Keuchend riss ich die Augen auf. Verwirrt eilte mein Blick durch den Raum. Ich war nicht zuhause. Ich war in einem fremden Raum. Verdammt, wo war ich?
"Clary. Clary!" Erschrocken zuckte ich zusammen, als mich jemand am Oberarm packte. Mein Kopf flog ruckartig in die Richtung. Doch es war nur Mary, die sichtlich verzweifelt aussah. "Was ist passiert?" "Du hattest einen Albtraum.", klärte sie mich kurz auf. "Habe ich geschrien?" Sie schüttelte den Kopf und ich atmete erleichtert aus. Ich wollte nicht unnötig Aufmerksamkeit auf mich lenken. Vor allem weil wir gerade im Krankenhaus waren. "Du hast dich nur die ganze Zeit hin und her geschmissen. Ich dachte die Albträume haben sich wieder gelegt." Sie musterte mich und strich mir eine verschwitzte Strähne aus meinem Gesicht, welche sich in der Nacht aus meinem Dutt gelöst haben muss.
"Nein, haben sie nicht. Es wurde eher schlimmer seit Ty hier im Krankenhaus liegt." "Oh nein, tut mir leid, dass ich nicht für dich da war.", entschuldigte sich Mary sofort, doch ich hob die Hand und brachte sie somit zum Schweigen. "Alles gut. Du hast dafür auf meinen Bruder aufgepasst. Als Flynn die letzten zwei Nächte bei mir geschlafen hat, hatte ich auch keine Albträume." Es fiel mir schwer, seinen Namen auszusprechen. Er hatte mich die ganze Zeit belogen. Er hatte mir ein Familienmitglied vorenthalten. So etwas konnte man nicht eben mal schlucken, doch davon wusste Mary ja nichts. "Soll ich zu dir ins Bett kommen?", schlug diese vor. "Wie viel Uhr ist es denn?" "Erst halb sechs." Ich stand auf.
"Ich kann so oder so nicht mehr schlafen, aber vielleicht komme ich heute Abend auf das Angebot zurück." Überrascht beobachtete Mary mich, wie ich mir frische Klamotten zusammen suchte. "Heute Abend? Du gehst nicht nach hause?" Mitten in der Bewegung erstarrte ich. Es dauerte kurz, bis ich fähig war, den Kopf zu schütteln. Nein, ich würde heute noch nicht nach Hause gehen. Ich konnte meinen Eltern und Flynn nicht gegenüber treten. "Ich nehme an, du willst nicht darüber reden?" Dieses Mal nickte ich. Sie nickte ebenfalls nur und legte sich ins Bett, in dem ich vor einer Minute noch selbst lag. "Du kommst zurecht?" "Ja, ich hol mir kurz einen Kaffee. Willst du auch einen?" Sie nickte und schüttelte dann den Kopf. "Wenn du nichts dagegen hast, dann würde ich mich kurz mal hinlegen. Gehst du später in die Schule?" "Ich kann hier nicht den ganzen Tag sitzen und mir den Kopf zerbrechen über..." Ich verstummte. "Okay, kannst du mich dann bitte wecken, bevor du gehst?" Erleichtert darüber, dass sie sich bei gar nichts einmischte, bestätigte ich ihren Wunsch und verschwand im Bad.
***
Mit einem heißen Becher Kaffee in der Hand saß ich auf dem Sessel und beobachtete die beiden, wie sie in getrennten Betten friedlich lagen. Das war wahre Liebe. Mary wohnte nun schon beinahe eine Woche hier im Krankenhaus. Die Beiden hatten auch bestimmt keine Geheimnisse voreinander. Offen gestanden beneidete ich die beiden. Tyler schien bis vor ein paar Monaten noch so oberflächlich, was alles außerhalb seiner Familie betraf, doch dies war vermutlich nie der Fall. Mary hatte ihn dazu gebracht, auch mal seine weiche und liebevolle Seite zu zeigen und sie nicht immer hinter der coolen Fassade zu verstecken.
Ich dachte, dass sei mir mit Flynn auch gelungen. Ich wollte ihn nie verändern, sondern einfach nur all seine Fassetten entdecken und ihn dazu bringen, seine Fassade, seine Maske fallen zu lassen. Für einen Moment hatte es auch so gewirkt, bis ich schließlich bemerkt hatte, dass dies alles doch nur eine Fassade war. Seine Gefühle waren bestimmt echt, überlegte ich.
Ob er schon von Anfang an wusste, dass ich die Halbschwester seiner eigenen Halbschwester war? Wir selbst waren ja Gott sei Dank nicht verwandt. Ob er aber sein Kennenlernen damals mit Tyler inszeniert hatte? Schließlich hatten sie sich angeblich zufällig kennen gelernt. Ob der Zusammenstoß mit mir auf den Schulflur nur ein Versuch war, mich anzusprechen und herauszufinden, ob ich eine gute große Schwester für Christina abgeben würde?
Ich stellte mir immer mehr und mehr Fragen, bis mein Kopf begann zu brummen. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich begonnen hatte zu weinen. Schnell wischte ich mir meine Tränen weg, damit es Mary nicht auffallen würde wenn sie aufwachte. Ein Blick auf ihr Handy sagte mir, dass es mittlerweile sieben Uhr war. Der Weg vom Krankenhaus zu Schule war ein paar Minuten länger, weshalb ich mich aufrichtete und beschloss, ihr auch einen Kaffee zu holen. Da der Kaffee in unserem Krankenhaus nichts von den Brühen in den ganzen Büchern an sich hatte, holte ich mir selbst auch noch einen. Zurück im Zimmer weckte ich Mary vorsichtig und stellte den Becher neben ihr auf den kleinen Tisch.
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Badboy's Devil
RomancePechschwarzee Haare und trotzdem wunderschöne, leuchtende grüne Augen. Das sind die äußerlichen Merkmale von Flynn Black, dem heißesten Badboy der Schule. Alle sind natürlich hin und weg von ihm. Nur Clarissa, die kleine Schwester seines besten Freu...
