3_Loki

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Sie konnte ihren Schwur so halb Folge leisten. Es war zwar schon spät, aber Harley ging ohne Umwege in das Bett und informierte noch ihren Chef, dass sie morgen erst später zur Arbeit kam. Chris hatte heute Nacht Dienst im örtlichen Krankenhaus, der Ort, an den sie sich vor ein paar Jahren kennengelernt haben, als sie einen Patienten von ihm befragen musste. Ihre Jobs waren der Grund, warum sie nicht sehr viel Zeit miteinander hatten und Harley verschlimmerte die Situation mit ihrem Home-Office. Sie hatte sich zu einem Workaholic entwickelt, ohne es zu merken. Ihre Erziehung war allerdings ganz anders verlaufen. Ihre Mutter war immer da, sie hatte jeden Tag warmes Essen auf dem Tisch und ihr Vater war ein hochangesehener Vorstandsvorsitzender, der seine Sekretärin gelegentlich vögelte. Das wusste ihre Mutter schon lange, akzeptierte es aber und hielt den Schmerz aus um für sie da zu sein. Ihre Mutter hatte alles für sie geopfert und spielte die perfekte Hausfrau. Das Spiel ging so weiter, bis Harley ausgezogen war. Danach verließ ihre Mutter ihren Vater, bekam die hälfte seiner Sachen und das Haus und hatte sich neu verliebt. Ihr Vater, mit dem sie keinen Kontakt mehr pflegte, nahm reiss aus mit der Sekretärin und verbrachte viel Zeit auf tropischen Inseln. Im großen und ganzen also eine völlig normale Familiengeschichte, ohne großen, aufrichtigen Werdegang, oder gar Ehrgeiz. Das einzige Familienmitglied war wohl ihr Großvater, der sein Leben dem Militär verschrieben hatte. Womöglich hatte sie diese Ansätze von ihm geerbt. Aber es war vollkommen egal. Die Vergangenheit brachte sie nicht weiter und Ausreden darin zu suchen erst recht nicht. Harley war für sich selbst verantwortlich, niemand anderer sonst. Wenn sie so weiter machen würde, würde sie das in den Ruin treiben und das wollte sie nicht. Der Anblick des Kindes lockte den Gedanken hervor, alles hin zu schmeißen. Vielleicht sollte sie es doch noch einmal mit Biologie oder Musik versuchen?

Dieser Gedanke war so lächerlich, dass sie in das Kissen grinsen musste. Das würde mit Sicherheit nicht passieren. Ehe Harley es wirklich mitbekam, dämmerte sie langsam weg und wurde von den Erinnerungen, an blaugrüne Augen begleitet.

Genau diese, konnte sie auch in ihren Träumen wiederfinden und auch als sie wieder in das Reich der Lebenden glitt, konnte sie diese klar und deutlich vor sich sehen. Das war der Moment, wo ihr bewusst wurde, dass sie einen Fehler begangen hatte. Kerzengerade saß sie im Bett als die Erkenntnis sie traf: Der Mann wirkte so deplatziert, weil vielleicht genau jener, etwas wusste! Nicht umsonst weckte ein Unbekannter so dermaßen ihre Aufmerksamkeit! Sie musste herausfinden, wer dieser Mann war und was er wusste und am besten sofort!

Hastig sprang sie aus dem Bett und zog sich in Rekordzeit um. Erneut hatte se der Tatendrang gepackt und die Hoffnung, ein fehlendes Puzzleteil zu finden, war so belebend, dass sie sogar vergaß, sich einen Kaffee mit zu nehmen. Innerhalb von einer Dreiviertelstunde, war sie in ihrem Büro und bereit, einer neuen Spur zu folgen.

„Morgen" begrüßte sie ihren Partner knapp als sie an ihm vorbei rauschte und sich an ihren Laptop setzte.

„Die Bilder von gestern Abend, haben wir die schon?" wollte sie wissen und verband sich mit den Servern. In Lichtgeschwindigkeit flogen ihre Finger über die Tastatur, während sie auf eine Antwort wartete. Die nicht kam.

„Phips?" hakte sie nach und drehte sich zu ihm um. Sein Schreibtisch war genau hinter ihr also hätte er sie eigentlich hören müssen. Das hatte er auch. Verdutzt blickte er hinter dem Monitor hervor und zog seine Stirn kraus.

„Was ist?" probehalber wischte sie sich über das Gesicht. Hatte sie Zahnpaste am Mundwinkel? „Hab ich etwas im Gesicht?" hakte sie unsicher nach.

„Jemand war heute in der Früh da und wollte mit dir sprechen. Ich habe ihn gesagt, er soll später wieder kommen." er rollte etwas zurück. „Harley! Du wolltest heute etwas länger schlafen!" schimpfte laut. Erst jetzt sah sie zur Uhr und konnte es nicht glauben, dass sie das nicht schon längst getan hatte. Es war sieben Uhr in der Früh! Was zum Teufel, stimmte nicht mit ihr! Wie perplex sie war, verbarg sie, sie lenkte das Gespräch gekonnt um.

Feuerteufel (Loki FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt