Immer wieder hallt der Schuss in ihren Ohren und ein kläglicher Schrei lässt Mai ihre Augen aufschlagen. Hektisch senkt und hebt sich ihr Brustkorb, den Schmerz ignorierend und verwirrt kraust sie die Stirn.
Wo ist sie hier?
Ein komplett weißer Raum erstreckt sich vor ihr und strahlend blendet sie die Umgebung. Erinnerungen schießen Mai in den Kopf und all die schrecklichen Bilder ziehen vor ihrem geistigen Auge ab. Sofort sieht die Grauhaarige an sich herab, nur um festzustellen das keinerlei Verletzungen ihren Körper zieren und ihre Haut sich sanft wie ein Seidentuch anfühlt.
„Das...das gibts doch nicht", murmelt sie zu sich selbst und langsam schreitet sie auf die einzige Türe zu, welche aus dem kahlen Raum herauszuführen scheint. Ihre Augen erhaschen ein Licht, welches von der anderen Seite zu kommen scheint und unsicher platziert sie ihre Hand auf der Türklinke, welche sich wie Rauch unter ihren Händen anfühlt.
Alles scheint schleierhaft zu sein, wie eine Schwade Rauch, den man mit bloßen Händen nicht zu greifen bekommt und zitternd öffnet sie die Türe, um hindurchgehen zu können.
Eine ihr plötzlich bekannte Umgebung erscheint und ein befremdliches Kinderlachen dringt in ihre Ohren. Das Herz schlägt Mai bis zur Brust, als sie schließlich realisiert, wo sie sich doch gerade befindet. Der Garten aus ihrer verblassten Kindheit breitet sich vor ihrer selbst aus und einen Schatten ihres Vergangenen Ichs tollt überglücklich in dem Grün herum.
Unglaubwürdig streckt sie ihre Hand aus, um sich selbst greifen zu können, doch starrt das kleine- ihr inzwischen so fremde- Mädchen sie bloß an, ehe es lachend verblasst.
„Warte", entgleitet es Mai, doch ist das Kind schon fort. Nicht begreifen kann sie, was hier vor sich geht und sackend fällt sie zu Boden. Eine Weile starrt sie auf das saftig grüne Gras unter sich, bis eine warme Hand sich auf ihrer Schulter platziert.
Überrascht fährt Mai herum, bloß um in das Gesicht ihrer verstorbenen Mutter zu sehen. Nicht fassen kann sie, was gerade geschieht und entsetzt öffnet sie ihren Mund, um etwas sagen zu können, doch scheint ihre Stimme vergangen zu sein.
Die Frau- das tatsächliche Ebenbild Mai's- kniet sich zu ihr herunter und zaghaft streicht sie ihrem Kind über die Wange, an welcher kleine Tränen herab perlen. „Meine kleine Mai", haucht sie und schwach lächelnd nimmt sie ihre Tochter in den Arm.
„Mama", jammert die Grauhaarige und beginnt bitterlich in den Armen ihrer Mutter zu weinen, feste an sie geschmiegt, um die so lange vermissten Berührungen auszukosten. Sanft streicht die Frau ihr immer wieder über den Hinterkopf, damit Mai sich beruhigt und mach einigen Momenten lösen sich beide voneinander.
Das Eisblau des Mädchens mustert die junge Dame vor sich und zitternd streckt sie die Hand nach ihr aus, nur um festzustellen, dass sie tatsächlich ihre Mutter vor sich sitzen hat.
„B-bin ich etwa tot..?", flüstert Mai heiser und muss schwer schlucken, als sie eine andere Person am Ende des Gartens erhaschen kann. Zeitlupenartig kommt ihr Vater auf sie zugeschritten und langsam lässt er sich neben seiner Frau nieder.
Seine Haut scheint straff und der ungepflegte Bart ist verschwunden. Seine Augen strahlen wieder und ein ehrliches Lächeln ziert seine Lippen, als er seinen Arm um seine Partnerin legt. Er scheint der zu sein, bevor ihre Mutter sie verlassen hat.
„Nein mein Kind, du kannst jederzeit zurück. Ich..wir haben dich noch ein letztes Mal sehen wollen, bevor wir gehen", spricht der Mann sanft und ein trauriger Ausdruck huscht über sein Gesicht.
„Ein letztes Mal?", Mai stockt und ihre Augen weiten sich.
„Vergib mir mein Kind. Ich habe die so viel Unrecht getan in all der Zeit meines Leidens und gar nicht erkannt, was ein Monster ich doch bin. Lebe glücklich und denke immer an uns."
„D-Du...du bist auch tot?", ihre Stimme zittert und verschwommen nimmt sie die Gestalt ihres Vaters wahr, der ein stummes Nicken hervorbringt. „Nicht noch mehr Leid habe ich dir zufügen wollen..versprich mir, dass du auf Sota acht gibst und das tolle Mädchen bleibst, das sie großgezogen haben."
Salzige Tränen kullern ihre geröteten Wangen herab und schniefend nickt Mai. Ein Schluchzen entgleitet ihr, als beide Eltern sie in die Arme schließen und lieb halten. „Ich vergebe dir Papa", haucht sie gebrechlich und schmiegt sich näher an die Brust des Mannes. Stufenartig beginnen sowohl ihre Mutter, als auch ihr Vater zu verblassen und panisch versucht das Kind ihre Eltern festhalten zu können, doch vergeblich.
„Wir haben dich so lieb Mai..unser Mädchen. Lass los..", sprechen beide schleierhaft, ehe sie sich in weißen Rauch auflösen. Überfordert sieht Mai im Raum umher, die Tränen rennen ihre Wangen herab und schreiend versucht sie ihre Eltern zurückzuerlangen.
„Mama! Papa!", wimmert sie und muss mitansehen, wie der Garten um sie herum verblasst. Ein lautes Piepen durchdringt ihre Ohren und schlagartig öffnet sie ihre Augen.
Eintönig scheint der Raum in dem sie sich befindet, gar fadenscheinig und schmerzerfüllt sieht sie hinauf in das Gesicht zweier ihr fremder Männer. „Wir haben sie nicht verloren."
„Sie sind am Leben Frau Nakamura..sie sind in Sicherheit."
———
Aua aua. Das Kapitel hat mich emotional gemacht ngl
Lots of love, bekki☀️
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stitches | oikawa ✓
FanfictionAlles andere als freundlich kann man die erste Begegnung zwischen Mai und Oikawa bezeichnen. Sein zu großes Ego und ihre abweisende Art lassen die beiden in eine Feindschaft geraten und sie können sich auf die Pest nicht ausstehen. Doch was ist, wen...
