Kapitel 13

1.8K 97 80
                                        

Abrupt halten beide in ihrer Bewegung inne und Oikawa steht auf, um sein Handy aus der Sporttasche zu holen. Mai, welche immer noch wie erstarrt am Boden sitzt, beobachtet den Jungen dabei wie er in seiner Tasche wühlt und schlussendlich das Telefon hervorholt. Schnell nimmt er den Anruf entgegen und wirft dabei der grauhaarigen ein nervöses Lächeln zu.

„Hallo Vater, was ist?"

Kurz ist es still und Mai kann nicht hören, was der Vater von Oikawa sagt, doch die genervten Gesichtszüge des Jungens sprechen für sich.

„Okay, ja...ich war nur nochmal trainieren. Ich bin gleich zuhause."

Augenrollend legt Tooru auf und steckt das Handy wieder in die Tasche, welche er danach etwas aggressiver zu macht. Mai, welche inzwischen auch auf den Beinen ist, begibt sich schon einmal vorsichtig hinüber zum Halleneingang und wartet dort auf den braunhaarigen.

Gemeinsam verlassen die das Gebäude und schlendern stumm nebeneinander, über das Schulgelände. Keiner der beiden wagt etwas zu sagen, ihre Gedanken schwirren immer noch um den Fastkuss von vorhin. Wäre es tatsächlich zu einem Kuss gekommen, wenn der Vater von Oikawa nicht angerufen hätte?

Kopfschüttelnd läuft Mai einwenig voraus und vergrößert den Abstand zu ihrem Begleiter. Es ist bereits sehr spät und somit auch dunkel, schon immer hat sie Angst vor der Dunkelheit gehabt und beginnt, der Kälte wegen, zu zittern. Nicht einmal eine Jacke hat die grauhaarige an, dafür ist ihr keine Zeit geblieben und die eisige Kälte der Nacht macht sich in ihren Fasern breit.

Gerade als sie sich Gedanken macht, ob sie durch diese missliche Lage, krank werden würde, legt sich etwas sanftes auf ihren Schultern ab. Durch die unerwartete Berührung zuckt die blauäugige einmal zusammen und blickt zurück. Die türkis, weiße Trainingsjacke des Zuspielers schmiegt sich um ihre Schultern und spendet dem Mädchen sofortige Wärme, weswegen ihr ein wohliger Seufzer entgleitet. Oikawa läuft inzwischen wieder stumm, nur in einem Shirt, neben ihr her und blickt hinab auf seine eigenen Füße.

Das Mai stehenbleibt, bemerkt Tooru erst gar nicht, viel zu verbissen starrt er auf den Boden, um seine roten Wangen zu verbergen. Nachdem er die leisen Fußschritte des Mädchens nicht mehr neben sich wahrnimmt, bleibt er verdutzt stehen und dreht sich um.

Die grauhaarige steht einige Meter hinter dem Jungen und schaut nervös in dessen Augen. Ihre Arme hat sie in den großen Jackentaschen versteckt und unruhig wippt sie vor und zurück.

„Was ist, alles gut?"

Nicht wissend, was passiert ist, stellt Tooru diese Frage und kommt auf die kleinere zu. Stumm nickt diese und kommt dem Jungen auch einwenig entgegen.

„Danke"

Hauchen tut sie diese Worte und schlingt danach sofort ihre zierlichen Arme um den muskulösen Körper des älteren. Mit dieser Umarmung will sie ihre aufrichtige Dankbarkeit aussprechen, denn noch nie zuvor hat sich jemand tatsächlich um ihr Wohl gesorgt. Geschockt steht Oikawa einige Zeit starr da und versteht erst nicht, was soeben passiert, doch dann erwidert auch er diese herzerweichende Umarmung.

Still stehen beide auf der leergefegten Straße, umschlungen von den Armen des anderen und genießen diese Zuwendung. Der Kopf des Mädchens liegt auf der festen Brust des Jungens und sie kann dessen aufgeregtes Herz schlagen hören, welches fast so schnell wie ihr eigenes zu schlagen scheint. Seinen Kopf vergräbt Oikawa in den Haaren von Mai, welche unwiderstehlich duften und dem Zuspieler Ruhe schenken. Warum wirkt sie bloß so anziehend auf ihn?

Langsam lösen beide sich aus der Umarmung und Mai schaut hinauf in die dunklen Augen von Tooru, welche nichts als Geborgenheit ausstrahlen. Erneut kann sie seinen Atem auf ihren Lippen spüren und ein angenehmes prickeln breitet sich auf ihrer Haut aus. Wie in einen Bann gezogen starrt Oikawa hinab auf die rosa Lippen der grauhaarigen und kann erkennen, dass auch das eisblau ihrer selbst auf seinen eigenen Lippen zu liegen scheint.

stitches | oikawa ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt