Ein erneutes Räuspern ließ uns auseinanderfahren. Dunkle Augen lagen auf uns. Wie viel Zeit vergangen war, seitdem der Arzt bei uns war, konnte ich nicht beurteilen. "Tyler wurde nun verlegt. Er darf wieder Besuch empfangen." Schnell wischte ich mir die Tränen weg und schnappte mir die zwei Taschen. Mary tat es mir nach und schnappte sich ihre Handtasche, bevor wir ihm durch die Flure folgten. Er führte uns zu seinem Aufzug, welcher sich sofort öffnete. Die Türen schlossen sich hinter uns. "Er liegt im dritten Stock auf dem Zimmer 164" Ich lachte trocken auf. "Mein Geburtstag." Überrascht schaute er zu mir. "Na, dann hoffe ich, dass Sie den mit Ihrem Bruder zuhause feiern können, schließlich ist es in drei Wochen so weit." "Glauben Sie denn, dass er so lange noch hier bleiben muss?" Der Schock war Mary deutlich anzuhören. "Ich denke nicht, dass er so lange im Koma liegt. Je nachdem wann er aus dem Koma erwacht, muss er aber noch ein paar Tage hier bleiben. Das ist nur eine Sicherheitsmaßnahme. Wir rechnen nicht damit, dass ein Patient nach dem Koma noch irgendwelche negativen Veränderungen erlebt, jedoch wollen wir uns sicher sein, dass sich die Person die Tage nach dem Koma nicht in irgendwelche Gefahr begibt, von der er nicht wusste, dass es sie gibt." Ich lächelte verständlich, doch Mary schien davon nicht überzeugt zu sein.
"Darf er denn Besuch bekommen?" Der Arzt nickte. "An sich schon. Aber die Besuchszeit ist in etwa einer Stunde zu Ende. Die Besuchszeit beginnt wieder morgen um neun für genau zwölf Stunden. Dort könnten sie dann wieder kommen." Man sah Mary deutlich an, dass ihr die Idee nicht gefiel, ihn alleine zu lassen. "Darf ich auch hier bleiben? Auch über Nacht?", fragte sie leise. "Ich- Es tut mir leid, dass weiß ich gerade nicht. Ich bin erst vor einem Monat hier eingestellt worden und war vorher woanders tätig. Ich werde mich informieren und gebe Ihnen dann Bescheid." Wir beiden nickten synchron und in dem Moment öffnete sich die Aufzugtür mit einem leisen Pling. Hintereinander traten wir auf den Flur und Mary und ich folgten dem Arzt.
Vor dem Zimmer mit der 164 blieb der schwarzhaarige Mann stehen und drehte sich zu uns um. "Ich komme dann gleich wieder." Er nickte uns einmal zu, bevor er verschwand und wir in das Zimmer traten. Wie auch auf der Intensivstation war mein Bruder ziemlich verkabelt und ein Schlauch führte in seinen Mund. Eine Infusion war in seiner Armbeuge befestigt. Mary stürmte zu ihm, weshalb ich mich etwas zurückhielt, damit sie in Ruhe ein bisschen mit ihm reden konnte. Währenddessen blickte ich mich in dem Zimmer um. Es war ein Einzelzimmer, weshalb es offensichtlich kleiner war als die Anderen. Es fehlte trotzdem an nichts. Wenn man das Zimmer betrat, führte links direkt eine Tür ins Bad. Dahinter war ein Einbauschrank an der Wand. Von der rechten Seite aus ragte das Bett ins Zimmer, welches etwa eineinhalb Meter vom Fenster entfernt stand, sodass dahinter noch ein Stuhl stehen konnte. Auf der anderen Seite stand ein weiterer Stuhl, auf dem Mary bereits platz genommen hatte. Ich hörte sie leise flüstern und wandte mich dem Sessel zu, welcher direkt gegenüber von dem Bett, und so rechts von dem Schrank, neben einem kleinen Tisch stand. Ich legte schnell meine Handtasche und die Lebensmittel aus der Sporttasche auf den Tisch, bevor ich die Sporttasche mit den Klamotten in den Schrank stellte.
Anschließend näherte ich mich meinem Bruder. Ich nahm auf dem Stuhl auf der anderen Seite des Bettes platz. "Hey, du hast uns echt einen Schrecken eingejagt." Meine Stimme klang irgendwie fremd in dem leisen Zimmer. "Aber es war klar, dass du überleben würdest.", probierte ich sicher zu klingen. Meine Erleichterung darüber, dass er es tatsächlich geschafft hatte, probierte ich mir nicht anzumerken. Ich hatte wirklich Angst gehabt, dass mich mein großer Bruder im Stich lassen würde. Doch für Mary musste ich stark bleiben. Und auch für meine Eltern. Mist, meine Eltern. Sie wussten gar nicht bescheid, dass es ihm besser ging. Ich griff über Tyler hinweg zu Marys Hand und drückte sie einmal kurz. "Ich telefonier kurz mit meinen Eltern und gebe ihnen Bescheid. Schaffst du es kurz ohne mich?" Sie nickte kurz und ich erhob mich.
Vor der Tür zog ich schnell mein Handy aus der Hosentasche. Mittlerweile war es viertel nach acht. Wenn sich meine Eltern beeilen würden, hätten sie noch etwa eine halbe Stunde. Nach dem zweiten Klingeln nahm meine Mutter ab. "Ja, Schatz?" Im Hintergrund hörte ich mehrere Stimmen. Offensichtlich war sie in einer Besprechung. "Hey Mum, ich wollte euch nur Bescheid geben, dass es Ty besser geht. Doktor Banks meinte, er sei über den Berg." Ich hörte wie sie erleichtert die Luft ausstieß. "Da-Das sind super Neuigkeiten." Ich konnte höre, wie sie den Tränen nahe war. "Ja, er ist momentan noch im künstlichen Koma. Du könntest ihn heute noch besuchen, aber nur bis 21 Uhr." Es dauerte einen kurzen Moment bis sie Antwort. "Ich bin gleich da. Hast du deinem Vater schon Bescheid gesagt?" Ich schüttelte den Kopf, bis ich merkte, dass sie das nicht sehen konnte. "Nein, mach ich aber gleich noch. Ich wollte dich zuerst anrufen." "Gut, ich bin dann gleich da." "Bis gleich, Mum.", verabschiedete ich mich und legte auf. Das Gespräch mit meinem Vater lief ähnlich ab, er wollte auch noch kurz vorbei kommen.
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Badboy's Devil
RomancePechschwarzee Haare und trotzdem wunderschöne, leuchtende grüne Augen. Das sind die äußerlichen Merkmale von Flynn Black, dem heißesten Badboy der Schule. Alle sind natürlich hin und weg von ihm. Nur Clarissa, die kleine Schwester seines besten Freu...
