56 Kurze Dates und lange Telefonate

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Genau elf Minuten später rief mich Kelly an, um mir Bescheid zu sagen, dass sie vor der Haustür stand. Ich schnappte mir meine Tasche, scheuchte Coco aus meinem Zimmer und lief hinter ihr die Treppe runter. Die verschwundenen Kaffeebecher deuteten darauf hin, dass meine Eltern ebenso schon verschwunden waren. Ich zog mir meine Schuhe an und eine Jacke über,  bevor ich mir meine Kapuze von meinem Pullover über den Kopf zog und in die morgendliche Kälte zog. "Lass bitte unser Haus stehen, bis ich wieder komme.", rief ich meinem Hund zu. Irgendwie albern, aber egal.

"Guten Morgen Son-", begrüßte mich Kelly wieder, doch ich unterbrach sie. "Bitte, hab Erbarmen mit deinem Sonnenschein. Verrate mir viel lieber, wer oder was für deine gute Laune zuständig ist." Kelly startete den Motor und warf mir einen Seitenblick zu. "Ist alles okay?", fragte sie nun deutlich ernster. "Ja, wieso?" Natürlich wusste ich wieso, aber es war mir unabsichtlich rausgerutscht. "Vergiss die Frage von mir.", verbesserte ich mich deshalb. "Das meinte ich sowieso nicht. Ich mache mir nur Gedanken, dass du eine Kapuze trägst. Sonst hast du die immer unten, abgesehen davon dass du nur selten Kapuzenpullis trägst." Sie musterte mich kurz, bevor sie sich auf die Straße konzentrierte, in die wir gerade einbogen. "Achso das." Ich zog mir meine Kapuze vom Kopf. "Ich hatte keine Zeit mehr zum föhnen, da mich eine viel zu gut gelaunte Freundin meint, schon acht Minuten zu früh abzuholen." Ich warf ihr einen viel sagenden Blick zu und hoffte, dass sie nun endlich mit der Sprache rausrücken würde. Als dies nicht der Fall war, bohrte ich weiter nach. "Nun, will mir endlich mal die besagte gut gelaunte Freundin verraten, warum sie so gut gelaunt ist?" 

Augenmerklich sank ihre Laune, weshalb ich verwirrt die Augenbrauen hochzog. "Hab ich was falsches gesagt?" Sie schüttelte den Kopf. "Nein, ich fühl mich grade nur komisch, weil ich so super Laune habe und das obwohl dein Bruder..." "Das ist doch nicht schlimm. Erzähl mir bitte alles, ich kann grade etwas Ablenkung brauchen." Sie nickte zögernd, bevor sie endlich begann zu erzählen. "Weißt du, gestern als du in die Gruppe ein kleines Update gegeben hast, sind wir... Ich weiß auch nicht... Irgendwann auf den privaten Chat gewechselt und haben ewig miteinander geschrieben, bis..." Sie pausierte wieder ihre Erzählung, während sie an einer Kreuzung wartete, bis zwei Autos vorbeigefahren waren. "Kelly, bitte ganze Sätze. Aber vor allem erst einmal, wer ist wir?" Sie druckste einen Moment rum, bis sie endlich wieder den Mund aufmachte. "Jake und ich." Ich riss die Augen auf. "Mensch K, und damit kommst du erst jetzt? Ich will alles wissen." Doch sie zuckte nur mit den Schultern. "Bisher gibt's noch nicht so viel. Wir haben gestern den Abend geschrieben. Er ist total nett und witzig und hatte mich für einen kurzen Moment abgelenkt, sodass ich nicht die ganze Zeit in Versuchung kam, dich anzurufen um zu fragen wie es dir geht, da du vermutlich schon geschlafen hast. Wie dem auch sei, als wir beschlossen hatten, endlich ins Bett zu gehen, hat er mich endlich gefragt. Und was soll ich sagen? Wir gehen heute in der Mittagspause essen. Ich weiß, das wird ein ziemlich kurzes Date werden, aber falls es irgendwie komisch werden sollte, was ich aber absolut nicht glaube, gäbe es einen Grund noch zeitig aufzubrechen." 

Ich brauchte einen kurzen Moment um besagtes sacken zu lassen, bevor sich ein Schmunzeln auf meinem Gesicht bildete. "Sicher, dass er gefragt hat? So wie du das durchdacht hast, klingt es eher nach deinem Plan." Gespielt beleidigt schnaubte sie. "Das du mir so etwas unterstellst. Er hat wirklich gefragt und dann haben wir beide beschlossen in der Mittagspause auszugehen. Danach war ich nur ein Mädchen und habe alles analysiert. Sag bloß, du tust das nie." Sie warf mir einen herausfordernden Blick zu und bog auf den Schulparkplatz ein. "Hach, ich hab gaaar keine Ahnung wovon du redest." Da sie in diesem Moment den Motor ausstellte, sprang ich aus dem Auto und hörte nur noch ihr Lachen. 

Draußen wartete ich auf Kelly und zog mir währenddessen wieder die Kapuze über den Kopf. Schließlich wollte ich keine Erkältung bekommen. "Dahinten kommt dein Freund." Schnell drehte ich mich in die Richtung, in die Kelly gezeigt hatte und aus der gerade Jake, Flynn und Kewin auf uns zukamen. Ich brauchte einen Moment, bevor ich mich wieder umdrehte und wollte schon etwas sagen, als sie das Reden übernahm. "Für wie eine schlechte Freundin hältst du mich? Dachtest du etwa, dass ich davon nichts mitbekommen würde?" Stumm schüttelte ich den Kopf. "Sind wir wirklich so offensichtlich?" "Soll ich wirklich ehrlich sein?" Ich nickte und sie seufzte tief. "Um genau zu sein, habe ich es nicht bemerkt. Sorry, ich komme jetzt vermutlich wie eine echt schreckliche Freundin rüber, aber immer wenn ich mit dir und Flynn unterwegs war, war auch Jake dabei, also..." Ich musste lächeln. "Alles gut, es sollte schließlich auch vorerst niemand wissen. Nicht, bis wir uns sicher waren und bis ich es Tyler erzählen konnte. Ich habe keine Ahnung, wie er reagiert. Ich kenne zu viele Bücher, in denen dann der Bruder die Freundschaft mit seinem besten Freund beendet, nur weil dieser mit seiner Schwester zusammen gekommen ist und ich will wirklich nicht ihre Freundschaft rui-" 

Badboy's DevilWo Geschichten leben. Entdecke jetzt