34. Kapitel

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34. Kapitel

Langsam wurde die Tür geöffnet und sie schaute durch einen kleinen Spalt. Als sie mich erkannte, erstarrte sie. Ich erkannte an ihren Augen, dass sie geweint hatte. Sie tat mir so leid, das ist alles meine Schuld.

„Maggy ich… k...ann ich reinkommen?“, fragte ich nach einer Weile, da sie mich immer noch nur angestarrt hatte. Sie öffnete die Tür, blieb aber in der Mitte stehen und versperrte mir den Weg.

„Es… es… tut mir so leid. Maggy ich weiß…“, sie unterbrach mich und Wut glühte in ihren Augen. So hatte ich sie noch nie gesehen.

„Du weißt gar nichts!“, Tränen liefen ihr die Wange hinunter. „Geh! Verschwinde! Ich… Ich kann dich nicht mehr sehen. Das ist alles deine Schuld.“, sie sagte es mit so viel stärke und Traurigkeit, dass es mich unglaublich verletzte und ich schluckte. Die wenigen Tränen die nun auch in mir aufstiegen konnte ich einfach nicht unterdrücken.

„Maggy. Ich weiß und ich wünschte es wäre anders. Ich… Ich kann das nicht entschuldigen, aber bitte lass mich rein. Du brauchst jemanden, ich bin für dich da.“, ich versuchte sie zu überreden, es ein zu sehen, doch das alles war schwerer als ich gedacht hatte.

„Ich habe deinem Vater versprochen auf dich auf zu passen, aber was zu viel ist, ist zu viel. Du hast meine Familie zerstört. Du hast mir alles genommen was ich hatte. Du wärst der letzte von dem ich mich trösten lassen würde. Ich will dich nicht mehr sehen!“, damit knallte sie die Tür vor meiner Nase zu und ich musste schlucken. Das tat weh. Mehr als nur weh, es verkrampfte sich alles in mir und ich stand da, schaute auf die geschlossene Tür und weinte. Jetzt hatte ich wirklich niemanden mehr, und ich hätte sonst eigentlich auch wirklich niemanden gebraucht, doch die Lou Summers in mir schon. Und ich begann so zu werden. Ich begann zu lieben und Schmerz zu spüren. Mir wurde unheimlich schlecht, da mich das Gefühl alleine zu sein unterdrückte. Ich hörte ein klirren aus dem Haus und erschrak, doch womöglich hatte Maggy nur ein paar Teller zertrümmert. Ich machte mir solche Sorgen um sie und wollte für sie da sein, ihr zur Seite stehen, doch sie hatte Recht. Dass Jim tot war, war allein meine Schuld. Ich konnte damit nicht leben. Ich langte mir an den Kopf und setzte mich hin. So saß ich eine Weile da und starrte zu Dereks Haus. Wie gern ich jetzt in seinem Arm liegen würde. Wie gern ich von ihm hören würde, dass alles gut werde. Ich holte tief Luft und stand auf. Ich musste hier weg. Diese Umgebung machte mich kaputt. Wieso war ich in diesem Leben gefangen? Ich lief vor an die Straße und machte mich auf den Weg irgendwo hin, als plötzlich Jeremys Wagen neben mir auftauchte. Er machte die Tür von innen auf und ich stieg schweigend ein. Ja, vielleicht würde ich für eine Weile bei ihm wohnen. Sein Dad hat es mir ja selber angeboten. Er fragte nicht wie es gelaufen ist, oder was passiert war. Er schwieg einfach nur und ließ mich mit meinen Gedanken alleine. Das war eins der vielen Dinge die ich so an ihm mochte. Er wusste genau wann er was sagen musste und wann er seinen Mund halten sollte. Nicht viele Jungs hatten diese Gabe. Ich sah ihn mir von der Seite an. Er war wirklich muskulös und gut gekleidet. Seine Gesichtsform gefiel mir ziemlich gut, er wirkte durch die markanten Züge sehr männlich. Genau wie Derek. Derek… Ich kannte ihn doch gar nicht so gut, und fühlte mir trotzdem zu ihm hingezogen. Würde ich ihn je wieder sehen?

Wir waren vor Jeremys Haus angekommen und ich stieg aus. Als wir durch die Haustür liefen kam John uns gerade mit dem Telefon entgegen.

„Sie sind gerade heim gekommen, ich gebe sie dir.“, sagte er in den Hörer und ich nahm ihn verwirrt an mich.

„Ja?“, fragte ich und wartete auf eine Antwort.

„Hey Lou, ich habe das mit Jim gehört. Es tut mir so leid… Ich hatte so eine Idee, wie wäre es, wenn…“, weiter kam sie nicht, da ich sie unterbrach.

„April?“, woher hatte sie diese Nummer.

„Woher weißt du dass ich bei Jeremy bin?“, ich war wirklich verwundert. Ich war mir sicher, dass ich es zu niemandem erwähnt hatte. Außerdem war ich doch noch gar nicht so lange hier.

„Von Nick, jedenfalls…“, ich unterbrach sie ein weiteres Mal.

„Und woher weiß das Nick?“, meine Welt drehte sich auf den Kopf.

„Was weiß denn ich, kannst du mich bitte ausreden lassen?“, ich seufzte. Das war seltsam. Woher wusste Nick, der doch im Krankenhaus war, dass ich bei Jeremy war?

„Also. Ich habe mir gedacht, dass wir einen Mädelsabend machen. Du musst dich ablenken von dem was geschehen ist und das geht doch am besten mit deinen Freundinnen. Daniella und Lexie haben auch schon zugesagt. Ich sehe dich dann heut Abend um acht bei mir.“, sie legte auf bevor ich überhaupt etwas einwenden konnte. Mädelsabend? Bitte nicht. Ich saß auf dem Sofa und starrte auf das Telefon. Ich wollte kein Mädelsabend, vor allem nicht im Moment. Das würde mich nicht auf andere Gedanken bringen, sondern wohl eher meine Laune verschlechtern. Na toll.

Plötzlich klingelte es an der Tür und Jeremy öffnete sie.

„Hallo. Ist Lou hier?“, meine Augen weiteten sich mit einem Schlag und mein Herz machte einen Sprung, allerdings war ich mir nicht sicher ob vor Freude oder Verzweiflung. War das wirklich Derek, der hier nach mir fragte?

Eden BraceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt