59 Bitte kein Blut ;)

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Punkt acht Uhr tauchten Flynn und Mary wieder im Krankenzimmer auf. Ich hatte mich mittlerweile auf dem Sessel niedergelassen, da dieser deutlich bequemer war als die Holzstühle, auf denen meine Eltern seit etwa einer halben Stunde saßen. Sie sprachen, genau wie ich vorhin, mit ihm und erzählten ihm von ihrem Tag. Seit unserer Begrüßung hatten sie mich kaum beachtet, doch das fand ich keinesfalls schlimm oder so. Schließlich lag ihr eines Kind im Koma, während es dem anderen super ging. Um wen würde man sich da eher kümmern und Sorgen machen? 100 Punkte an die Personen, die sich für das Komakind entschieden haben. Außerdem kam mir das ganz gelegen, denn so merkten meine Eltern nicht, wie mich das Schicksal der älteren Dame bedrückte, dessen Namen ich nicht einmal kannte. Sie waren ganz alleine. Nur sie und ihr Mann. Irgendwie klang das schön, aber auch verdammt einsam.

Ein Kuss auf die Stirn holte mich aus meinen Gedanken zurück. Ich blinzelte ein paar Mal und nahm anschließend Flynn war, welcher sich gerade vor mir in die Hocke setzte. "Na wie geht's dir?" Ich zuckte mit den Schultern. "Ganz gut und euch zwei?" Er stellte sich wieder hin und zog mich mit sich. Dann ließ er sich auf den Sessel fallen und bevor ich protestieren konnte, zog er mich auf seinen Schoß. Ich warf schnell einen Blick zu meinen Eltern ob sie es mitbekommen hatten und so war es. Mein Vater nickte Flynn zu, was vermutlich hieß, dass er mich später nochmal darauf ansprechen würde, und meine Mutter lächelte nur. Sie lächelte. Das war das erste Mal seit Tylers Unfall. Ich spürte Flynns Arme um meine Taille und rutschte noch etwas näher an ihn, sodass ich nun komplett mit meinem Rücken an seiner durchtrainierten Brust lehnte. "Jetzt geht's mir wieder gut. Und Mary, ihr geht es jetzt zumindest etwas besser. Ich habe sie dazu gebracht, zwei Sandwiches zu essen und bevor wir wieder hier her gekommen sind nochmal eins und bisschen Obst. Vitamine und so ein Zeug." Überrascht blickte ich über meine Schulter, sodass unsere Lippen nur einige Zentimeter entfernt voneinander waren. "Vitamine? Du weißt was das ist?" Er warf mir einen wütenden Blick zu, was mich leicht zum schmunzeln brachte. Ich gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund, bevor ich mich wieder zu meinen Eltern drehte.

"Elias war vorh-", wollte ich gerade erzählen, als mein gemütlicher Stuhl mit Kissen mich unterbrach. "Elias?", den leicht angesäuerten Ton schien nicht nur ich wahrzunehmen. Mary, welche nun deutlich ausgeschlafener aussah, grinste mich wissend an. "Ja, der Arzt, Doktor Banks." "Woher kennst du seinen Vornamen?" Ich zuckte nur mit den Schultern. "Er war vorhin hier um bei Ty die Daten einmal abzuchecken, kontrollmäßig halt, und dann meinte ich, dass er mich duzen könnte, weil wir uns die nächsten Tage vermutlich noch öfters sehen würden." Ohne auf das leichte Knurren von Flynn zu achten, erzählte ich meinen Eltern und Mary von dem aktuellen Stand über Tylers Gesundheit. Sie schienen erleichtert und drehen sich wieder zum Bett, um wieder leise mit ihm zu reden. 

"Unfassbar.", knurrte mir mein heißer Badboy ins Ohr. "Kaum habe ich einen Jungen weniger, weshalb ich eifersüchtig werden könnte-", deutete er auf Spencers Outing heute Morgen an. "-hast du schon wieder einen Neuen." Ich löste mich ein bisschen von ihm, sodass ich nun seitlich auf seinem Schoß saß und meinen linken Arm auf seine Schulter legen konnte. Meine Hand verschwand im Nacken in seinen Haaren. "Wenn ich ehrlich sein soll, dann wars sogar ganz sexy, wie er sich vorhin mit der Hand durch die Haare gefahren ist.", begann ich und spürte augenmerklich, wie sich der Grünäugige unter mir anspannte. "Aber direkt nach diesem Gedanke fiel mir ein, bei wem es noch viel heißer aussieht." Mit meiner Hand in seinen Haaren drehte ich sein Kopf, so, dass er gezwungen war, mich anzuschauen. "Obwohl, ich finde es eigentlich noch heißer, wenn nicht du dir durch deine Haare fährst, sondern, wenn ich es tu." Er murmelte etwas Zustimmendes und beugte sich vor um mir einen Kuss zu geben. In dem Moment vergaß ich meine Eltern, welche sich nur zwei Meter entfernt über meinen Bruder beugten, der im Koma lag. Kein besonders guter Ort um ein bisschen rumzumachen.

"Sucht euch ein Zimmer." Die Stimme meines Vaters. "Dad!", "Lucas!", riefen meine Mutter und ich gleichzeitig. "Was denn?", er drehte sich zu seiner Frau. "Du warst doch selbst kurz davor, das zu sagen. Deine Blicke sprechen Bände." Beschämt schlug ich mir meine Hände vors Gesicht. Mensch waren meine Eltern peinlich. "Das wollte ich überhaupt nicht sagen. Mir kam nur der Gedanke, dass die zwei eigentlich nach Hause gehen könnten." "Gute Idee." Ich sprang auf, froh darüber, dass ich der peinlichen Situation entkommen konnte. "Du willst die Zwei alleine in unser leeres Haus gehen lassen?" Während mein Vater weiterhin seine, für mich echt peinlichen, Gedanken aussprach, umarmte ich meine Eltern und Mary kurz zum Abschied. Letztere ist eindeutig amüsiert über die Situation, weshalb ich ihr einen vernichtenden Blick zuwarf. Flynn tat es mir gleich und umarmte Mary und gab meiner Mutter einen Wangenkuss. Wie höflich. Als er meinem Vater die Hand gab, hielt dieser seine fest. "Ich will morgen auf keinem Bettlaken Blut sehen.", sagte er komplett ernst. Er sah beinahe schon angsteinflößend aus. "Ich werde Ihre Tochter nicht anrühren.", erwiderte mein Freund genauso ernst. "DAD!" Meine Stimme war mittlerweile eine Oktave höher gerutscht, doch mein Vater machte keine Anstalten die Griff oder den Blick von dem Schwarzhaarigen zu lösen, welcher es ihm gleichtat.

Badboy's DevilWo Geschichten leben. Entdecke jetzt