60 Eine Win-Win-Win-Situation mit Schädelbrummen

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Die letzten Tage passierte nichts spannendes mehr, viel eher hatte sich eine neue Routine in unserer Familie angelegt. Nach der Schule ging ich immer direkt ins Krankenhaus, meistens ohne Flynn, da er meinen Rat fleißig befolgte und nun viel mehr mit seiner Schwester unternahm, während er noch für das Abi lernte. Stattdessen kamen abwechselnd unsere anderen Freunde mit. Während ich dann zum Beispiel mit Kewin an Tyler's Bett saß, fuhr Mary ab und zu nach Hause um sich fertig zu machen oder manchmal auch hinzulegen, da sie hier nur den Sessel hatte. Die Zeit bei Tyler verbrachte ich meistens mit lernen und ab und zu, okay ich gebe es zu, sogar ziemlich oft erzählte ich ihm etwas über Flynn und mich. Immer mal wieder einen kleinen Teil unserer Geschichte. Wenn er aufwachen würde, so nahm ich es mir vor, würde ich es genauso tun. Ich würde ihm Stück für Stück alles erzählen.

Heute war Samstag. Ich hatte in genau zwei Wochen Geburtstag, aber bisher hatte ich nicht so sehr Lust auf meinen Geburtstag. Ich werde 18, doch ohne meinen Bruder würde es langweilig werden. Gut, nicht gerade langweilig, aber irgendwie komisch und anders als geplant. Flynn hatte letzte Nacht bei mir geschlafen und sogar Christina war bei uns. Zuerst haben wir einen Film angeschaut und als sie müde war, brachten wir sie ins Gästezimmer. Wie wir die Zeit für uns nutzten, ist vermutlich allen klar. Jetzt am Frühstück saßen wir endlich mal wieder alle zusammen. Mit viel Überredungskunst hatte ich Mary dazu gebracht, mit uns zu frühstücken. Sie hatte ihren Liebsten nur sehr ungern sich selbst überlassen. Doch als ich, sehr zum Missfallen von Flynn, Elias meine Nummer gegeben hatte, damit er mich direkt anrufen konnte, falls etwas sein sollte, schien sie es zu akzeptieren. 

Als ich nun mit frischen Toasts an den Tisch trat, blickte Mary leicht unsicher zu mir. "Ist dein Handy auch wirklich auf laut?" Ich stellte den Teller ab und holte mein Handy aus meiner Hosentasche. "Hier, es ist auf ganz laut und ich lege es auf den Tisch, okay?" Sie nickte und entspannte sich augenmerklich. "Tut mir leid, wenn ich mich so aufführe.", entschuldigte sie sich, doch meine Mutter griff nach ihrer Hand. "Es ist alles gut. Uns geht es schließlich genauso.", sagte sie sanft und ich nickte bestätigend. Unter dem Tisch spürte ich die Hand von Flynn, welche sich mit meiner verschränkte. Er drückte sie einmal und griff anschließend mit seiner freien Hand zu. Ich tat es ihm gleich und kurz darauf verfielen wir in Schweigen, welches lediglich durch die Essensgeräusche unterbrochen wurde. 

"Wie ist es jetzt eigentlich bei euch mit der Wohnung?", brach mein Vater das Schweigen und als sich die Hand in meiner verkrampfte, fragte ich mich, was ich verpasste hatte. "Wir haben bis Mittwoch." Wie bitte? "Was ist am Mittwoch?", sprach Mary aus. Sie schien anscheinend auch keine Ahnung zu haben, um was es hier ging. Auch Flynn's kleine Schwester blickte nur neugierig zwischen den zwei Männern am Tisch hin und her. "Unsere Wohnung-" Mein Freund stockte. "Ich kann die Miete nicht mehr zahlen. Wir werden rausgeschmissen." "Was?", entfuhr es Mary und mir gleichzeitig. Wieso hatte er mir nichts davon erzählt? "Und was macht ihr dann?" Flynn schaute bei meiner Frage kurz zu mir und drehte sich anschließend zu meinem Vater. Er schien sich gerade offensichtlich nicht wohl zu fühlen. "Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er mit seiner Schwester hier wohnen könnte.", verkündete dieser. "Hier?", fragte ich etwas zu schnell und zu hoch. 

Ich merkte, wie Flynn meine Hand losließ und er den Blick senkte. "Wie lange weißt du schon davon Bescheid?", wandte ich mich an ihn. "Nicht lange genug um dagegen etwas zu unternehmen. Mein Job... In letzter Zeit kam dabei nicht so viel raus." In letzter Zeit. Meinte er damit die Zeit, in der wir zusammen waren? War ich der Grund dafür, dass er die Miete nicht zahlen konnte? Und was war mit den Rechnungen für seine Mum? "Also zieht ihr jetzt ein?" Trotz der schlechten Neuigkeit, dass er pleite war und somit nicht mehr für seine Mutter sorgen konnte, obwohl es sowieso andersrum sein sollte, spürte ich eine gewisse Freude in mir aufkommen. Mit Flynn unter einem Dach zu leben wäre bestimmt... interessant. "Ich bin immer noch auf der Suche nach etwas anderem. Etwas, das ich mir leisten könnte." Er wich meinem Blick aus und ich zog die Stirn kraus. Ich griff nach seiner Hand, sodass er zu mir aufschaute. "Das kannst du auch noch tun, wenn du hier bei uns wohnst." "Du-Du bist damit einverstanden?", fragte er überrascht. "Natürlich, warum sollte ich es nicht sein?" "Vielleicht weil du Privatsphäre oder so brauchst. Das was halt Mädchen so brauchen. Ach keine Ahnung." Seine Unsicherheit ließ mich leicht schmunzeln. "Du wohnst ja vorerst nur mit mir unter einem Dach und nicht in einem Zimmer." "*Hust. Hust. Vorerst. Hust. Hust.", machte Mary auf der anderen Seite des Tisches und ich trat ihr gegen das Schienbein. "Natürlich.", sagte ich, fest überzeugt davon, dass es ein vorerst geben würde.

Badboy's DevilWo Geschichten leben. Entdecke jetzt