Dieser verdammt Mistkerl!
"Hey, wieso weinst du?", fragte mich Emily leise und wischte mir die Tränen von der Wange. "Müsste ich nicht eigentlich weinen?" Ich schüttelte den Kopf. "Es ist nur... Flynn und ich..." Dann brachen alle Dämme und damit meinte ich nicht nur, das meine Tränen ohne Stopp flossen, ich erzählte ihr auch die ganze Geschichte von Flynn und mir. Zusammengefasst wirkte es nicht mal so viel, was wir erlebt haben. Dafür war jeder Moment für mich von Bedeutung. Die Betonung lag auf war.
Als ich fertig war, schaute mich Emily schuldbewusst an und fluchte leise. "Es tut mir so leid. Ich wollte nicht-" "Es ist doch nicht deine Schuld.", unterbrach ich sie, doch sie ließ nicht nach. "Doch, das ist es. Hör zu ich wollte nur-" "Nein, wirklich. Besser ich erfahre es jetzt, als irgendwann später, wenn man nichts mehr rückgängig machen kann. Immerhin bin ich noch nicht so im Mittelpunkt." Es sah aus, als ob Emily noch etwas sagen wollte, doch ich bat sie mit meinem Blick zu schweigen, was sie dann auch tat. "Bitte lass uns das Thema wechseln."
***
Eine gute Sache hatte die ganze Geschichte. Mit der Wahrheit würde es mir deutlich leichter fallen, mich von ihm fernzuhalten. Um mich von den neugierigen Blicken und den Fragen fernzuhalten, brauchte ich aber deutlich mehr. Natürlich wollte meine Familie und Mary - warum zählte ich sie eigentlich noch extra auf, sie gehörte schon so gut wie zur Familie - wissen was passiert ist. Schließlich kam ich nicht jeden Tag mit verheulten Augen. Wobei ich zugeben musste, dass ich deutlich besser aussah als erwartet. Das lag womöglich daran, dass ich noch kurz bei Emily war um mein Make-Up etwas aufzufrischen, sodass ich nicht komplett fertig aussah.
Die ganze Zeit über wirkte Emily so, als ob sie noch etwas dazu sagen wollte, doch ich wollte davon nichts hören. Es interessierte mich zwar, was sie innerlich zerfraß, doch vorerst musste ich die andere Sache verdauen. Direkt am Montag würde ich sie drauf ansprechen.
Am Sonntag erledigte ich alle Hausaufgaben und zwar nur die. Wie bereits ein Wochenende zuvor verließ ich kaum mein Zimmer. Verrückt was in der letzten Woche passiert ist. Oder generell im letzten Monat. Als ich am Montag am Ende vom Parkplatz parkte, warteten wie immer meine besten Freunde auf mich. Irgendetwas war komisch. Ich umarmte Emily als Erste. "Ich habs ihnen erzählt. Zumindest den ersten Teil von unserem Gespräch am Samstag.", nuschelte sie in mein Haar, welches ich heute wieder offen trug, sodass die anderen Zwei es nicht hören konnten. "Fühlst du dich besser?" Ich ließ sie los und sie zuckte mit den Schultern. "Ist hier deshalb so ne miese Stimmung?", fragte ich an Kelly und Spencer gewandt. "Wir wissen nicht, was genau wir davon halten sollen.", gab Kelly leise von sich. Was sie nicht sagte...
"Sie will uns nicht sagen, warum sie es tut.", gab Spencer leicht trotzig von sich. Emily und ich wechselten einen kurzen Blick. "Ich hab ne ganz andere Frage. Wissen die Jungs worauf sie sich einlassen?", probierte ich von der Frage abzulenken. "Ja, ich sags immer, also..." "Mehr will ich nicht wissen. Das ist meiner Meinung nach die Hauptsache, also stellt euch nicht so an. Oder waren wir etwa anders zu Spencer als er sich ihr wisst schon was." Da ich nicht wusste, ob hier jemand zuhörte, vermied ich mit Absicht das Wort geoutet und Spencer schien das nur recht zu sein. "Du hast recht.", sagte er und hakte sich bei Kelly und mir ein. Ich selbst tat das Gleiche bei Emily und zusammen gingen wir auf unsere Schule zu.
Vor dem Eingang standen wie immer die meisten Schüler und warteten darauf, dass uns die Türe geöffnet wurden. Ich entdeckte mein Bruder etwas abseits mit seinen Freunden und probierte so gut wie es ging sie zu ignorieren. Doch das war leichter als gedacht, denn ich spürte förmlich, wie die ganze Gruppe uns anstarrte. Flynn starrte dabei sehr wahrscheinlich zu mir und Kewin konnte sich anscheinend nicht entscheiden, ob er Spencer anstarren, oder mich besorgt mustern sollte. Jake musterte uns alle und mein Bruder schien mit seinem Blick zu fragen, ob wir zu ihnen kamen. Er wusste sichtlich nicht, ob ich mich nun komplett trauen würde bei ihnen zu stehen. Und ganz ehrlich, ich wusste es auch nicht. Ließen wir die komplette Sache mit Flynn außen vor, hätte ich mich wahrscheinlich getraut. Schon allein der Gedanke an ihn ließ meine Laune drastisch sinken.
Emily bemerkte dies und schlang den Arm, in den ich mich eben noch eingehackt hatte, um meine Taille und zog mich zu sich, weshalb ich Spencers Arm loslassen musste. Er und Kelly warfen uns verwirrte Blicke zu, doch ich konnte ihnen nicht antworten. Genau in diesem Moment entdeckte ich Kiki, die ziemlich zielsicher auf die Jungs zuschritt. "Das tut sie jetzt nicht.", zischte Emily, doch ich nahm sie nur vernebelt war. Mein Fokus lag auf Flynn, um dessen Taille sich gerade Kikis Arm schlang. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und begann, sich an seinem Hals entlang zu küssen. Dass sie überhaupt kein Scham besaß, was Knutschen in der Öffentlichkeit betraf, wunderte mich keinesfalls.
"Was hast du vor?" Emily löste den Arm von mir und machte Anstalten, zu der Clique zu gehen. Sie antwortete nicht, sondern begann nur ihre Schritte zu beschleunigen. Vollkommen ratlos folgten wir ihr mit ein bisschen Abstand. Als sie bei Flynn und Kiki ankam, war sie gerade dabei, mit den Küssen über seinen Kiefer Richtung Mund zu wandern. Es versetzte mir einen Stich, als ich bemerkte, dass er nichts tat, um sie aufzuhalten. Sein Blick lag auf mir, doch Kiki schien uns nicht zu bemerken. Bis Emily sie an der freien Hand packte und sie zu sich umdrehte. Kurz hatte ich Angst, dass sie ihr eine reinhauen wollte, das wäre nämlich meine Reaktion gewesen. Doch sie schien andere Pläne zu haben.
Zuerst schien Kiki verwirrt, wer sie bei ihrem Tun störte, doch als sie Emily erkannte, wich ihre Verwirrung und man bemerkte, wie überrascht sie war. Plötzlich packte Emily Kikis Kopf und presste ihren Mund auf ihren. Ich zog scharf die Luft ein und als Kiki den stürmischen Kuss erwiderte, war ich bestimmt nicht die Einzige, der die Augen ausfielen. Emily und Kiki?
Nach gefühlt einer Minute lösten die zwei sich voneinander. Emily merkte unsere geschockten Blicke und ihre Wangen wurden knallrot, während Kiki sich ein großes Grinsen nicht verkneifen konnte. "Ich dachte schon, du traust dich nie." Sie schlang ihren Arm um Emily und zog sie zu sich, so wie es Emily erst vor paar Minuten bei mir getan hatte. Bei den zwei wirkte es aber viel vertrauter. "Wie jetzt?" Anscheinend war ich die Einzige, die ihre Stimme wieder fand. "Wir sind bi.", haute Kiki die Beichte raus und ich konnte ein paar Schüler um uns herum scharf die Luft einziehen hören. Anscheinend hatte dieser Kuss mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen als geplant. "Ich hab nur darauf gewartet, dass sie sich mal traut." Ganz ohne Scheu drückte Kiki Emily einen Kuss auf die Schläfe, da sie ein paar Zentimeter größer war als sie. "Sorry, nicht jeder ist so offen wie du.", neckte Emily sie und ich konnte die beiden nur faszinierend beobachten. Der Schock saß noch, doch ich probierte es mir nicht anmerken zu lassen.
"Wie lange schon?", mischte sich nun Kelly ein. "Ein halbes Jahr?" Fragend schaute Emily auf. "Ja, in fünf Tagen." Gerührt, dass sie sich das gemerkt hatte, wurden Emilys Wangen noch etwas roter, falls das überhaupt möglich war. "Also war ich nur Tarnung oder was?", meldete sich Flynn trotzig zu Wort. Flynn. Ihn hatte ich ja komplett vergessen. "Tut mir leid, Sweetie.", sagte Kiki belustigt und konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Flynn schien es aber nicht weiter zu stören, denn auch bei ihm schlich sich ein Grinsen aufs Gesicht. "Kein Problem."
Flynn. Tarnung.
Mein Blick schoss zu Emily und sie schien nur auf diesen Moment gewartet zu haben. Als sich unsere Blicke trafen, nickte sie mir zu. Flynn war nur Tarnung. Sie stand nicht auf Flynn, sondern die ganze Zeit auf Kiki. Als sie sich letzte Woche vor der Schule und in der Kantine versteifte, war es immer Kiki mit der Flynn rumgemacht hatte. In der zweiten Pause hatte sie sich nicht mit Flynn in der Abstellkammer getroffen, sondern mit Kiki. Und als Kiki einmal meine ganzen Freunde gemustert hatte und bei Emily so fies grinsen musste, hatte Kiki nichts böses im Sinn. Höchstens etwas versautes.
Das wollte Emily mir also die ganze Zeit am Samstag sagen. Für sie war Flynn die perfekte Tarnung, bis sie wusste, dass ich Gefühle für ihn entwickelt hatte. "Ich hoffe du hast wegen dem, was ich am Samstag erzählt habe, keinen Blödsinn angerichtet.", sprach mich Emily diskret an. "Nichts, was ich jetzt nicht mehr rückgängig machen kann." Wir grinsten uns beide an. Ab jetzt würde es hoffentlich bergauf gehen.
Wie versprochen kommt heute das Update. Wer hätte mit dieser Wandlung gerechnet? Aus den Kommentaren konnte ich entnehmen, dass es etwas zu offensichtlich war mit Kiki und Emily, weshalb ich mir überlegt hatte, wie ich euch, zumindest nur für einen kurzen Zeitraum, vom Gegenteil überzeugen konnte. Ist es mir gelungen oder gab es hier welche, die an ein Missverständnis geglaubt haben?
Und an die, die drauf reingefallen sind, seid ihr froh, wie es jetzt ausging? Ich denke schon ;)
Ich wünsche euch einen schönen Start ins Wochenende xo
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Badboy's Devil
RomansaPechschwarzee Haare und trotzdem wunderschöne, leuchtende grüne Augen. Das sind die äußerlichen Merkmale von Flynn Black, dem heißesten Badboy der Schule. Alle sind natürlich hin und weg von ihm. Nur Clarissa, die kleine Schwester seines besten Freu...
