Tochter von Iván Hernández hätte ich wirklich mehr von dir erwartet. Du hast ernsthaft geglaubt, dass ich mein Büro unbeaufsichtigt lasse.«
Er machte einen Schritt auf mich zu. Und noch einen. Und noch einen. Ich zögerte nicht länger, griff hinter mich und zückte die Pistole, die unter meiner Jacke in meiner Hose befestigt war.
Die Pistole gehörte Pablo. Ich konnte ja schlecht hier in Mexiko eine Eigene haben.
Ich zielte auf sein Herz. Wenn er nicht anhielt, musste ich abdrücken. Zu seinem Glück hielt er inne. Doch womit ich nicht rechnete, war, dass auch er nach seiner Waffe griff und auf mich zielte.
Beinahe gleichzeitig entsicherten wir die Pistolen. »Keine Sorge, ich werde dich nicht umbringen, das heißt aber nicht, dass ich nicht schießen werde. Außer es ist notwendig, dich zu erschießen. Dann bleibt mir keine andere Wahl«, kam es hasserfüllt von dir.
»Dazu müsstest du erstmal kommen. Wenn ich dich vorher töte, kannst schlecht auf mich schießen«, konterte ich. »Dazu wirst du nicht kommen.«
Ich legte den Zeigefinger auf den Abzug. Eine falsche Bewegung von ihm und ich müsste schießen. Auch wenn sich etwas in mir dagegen wehrte.
Es hieß er oder ich.
»Ich will nur eins wissen, Kiara? Wieso. Ich weiß nicht, was vor 29 Jahren passiert ist, aber es hat nichts mit dir und mir zu tun. Also wieso bist du nach Mexiko gekommen? Zu mir«, fragte er. Ich hörte die Neugierde in seiner wütenden Stimme deutlich heraus.
»Wir haben beide eine Menge mit dem zu tun, was vor all den Jahren passiert ist. So viel. Wir sind durch unsere Familien für immer miteinander verbunden. Nicht auf die gute Weise. Du willst wissen, wieso ich hier bin? Ich will Rache! Und weil dein beschissener Großvater und deine hinterhältige Mutter bereits beide, dass bekommen haben, was sie verdient haben, bleibst nur noch du. Dein Onkel ist nämlich unwichtig«, erklärte ich ihm. Dann grinste ich. Aber nur, um meine wahren Gefühle zu verstecken. Das, was ich jetzt sagte, tat mir im Herzen weh. Mir war klar warum.
Ich hatte mich in Pablo Ortega verliebt. Ich liebte den Mann, den ich hassen sollte. Den Mann, den ich vorhatte umzubringen. Meinen Ehemann.
Meine kommenden Worte, würde nicht nur ihm einen Dolch ins Herz rammen, sondern auch mir. Aber es musste sein. Mir blieb keine andere Wahl. Ich durfte mich nicht von meinen Gefühlen beeinflussen lassen.
»Du bist meine Rache. Es war nicht einmal schwer, dich zu manipulieren. Wie ein liebeshungriger Welpe bist du mir hinterhergerannt. Du hast dich schnell in mich verliebt, mir sogar dieses wertlose Stück Metall von der Mutter geschenkt und mich zum Ort deiner Kindheit gebracht. Das zwischen uns war nie echt. Nur Schauspielerei. Du bist ein Niemand für mich. Nur jemand, den ich tot sehen will.«
Ich sah ihm an, wie sehr ihn mein gelogenes Geständnis verletzte. Am Anfang meines Aufenthaltes dachte ich tatsächlich so, mittlerweile fragte ich mich, ob ich all das einfach hätte sein lassen können.
Pablo konnte nichts für die Taten seiner Familie.
Jetzt war es zu spät, um einen Rückzieher zu machen. Viel zu spät. Pablo ließ seinen Finger nun auch zum Abzug wandern.
»Das war ein Fehler, Kiara. Ein ganz großer Fehler. Das schwöre ich dir!«, brüllte er über den Hafen, wodurch ein Echo entstand. Doch der ohrenbetäubende Knall, der die Vögel panisch wegfliegen ließ, kam von woanders. Von einer Pistole, die alles auf den Kopf stellte.
Ich wünschte, dass es das Ende war, doch ich wusste, es war erst der Anfang.
Ende Band 1
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KIARA - Wenn Rache süß ist
RandomNew Generation 1: Band 1 Rache ist bekanntlich süß, genau das dachte sich auch Kiara. Aber was noch besser als Rache war, war Rache an der Familie zunehmen, welche ihre Leiblichen Eltern ermordete. Seit Kiara wusste warum und von wem sie umgebracht...