Almería

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Rio und ich sahen uns an als hätten wir gerade den Jackpot geknackt. Almería musste wohl unser Tor zu einem neuen Leben sein. Überglücklich blickten wir uns noch tiefer in die Augen, während wir Marseille in Richtung der Eingangstüre folgten. Zum ersten Mal seit nun fast zwei Wochen spürte ich, wie mir das Nerven zermürbende Gefühl der Angst aus dem Kopf schwand, als wären wir endlich an unserem Ziel angekommen. Auch wenn nicht alles lief wie geplant, schließlich mussten wir Zentralbank total unvorbereitet und ohne Beute verlassen. Marseille öffnete die große rustikale Eichentür des Gebäudes. Rio und ich blickten erstaunt in den riesigen Eingangsbereich der Finca. Mein Blick scannte den Raum von oben bis unten ab. Zwei große Treppen führten ins Obergeschoss, zwischen ihnen hing ein beeindruckender Kronleuchter, welcher sich in den Marmorfliesen am Boden spiegelte. „Heilige Maria..wir sind im Himmel" nuschelte ich vor mich hin und Marseille lachte daraufhin nur laut auf während er die Türe hinter sich verschloss. „Sie sind da!" hallte es aus dem Raum nebenan. Nairobi, meine geliebte Schwester, sprang mir überglücklich in die Arme. „Endlich sind wir alle wieder zusammen.." quiekte sie ganz außer Atem. „Alle?" fragte ich vorsichtig um sicher zu stellen dass auch niemand von uns von der Guardia geschnappt wurde. Naja ich musste mir eingestehen, dass ich nur sicher gehen wollte, dass Denver nicht geschnappt wurde.. dass er noch am Leben war.. Die schrecklichen Gedanken, dass Nairobi oder Denver möglicherweise bei iherer Flucht abgeschossen wurden, hatten sich seit meiner Einsamkeit in der Gasse in Madrid immer wieder in meinen Kopf geschlichen.
„Ja alle Kairo. Wir haben niemanden verloren. Es reicht ja schließlich, dass unser ganzes Gold in der verdammten Bank bleiben musste" antwortete sie mir und drückte mich noch fester an sich, ehe sie auch Rio eine lange liebevolle Umarmung schenkte. „Ich hab nen Bärenhunger" gab Marseille zu verstehen. Er war schließlich die ganze Nacht durchgefahren. Nairobi nickte lachend legte scherzhaft ihren Arm um seine Hüfte um ihn ins Nebenzimmer zu führen. „Na kommt, wir haben natürlich auch etwas zu essen für die zu spät Kommer übrig gelassen" meinte sie kichernd und wir folgten ihr in den ebenfalls sehr oppulenten Speisesaal des Hauses, in welchem eine große gedeckte Tafel mit circa 20 Stühlen rund herum für uns bereit stand. Ich sah mich um, doch keine Spur von Denver oder den Anderen. „Wo sind denn alle?" fragte ich während ich mir leicht verunsichert eine Traube vom Tisch nahm und sie mir in den Mund steckte. „Sie laden ihre Akkus wieder auf" raunte eine tiefe Stimme aus einem dunklen Raum nebenan. Ich legte den Kopf zur Seite und starrte in die Finsternis, ehe der Professor einen Schritt hervor trat um sich aus der Dunkelheit zu erkennen zu geben. Ein breites Grinsen zog sich ohne zu zögern über meine Lippen während er auf Rio, Marseille und und mich zukam. „Schön dass ihr es auch zu uns geschafft habt" sagte der Professor mit ruhiger Stimme und stupste sich hastig die Brille nach oben. Marseille klopfte ihm daraufhin dankend auf die Schulter und auch Rio legte ihm breit grinsend seinen Arm über. „Was sie für uns tun ist unglaublich" meinte er fröhlich. Dann ging er zum Tisch und nahm Platz an einem der Gedecke. Nairobi zog einen der Stühle vom Tisch und nickte mir zu, damit ich mich ebenfalls setze. Marseille und Rio stürzten sich wie ausgehungerte Barbaren auf die Tapas und auch ich begann etwas zögerlicher als die Beiden zu essen. Der Professor verabschiedete sich von uns um sich wieder hinzulegen, nachdem wir eine ganze Weile über unsere Flucht und die Geschehnisse der letzten 24 Stunden gesprochen hatten. Nairobi schenkte uns noch etwas Wein aus. „Ich hab kein Auge zu bekommen so lange ihr nicht hier wart.. ich hatte solche Angst, dass ihr auf den letzten Kilometern der Fahrt noch erwischt werden könntet.." sagte sie und hob mir ihr Weinglas entgegen um mir mir anzustoßen. „Ich hab euch verdammt gern Leute" fügte sie dann noch hinzu und unsere Gläser klirrten aneinader.

Fast eine Stunde saßen wir noch gemeinsam am Tisch, ehe uns die Müdigkeit überrannte. Nairobi bat uns ihr nach oben in unsere Schlafzimmer zu folgen. Sie führte zuerst Rio und Marseille in deren Zimmer und dann mich in unser gemeinsames.
Es war ein sehr großzügiges Zimmer mit riesigen Panoramafenstern, einem zwei auf zwei Meter großen Boxspringbett mit Himmel und einem beiliegendem Badezimmer mit freistehender Badewanne. „Das Haus ist wirklich unglaublich!" sagte ich nachdem ich mich im Zimmer umgesehen hatte. „Ja, ein Traum nicht Wahr?" bestätigte mich Nairobi, welche es sich schon im Bett gemütlich gemacht hatte. Ich sah an mir herunter um missmutig festzustellen, dass ich immernoch das Outfit der Kellnerin trug. Nairobi beobachtete die Situation amüsiert. „Ist ja eigentlich so garnicht dein Stil" lachte sie und sprang vom Bett um den großen Einbauschrank des Zimmers zu öffnen.
„Der Professor hat uns jede Menge Kleidung besorgt, damit wir uns wieder wie wir selbst fühlen können." Sie zog ein großes weißes Shirt und schlichte Unterwäsche aus dem Schrank und warf mir alles entgegen. „Das sollte zum Schlafen reichen."
Ich schüttelte ungläubig den Kopf. „Dieser Mann ist wirklich.. unbeschreiblich.." stellte ich ebenfalls lachend fest und betrachtete die Unterwäsche mit dem Gedanken, wie seltsam es doch ist, dass der Professor sie für uns ausgewählt hatte. Und sein Geschmack war garnicht so übel wie vermutet. „Bedien dich morgen, am Kleiderschrank.. aber die Bling Bling Sachen gehören mir, das ist wohl klar" kicherte Nairobi und hüpfte zurück ins Bett. „Verrückt.." sagte ich und schüttelte erneut lachend meinen Kopf, ehe ich ins Bad ging um eine schnelle Dusche zu nehmen und mir die frischen Sachen anzuziehen. Ich fühlte sich an als sei ich wie neu geboren.
Danach machte ich es mir ebenfalls im Bett gemütlich. Dabei wurde mir klar was für ein enormer Luxus ein richtiges Bett im Gegensatz zu einem Schlafsack auf dem Boden sein konnte. Zufrieden starrte ich zur Zimmerdecke. Der Duft der frischen Bettwäsche vermischte sich mit dem meiner frisch gewaschenen Haare und ich atmete tief durch. Seit langem hatte ich mich nicht mehr so wohl gefühlt. Durch das geöffnete Fenster war immernoch das laute Zirpen der Grillen und das rauschen des Meeres zu hören.
„Jetzt wird alles gut werden Schwesterherz" flüsterte Nairobi von der Seite bevor sie sich an mich kuschelte. „Ich weiß zwar nicht wie es jetzt mit uns allen weitergeht, aber ich verspreche dir dass du keine Angst mehr haben musst Kairo.."
Ich lehnte meinen Kopf sanft an ihren und schloss erschöpft die Augen.
„Ich weiß. Solange ich mit euch allen zusammen bin wird immer alles gut werde."

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