47_das verlassene Herz

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Sie war eingeschlafen. Die Schwäche hatte sie dazu gezwungen, kaum als der Schmerz erträglich wurde. Noch immer war sie in der Krankenstation gebettet und lag auf der Seelenschmiede. Diese behandelte durchgehend ihre Wunden und erinnerte sie etwas an ein MRT auf der Erde. Statt einer massiven Röhre umgab sie Licht, welches langsam ihren Körper heilte. Wie das funktionierte hatte sie bislang nie hinterfragt, vermutlich würde sie es so oder so nicht verstehen. Harley lag auf dem Bauch als sie erwachte, ihr Oberkörper war unbekleidet und nur eine dünne Hose verhüllte ihre untere Körperhälfte. Deswegen richtete sie nur den Kopf auf als man die Heilkammer betrat.
„Na? Wie geht es dir Kleines?" Fragte Poseidon und zog die Tür hinter sich zu.
„Müde, aber besser" antwortete sie ehrlich. Prüfend ließ der Gott seinen Blick über ihren Rücken gleiten und nickte zufrieden.
„Sieht schon sehr gut aus" verriet er ihr. Danach ging er in die Hocke um mit ihr auf Augenhöhe zu kommen und lächelte sie aufmunternd an.
„Bevor der Trubel beginnt, werden wir abreisen. Frigga und Odin sin heim gekehrt, es wird Zeit zurück zu kehren."
„Sehen wir uns wieder?" Fragte sie. Poseidon lächelte, schüttelte aber den Kopf.
„Ich denke nicht Mädchen. Sieh es als einmaliges Erlebnis. Das hoffen wir zumindest alle." Er lachte warm auf.
„Pass auf dich auf, versprich mir das, ja?"
„Du auf dich auch" erwiderte sie. Poseidon richtete sich auf und nickte ihr leicht zu. Dabei tippte er mit seinem Zeigefinger gegen den Rand seines Hutes.
„Sollte dennoch wieder einmal die Welt kurz vor dem Untergang stehen, weisst du ja wie du mich findest" sagte er lachend und drehte sich herum.
„Poseidon!" Er hielt inne und sah über die Schulter zurück zu ihr. „Danke."
Noch immer lächelnd verließ er die Heilkammer und machte Platz für den nächsten Besuch. Frigga war kurz erstarrt als sie Poseidon sah. Doch dieser verbeugte sich charmant vor ihr und räumte den Platz nun endgültig. Die Königin sah in noch zwei Sekunden nach, ehe sie sich rasch herum drehte und auf sie zugelaufen kam. Harelys Herz begann zu flattern. Es ging ihr gut, sie war am leben!
„Mein Liebes..." sagte sie und ließ sich wie Poseidon vorhin neben ihr nieder.
„Wie geht es dir?" Fragte sie voller Sorge in der Stimme. Bevor sie aber antworten konnte, sprach die Königin weiter;
„Thor hat mir erzählt was passiert ist."
„Es ist vorbei" sprach Harley heiser. Was sie mit diesem Satz meinte, war ihr in diesem Moment selbst nicht bewusst. Waren es nun die Nilgram die sie damit meinte, oder doch etwas ganz anderes?
„Ich weiß" sagte Frigga und ergriff ihre Hand. „Ab jetzt wird alles gut, das verspreche ich dir."

Am gleichen Tag konnte Harley die Heilkammer verlassen. Ihr nächster Weg war zu Helena zu gehen. Die alte Köchin war froh sie zu sehen, schloss sie aber nur kurz in die Arme. Sie hatte alle Hände voll damit zu tun für heute Abend ein Festessen vor zu bereiten. Thor ließ zu Ehren ihres Sieges ein Fest Versanstalten, auf welchen sie nicht auftauchen würde. Sie hatte genug von Festen, zumindest vorerst. Also ließ sie Helena in ruhe und lief zu ihrem Gemach. Als sie dieses betrat, fühlte es sich an, als wäre sie ewig nicht mehr hier gewesen. Es wirkte befremdlich und kühl, auch wenn es angenehm warm war. Doch dieses Mal ignorierte sie dieses Gefühl und verließ es nicht sofort wieder. Denn es gab dieses Mal wirklich niemanden, zu den sie hätte gehen können. Harley hatte eine Entscheidung getroffen. Nicht noch einmal wollte sie die Kontrolle verlieren und das würde sie auch nicht mehr. Mit fahlen Bewegungen durchstöberte sie das Gewand nach etwas Bequemen und fand zwischen den Kleidern der Asen tatsächlich eine Jogginghose in welche sie sofort reinschlüpfte. Sie musste sie irgendwann einmal mitgenommen haben und darüber war sie gerade heil froh. In Irdischen Kleidern eingehüllt ging sie auf den Balkon und spähte in die Nacht hinaus. Unter ihr versammelten sich die Menschen und stürmten den Palast. Die Frauen trugen atemberaubende Kleider und die Männer hatten ihre besten Rüstungen herausgesucht. Das Lachen drang bis zu ihr rauf, konnte sie aber nicht wirklich anstecken. Eigentlich zog sie die gute Laune unter ihr nur noch weiter runter. Vielleicht hatten sie den Kampf gewonnen, aber dieser hatte ihre Spuren hinterlassen. Sie konnte es nicht verstehen wie ihre Mitstreiter so einfach feiern konnten, wenn sie könnte, würde sie sich einfach hinlegen und drei Monde durchschlafen. Eigentlich keine schlechte Idee. Nun hatte sie ja nichts mehr zu tun. Harley war frei, der Feind war besagt und sie...frei war sie nicht. Überhaupt nicht. Noch immer war sie an Loki gebunden und nur der Tod würde das ändern können. Für einen Moment zog sie diese Möglichkeit in Erwägung. Sie wäre losgelöst, frei von dem Schmerz tief in ihrer Brust und Loki würde das bekommen was er immer haben wollte. Macht. Theoretisch war es ganz einfach, eigentlich brauchte sie nur über das Gelände steigen. Die Party wäre vielleicht dann verhauen, aber das könnte ihr egal sein. Oder um weniger Aufsehen zu erregen könnte sie sich auch einfach in die Badewanne legen und eine Scherbe benutzen. Damit könnten Thor und seine Freunde, ja auch Loki diesen Abend genießen. Frigga hätte ihre beiden Söhne, Thor seine Freunde, Loki seinen Unfug und Odin sein Volk. Nur Harley war alleine. Man hatte ihren Vater im Garten gefunden und ihn über den Rand der Welt geschmissen. Es war ihr nur recht um ihn trauerte sie nicht einen Moment. Also war sie nun eine Halbwaise und fühlte sich so schrecklich alleine wie schon lange nicht mehr. Aber um es nüchtern zu betrachten, sie könnte sich nie selbst etwas antun. Dazu war ihr Überlebensdrang einfach zu ausgereift. Lieber wählte sie den Weg, der lange und qualvoll war. Jedoch warum dachte sie so? War es wirklich nur wegen Loki? Konnte sie noch immer nicht loslassen? Die Erleichterung über seinen Trick war überwältigend. Für diesen Moment hatte sie alles vergessen, aber zurück am Boden der Tatsache, hatte es diesen Kuss wirklich gegeben und es hatte ihr das Herz herausgerissen. Wie also, sollte sie sich nun verhalten?
Es klopfte an der Tür, aber sie antwortete nicht. Wenn sie Glück hatte, würde der Besucher einfach wieder gehen. Harley wollte diese Zeit für sich alleine haben und mit niemanden teilen. Auch nicht mit Loki, der ohne Einlass in ihr Gemach trat. Sie hatte nur kurz zurück gesehen um das zu erkennen, danach sah sie wieder nach draußen und zu den Asen unter ihr.
„Da bist du ja" sagte er und schritt auf sie zu. Sie schwieg.
„Wir warten auf dich" redete er weiter und stellte sich neben sie. Anstatt nach unten zu blicken, so wie sie, sah er Harley an und wartete auf eine Reaktion.
„Ich bleibe hier und ruhe mich aus." Erklärte sie leise. Es war schwierig in seiner Nähe zu sein. Ob es nun die Liebe oder der Schmerz war was ihr Herz so zum rasen brachte wusste sie nicht, aber es war erschreckend wie ähnlich es sich anfühlte in diesem Moment.
„Ich verstehe" sagte er und anscheinend tat er das tatsächlich. Auch das, was sie nicht ausgesprochen hatte. Er senkte den Kopf.
„Es endet hier" flüsterte er und es klang mehr nach einer Frage als nach einer Feststellung. Bewusst zwang sie sich nun ihn an zu sehen und seine Mimik spiegelte den Pein wieder, den sie in sich selbst finden konnte.
„Ja, es endet hier." Gab sie ihm recht. Loki presste die Lippen zusammen und drehte den Kopf zu ihr. Seine Augen wurden glasig und leer. Er sah sie einfach nur an und auch wenn sie wusste, dass er etwas sagen wollte, tat er es nicht und sie würde ihn auch nicht dazu drängen. Stattdessen legte er seine Hand über seine Lippen um die Worte endgültig zu versiegeln. Harley musste schwer schlucken und sie merkte wie ihr die Tränen kamen.
„Ich gehe besser" sagte er ruhig, richtete sich auf und ging an ihr vorbei. Mittlerweile floss die erste Träne über ihre Wange und tropfte auf den warmen Stein des Gelände. Mit einem leisen Seufzen drehte sie sich herum und sah ihm nach. Aber Loki war stehen geblieben. Er stand mit dem Rücken zu ihr gedreht, den Kopf gesenkt und seine Hände zu Fäusten geballt. Dann drehte er sich herum und lief noch einmal auf sie zu. Bevor sie etwas dagegen unternehmen konnte, zog er sie in seine Arme. Anfangs war sie komplett versteift, doch dann gönnte sie sich diesen Abschied und legte auch ihre Arme um ihn. Einige Momente standen sie so da, ehe er sie vorsichtig von sich drückte und ihr Gesicht in beide Hände nahm. Mit Verzweiflung im Blick sah er sie an und beugte sich dann zu ihr. Zärtlich legte er seine Lippen auf ihre Stirn. Harley weinte weiter und konnte sie auch nicht zurück halten. Dann verließ er sie.

Feuerteufel (Loki FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt