„Scheiße, wegen dir werden sie ihr das selbe antun wie mir!" schrie Rio Tokio mit zornerfülltem Gesichtsausdruck entgegen. „Na und? Vielleicht hat sies ja verdient? Wahrscheinlich ist sie garnicht das liebe Mädchen für das ihr sie alle haltet." Nairobi und die Anderen hatten sich total fertig auf den Boden gesetzt und versuchten ihre Gedanken zu sammeln. „Reißt euch gefälligst zusammen!" raunte Palermo angenervt vom Verhalten der Anderen und feuerte einen Schuss in die Decke. Alle sahen angewidert zu ihm rüber. „Genau das wollte Sierra damit bezwecken. Und ihr Trottel fallt natürlich darauf rein. Kann man mich nicht ein mal mit Profis arbeiten lassen?" säuselte er wehleidig vor sich hin und stemmte theatralisch eine Hand in seine Hüfte. „Ihr glaubt doch nicht wirklich dass Sierra die Kleine umgelegt hat oder? Wacht doch mal auf.
49 Geiseln sind es jetzt nur noch verdammt. Noch ein paar mehr von diesen Aktionen und die Alte hat den Sieg in der Tasche, mehr will sie doch garnicht" fuhr er dann mit vorwurfsvollem Unterton fort. „Scheiße Palermo, siehst du nicht dass uns die Inspektora gerade relativ wenig juckt?" fuhr Denver ihn von der Seite an und zeigte auf Nairobi, welche gerade von Helsinki getröstet wurde. „Die haben schon wieder einen von uns geschnappt und ehe wir uns versehen sitzt Kairo in einer Maschine nach Anatolien und muss sich ihr Grab direkt neben dem von Rio schaufeln, wenn die sie nicht schon längst Foltern!"
Beim Gedanken daran kniff Rio die Augen zu und versuchte nicht länger daran zu denken. „Verdammt. Ich will sie wieder hier her holen bevor es zu spät ist. Ich kann hier nicht einfach so rumsitzen und darauf warten, dass der Professor die Sache regelt. Es geht um meine kleine Schwester!" keifte Nairobi verzweifelt in Richtung Palermo. „Ich spiel hier ungern den Spielverderber Leute aber wir müssen einfach abwarten, sonst zerstören wir den gesamten Plan des Professors. Wenn die Inspektora sie foltern will, dann tut sie das. Und wenn sie Kairo umbringen lassen will dann tut sie das ebenso. Die fackelt nicht lange.
Zapp Zarapp, Licht aus" antwortete dieser zynisch und lief davon.
Zur selben Zeit lieferte man mich im Polizeizelt der Inspektora aus. Sie zwangen mich ins Verhör. Während ich wartend im hinteren Abteil des Zeltes saß, sah ich im anderen Teil des Zeltes Lissabon sitzen. Genau wie vor ein paar Tagen, als der ganze Spuk hier einen Anfang genommen hatte. Sie lächelte mir ermutigend zu.
Mit einer hastigen Bewegung und dem klirren der Ösen des Zeltes betrat Alicia Sierra den Zeltabteil. „Na sieh mal einer an. Princesa Jiménez die Erste" sagte sie lachend und zog sich den Chupa Chup aus dem Mund.
„Haben sie dich tatsächlich wieder aus dem Verließ der verlorenen Seelen gelassen? Unglaublich" fuhr sie gewohnt sarkastisch fort.
Ich starrte sie mit hasserfülltem Blick an. Sie war noch dicker geworden als sie es vor einigen Tagen war. „Was wollen sie von mir?" fragte ich genervt.
„Na was wohl. Informationen meine Süße. Gib mir alles was ich brauche" bettelte sie mich fast schon an. Doch ich sah ihr ins Gesicht und schüttelte nur verneinend mit meinem Kopf. Du musst dich jetzt anstrengen Kairo. Lüg einfach. „Ich weiß nicht wovon sie sprechen." Oh bitte. Lüg besser.
„Also willst du mir erzählen, dass deine Schwester dich einfach auch als Geisel gehalten hat? Hat sie nichtmal mit dir gesprochen?" fragte Sierra skeptisch.
„Nein... Sie hat mich ignoriert. Wir konnten uns noch nie sonderlich gut leiden."
Die Inspektora hob eine Braue und schob sich ihren Lutscher zurück in den Mund. Dann lehnte sie sich mir entgegen. „Komischer Weise, liebe Luana.. habe ich da ein bisschen nachgeforscht, nur so aus Interesse. Und irgendwie bin ich auf mehrere eingegangene Anrufe von unbekannten Nummern auf deinem Handy gestoßen, allesamt mühselig verschlüsselt und in regelmäßigen Abständen. Alle paar Monate einer. Mein Team machte sich natürlich sogleich daran zu schaffen und Tada! Sie fanden heraus, dass die Anrufe alle aus Telefonzellen irgendwelcher Dörfer kamen, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann. Wie soll ich mir das bitte erklären Princesa?"
Ich zuckte fragend mit den Schultern. „Ich habe eben viele Freunde die ständig verreisen.. Die Telefonrechnungen steigen in die Höhe wenn man internationale Anrufe tätigt, vom miserablen Empfang ganz zu schweigen." Bleib cool Kairo. Alles wird gut, die können dir nichts. Lass einfach die wichtigsten Infos weg.
Mein Kopf dröhnte. Ich war noch nie vorher in solch einer Situation. Sierra biss vor Zorn fest auf den Stiel ihres Lutschers, wollte sich gerade eine neue Strategie aus dem Hinterkämmerchen abrufen, als Coronel Prieto den Zeltabteil betrat.
„Alicia, lass das arme Mädchen in Ruhe. Unsere Untersuchungen sind abgeschlossen. Señorita Jiménez ist ein unbeschriebenes Blatt. Wir dürfen sie nicht länger hier festhalten." Er nickte mir zu und verließ den Raum.
Die Inspektora kratzte wuterfüllt mit den Fingernägeln über den Tisch und blickte mich an. „Wie denn auch sei" meinte sie dann nur gehässig und warf Antoñanzas einen erwartenden Blick zu. Antoñanzas nahm mir daraufhin umgehend die Handschellen ab und steckte sie sich in die Hosentasche.
Mein Blick dagegen schwiff fragend von einem Gesicht zum Anderen. Die Inspektora begann ein Telefonat zu führen und wandte sich mir dann wieder zu. „Du darfst nach Hause gehen kleine Princesa. Draußen wartet ein Fahrer auf dich, er wird dich heim bringen. Wir sehen uns sicher nomal... ádios."
Dann verließ sie den Zeltabteil und ich war alleine. Was? Nach Hause?
Wenige Sekunden später trat Àngel Rubio auf mich zu. „Señorita Jiménez" sagte er freundlich und hielt mir auffordernd seine Hand entgegen. Ich nahm sie und er half mir auf. Er war einer der Guten, das sah man ihm sofort an. Dann lief ich ihm hinterher nach Draußen, wo bereits ein großer schwarzer Geländewagen mit getönten Scheiben auf mich wartete. Rubio bat mich einzusteigen und ich hörte. Auf dem Fahrersitz saß ein großer, in schwarz gekleideter und ziemlich stummer Mann mit Sonnenbrille. „Passen sie auf sich auf Señorita" meinte Rubio mit angenehmer Stimme und nickte mir zu als wollte er mir damit noch irgend etwas anderes sagen. Dann schloss er die Fondtür des Wagens und wir fuhren los.
Nur wenige Minuten später hielten wir vor meinem Wohnkomplex und der Fahrer drehte sich zu mir um. „Wir sind da. Steigen sie aus." Wow, doch so freundlich. „Danke...denke ich mal..." meinte ich nur skeptisch und stieg aus. Der Wagen fuhr umgehend davon. Dann ging ich ganz normal nach oben in meine Wohnung, als wäre nie etwas geschehen. Nur der rote Overall, den ich noch trug erinnerte mich daran was die letzten Tage passiert war. Alles war wie in einem schlechten Film. Doch wie ging es jetzt weiter?
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La Casa de Papel IV
FanfictionLuana Sofia Jiménez ist die kleine Schwester von Ágata Jiménez, besser bekannt als „Nairobi", welche Teil des Überfalles auf die Spanische Staatsbank in Madrid ist. Als Luana von Polizisten als Köder angeheuert wird um ihre Schwester, unter vorbeh...
