Ich legte meine Hand auf Rios Wange, streichelte sanft mit dem Daumen darüber. Er beugte sich ein wenig zu mir herunter. Wir sahen uns dabei durchgehend tief in die Augen. Ich konnte förmlich sehen wie es in seinem Kopf ratterte. „Ist das auch wirklich okay für dich?" flüsterte er leise, während er anfing mir zärtlich durchs Haar zu streichen. Ich nickte leicht und sein Gesicht kam noch näher an meines. Nervös biss er sich auf die Unterlippe und die Zeit begann wieder still zu stehen. Erneut konnte ich seinen warmen Atem auf meiner Haut spüren, genau wie damals, Nachts vorm Fahrstuhl. Nur dieses Mal fühlte es sich wirklich richtig an. Er schob meinen Kopf näher an seinen und ich schloss meine Augen, dann berührten sich unsere Lippen. Seine Arme wanderten zu meiner Hüfte, er zog mich noch näher an seinen Körper und ich schlang automatisch meine Beine um seine Mitte. Unser Kuss wurde langsam leidenschaftlicher. Meine Hand wanderte zu seinem Hinterkopf und ich vergrub wie elektrisiert meine Finger in seinem weichen Haar, wobei Rio unter meinen Lippen zu lächeln begann. Während unsere Münder miteinander verschmolzen griff Rio vorsichtig zum Reißverschluss meines Overalls und zog ihn langsam ein wenig nach unten. Noch bevor ich mir Gedanken darüber machen konnte ob ich auch schon wirklich bereit dazu war und welche Folgen das alles haben könnte riss jemand die Tür auf. Nicht schon wieder. Auch das war wohl so ein Ding zwischen Rio und mir. Wie versteinert blickten wir Beide zur Seite.
Es war Tokio.
„Ich glaubs nicht" zischte sie wütend und knallte die Tür hinter sich zu. Dann ging sie in schnellem Schritt, wie wild geworden, auf uns zu. Ihren Blick hatte sie dabei allerding allein auf mich fixiert. Wie eine Raubkatze die dabei war sich ihre Beute zu schnappen. Rio und ich sahen uns erschrocken an. Ich zog die Hand aus seinem Haar und nahm so schnell ich konnte meine Beine von ihm.
Er stellte sich schützend vor mich, wollte verhindern dass Tokio auf mich los geht. Doch sie stieß ihn ohne zu zögern zur Seite. Dann griff sie blitzschnell nach ihrer Waffe und hielt sie mir unters Kinn. „Du Schlampe denkst wohl du kommst hier her, tust so als wärst du schon immer dabei gewesen und dann machst du dich auch noch an meinen Typen ran?" fauchte sie mir mit blitzenden Augen entgegen. Rio versuchte vorsichtig eine Hand auf Tokios Schulter zu legen welche sie sofort noch in der Luft stoppte und sein Handgelenk umgriff.
„Fass mich nicht an!" warnte sie ihn mit noch wütenderer Stimme.
„Tokio wir sind nicht mehr zusammen. Hast du das nicht verstanden ?" fragte Rio sie entsetzt, versuchte dabei aber ruhig zu bleiben. Er wusste wie sie ticken konnte. Jeder wusste das. Und mit der Waffe unterm Kinn wünschte ich mir doch einen anderen Endgegner herbei als die tickende Zeitbombe Tokio.
Ich schluckte schwer. Noch immer den Schmerz meines letzten Nahtoderlebnisses in den Knochen, blickte ich nun in die zornerfüllten Augen meines Nächsten. Mein Blick wechselte zwischen Tokio und Rio hin und her. Warum mussten sie mich dafür nutzen um ihre Probleme zu klären? Hätten sie das nicht vorher machen können? Ich begann ein wenig sauer zu werden.
„Du sagtest du kannst das nicht mehr" fuhr Tokio dann fort. „Ich dachte du bräuchtest nur etwas mehr Zeit um wieder klar zu kommen, dann würde alles wieder werden wie vorher. Stattdessen lässt du dich von der kleinen Tussi hier um den Finger wickeln" fügte sie dann noch hinzu und drückte mir dabei den Schaft ihrer Waffe noch tiefer in meine Haut. Rio sah bemitleidend zu mir rüber.
„Du hast das nicht ganz verstanden Tokio... wir beide passen einfach nicht zueinander. Ich bin Frieden und du bist der Krieg. Ich stand immer in deinem Schatten und habe nur das gemacht was du mir gesagt hast. Du willst Party und ich meine Ruhe auf einer einsamen Insel. Wir leben in zwei Welten und wie ich dir schon nach meiner Ankunft hier gesagt habe wirst du bald jemanden finden der viel besser zu dir passt als mich." Rio sah ihr in die Augen und nickte ihr zu. Dann riss im selben Moment Denver die Tür auf. Er zog ebenfalls seine Waffe und richtete sie auf Tokios Hinterkopf. „Was passiert hier gerade?" fragte er misstrauisch und sah mich an. Tokio nahm die Waffe runter, sah zu mir und dann zu Rio. „Garnichts passiert hier." Dann ging sie einfach davon.
Rio ließ sich erleichtert mit dem Rücken gegen das Bücherregal fallen und atmete tief durch. „Ich dachte ich seh mal lieber nach dir, da du meinen Notknopf benutzt hast..." sagte Denver verwirrt und ging einige Schritte auf mich zu, den Blick hatte er aber auf Rio gerichtete und langsam begann es mir zu dämmern. Die Fernbedienung. Ich hatte sie vorhin auf den Tisch gelegt, auf den Rio mich später dann setzte. Ich muss drauf gesessen sein.
„Ja also...ich weiß auch nicht was in Tokio gefahren ist" log ich und sah hilflos rüber zu Rio. Denver sah uns beide an. „Sie ist wohl eifersüchtig weil sie jetzt nicht mehr die größte Aufmerksamkeit hier drinnen bekommt." Er schüttelte den Kopf und steckte sich seine Waffe zurück an den Waffengurt.
„Ich werd mit ihr reden" sagte er dann knapp und begann in Richtung Tür zu gehen. „Nein! Das werde ich übernehmen!" rief Rio ihm hinterher und ging ihm schnell nach, ehe er mir nochmals einen wehmütigen Blick zuwarf und verschwand. Denver drehte wieder um und ließ sich auf dem Stuhl neben mir nieder. „Dich kann man echt nicht alleine lassen Kleine" meinte er lachend und zündete sich seelenruhig eine Zigarette an. Ich beobachtete ihn dabei wie er immer wieder einen Zug nahm und mir zwischendurch ein breites grinsen zuwarf. Er war so anders als Rio, sie waren zwei komplett verschiedene Typen von Männern. Rio der gutmütige und immer lächelnde Schönling, dem man einfach nie böse sein konnte und in dessen tiefbraunen, ehrlichen Augen man sich so schnell verlieren konnte. Ein Mann für die Zukunft, wie es Nairobi mir jetzt wohl zusichern würde. Und dann Denver der coole Badboy, welcher mich mit seiner schonungslosen Art schon von Anfang an anzog. Trotz seiner harten Schale hatte er wirklich einen sehr weichen Kern mit einem großen Herzen. Denver strich mir liebevoll mit einer Hand über den Schenkel, mit der anderen nahm er erneut einen Zug seiner Zigarette und pustete mir den Rauch genüsslich in ringförmiger Silhouette entgegen. Dabei huschte erneut dieses verschmitzte Grinsen über sein Gesicht. Jetzt war ich langsam wirklich verwirrt. Konnte ich mich tatsächlich nicht entscheiden oder waren es nur die Medikamente die mir langsam aber sicher die Sinne vernebelten ?
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La Casa de Papel IV
FanficLuana Sofia Jiménez ist die kleine Schwester von Ágata Jiménez, besser bekannt als „Nairobi", welche Teil des Überfalles auf die Spanische Staatsbank in Madrid ist. Als Luana von Polizisten als Köder angeheuert wird um ihre Schwester, unter vorbeh...
