Wir starrten uns einen Moment stumm an. Ich wusste nicht, wo ich beginnen sollte und begann deshalb mit meiner Ausrede. "Wie geht es Chris?" Ihm war die Enttäuschung bei dieser Frage deutlich anzusehen. Er hatte sich vermutlich mehr erhofft, wenn ich seit Tagen das erste Mal mit ihm sprechen würde. "Ganz gut. Sie hatte die ganze Woche über schlechte Laune, weil sie dachte, dass sie der Grund für dein Verschwinden war. Selbst als ich das verneinte, glaubte sie immer noch dran." Also hatte ich richtig vermutet. "Nun ja, bis heute Morgen. Ich hatte schon Sorge, was sie genommen hatte, als sie mich ganz aufgedreht geweckt hat. Dabei war nur deine süße Nachricht der Grund. Das warst doch du, oder?" Ich musste leicht lächeln, als ich hörte, dass sie sich so sehr darüber freute und nickte.
"Wann warst du überhaupt im Haus? Ich habe dich gar nicht bemerkt und dabei habe ich..." Er stockte mitten im Satz. "In meinem Bett geschlafen? Ich hab's gesehen." Er runzelte die Stirn. "Wann warst du da?" "In meinem Zimmer um halb fünf. Du hast ziemlich unruhig geschlafen und da habe ich..." Nun brach ich meinen Satz ab und schaute verlegen auf den Boden. Ich wusste gar nicht, warum mich das plötzlich so verlegen machte, schließlich hatten wir schon schlimmere Dinge getan als uns einen Kuss auf die Stirn zu geben. "Dann war das also doch keine Einbildung.", murmelte er vor sich hin. Verdammt, er hatte es mitbekommen? "Ähm, ja. Du hast danach offensichtlich besser geschlafen." Ich starrte auf meine Schuhspitzen und wagte es nicht aufzuschauen.
"Wieso hast du das gemacht?" "Wieso hast du in meinem Bett geschlafen?" Eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten half immer, wenn man auf die Frage nicht antworten wollte. Bei Flynn schien es auch zu funktionieren. "Ich konnte in dem anderen Bett nicht schlafen. Bei dir im Bett... Da war noch dein Geruch." Er räusperte sich kurz, bevor er weitersprach. "So konnte ich zumindest einschlafen. Zwar nicht immer ruhig, aber das hast du vermutlich gesehen." Ich hob den Blick und sah, wie er mit gehobener Augenbraue zu mir hinunter schaute. Unbemerkt musste er mir noch näher gekommen sein, denn plötzlich stieg mir sein Geruch in die Nase. Er griff mit der Hand unter mein Kinn. "Bitte, komm nachhause.", flüsterte er verletzlich und ich musste schwer schlucken. "Nein.", sagte ich leise aber bestimmt. Sofort wich er wieder zurück. "Was kann ich tun, um dich wieder nach hause zu bringen?" Ich schulterte meine Tasche und trat einen Schritt zur Seite. "Mir Zeit gegeben." Mit den Worten lief ich zum Gebäude.
***
In der ersten Pause lief ich mit Emily gemeinsam zu meinem Spind, um mir mein Zeug für mein nächstes Fach zu holen. "Ich würde ja fragen, über was du mit Flynn geredet hast, aber ich kann mir vorstellen, dass du da noch nicht drüber reden willst." Ich nickte, öffnete meinen Spind und tauschte die Bücher aus. "Vergiss nur nicht, dass ich immer für dich da sein werde. Du kannst mit mir reden, wenn irgendetwas sein sollte. Mit uns allen. Wir sind alle für dich da. Fühl dich nicht von uns bedrängt, wir wollen dir nur helfen." "Das weiß ich.", sagte ich leise. Nachdem ich mein Spind geschlossen hatte hakte ich mich bei ihr ein.
Als ich im Augenwinkel eine mir allzu bekannte Silhouette entdeckte, steuerte ich in die Richtung. Neben ihm blieb ich stehen und beugte mich leicht vor. "Triff mich in der zweiten Pause an unserem Ort", flüsterte ich ihm ins Ohr. Als wir weiterliefen, musterte mich Emily verwirrt im Augenwinkel. Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte stur gerade aus. Den brennenden Blick im Rücken probierte ich so gut es ging zu ignorieren.
***
Die nächsten zwei Stunden Unterricht schienen endlos lange zu dauern. Als endlich der erlösende Gong ertönte, schien nicht nur ich erleichtert zu sein. Ein Stöhnen ging durch die Reihen und eilig begannen sie ihre Sachen zusammenzupacken. Ich tat es ihnen gleich und verabschiedete mich mit einem Winken von meinen Freunden. Kelly und Spencer schauten verwirrt hinter mir her und als Emily etwas zu ihnen sagte, schienen sie noch verwirrter zu sein. Sie verstanden nicht, was ich vorhatte und wieso ich es tat, doch ich hatte meine Gründe.
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Badboy's Devil
RomancePechschwarzee Haare und trotzdem wunderschöne, leuchtende grüne Augen. Das sind die äußerlichen Merkmale von Flynn Black, dem heißesten Badboy der Schule. Alle sind natürlich hin und weg von ihm. Nur Clarissa, die kleine Schwester seines besten Freu...
