Kapitel 29

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Nervös zupft Mai sich an den Ärmeln ihrer neuen Schuluniform, welche ihr so fremd erscheint. Mit sich selbst rangelnd, bringt sich das Mädchen nach einigen Sekunden dazu, das große Gebäude vor sich zu betreten. Einfach ist es nicht- das ist es noch nie gewesen- sich an seinem ersten Schultag zurecht zu finden und die grauhaarige hofft inständig, dass sie den Tag sorgenfrei übersteht.

Zaghaft, beinahe zurückhaltend, öffnet Mai die metallene Türe und tritt in das Schulgebäude ein, um ihren Klassenraum aufzusuchen. Schon gestern ist die grauhaarige nachmittags mit ihrem Bruder Sota hier gewesen, um die fehlenden Materialen zu besorgen und sich mittels eines Gespräches der Schulleitung vorzustellen. Auch der Klassenraum, in welchem sie fortan Unterricht hat, wurde ihr gezeigt und doch kann Mai sich einfach nicht erinnern, wo dieser denn nun genau liegt. Sie hat eben einen grauenhaften Orientierungssinn.

Ahnungslos macht die grauhaarige einige Schritte vorwärts und hält Ausschau, ob sie sich an irgendetwas hier erinnern kann, was ihr den Weg zu ihrem Klassenzimmer verrät. Verloren steht sie inmitten des riesigen Flures- erbärmlich muss es aussehen- und blickt panisch umher, wobei ihr all diese Spinde und Fenster so fremd vorkommen. Es ist eben einfach nicht die Aoba Johsai.

Ein Quietschen von Schuhen, auf dem Boden ertönt und ehe Mai überhaupt reagieren kann und realisiert, was soeben passiert, wird sie von einem Jungen umgerannt. Mit einem lauten Geräusch macht die grauhaarige Bekanntschaft mit dem kalten, schmutzigen Boden unter sich und ein stechender Schmerz durchfährt ihren gesamten Körper.

„Scheiße! Das tut mir leid..ich hab dich gar nicht gesehen." Hilfsbereit streckt der Fremde ihr seine Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen. Zaghaft legt Mai ihre Hand in die des Unbekannten und wenige Sekunden später, steht die grauhaarige wieder auf ihren Beinen.

Zum ersten Mal blickt das Mädchen in das Gesicht ihres Gegenübers und muss feststellen, dass dieser weitaus kleiner als sie selbst ist. Während sich ein roter Hauch auf den Wangen der grauhaarigen ablegt und sie beschämt ihren Blick abwendet, wird das Grinsen auf dem Gesicht des Jungen immer breiter. Zwar tut es ihm unheimlich leid, dieses Mädchen umgerannt zu haben, aber wäre es nicht passiert, dann hätte er jetzt keine Bekanntschaft mit ihr gemacht.

„Kann es sein, dass du neu bist? Ich habe dich noch nie hier gesehen..", nachdenklich legt der Fremde seinen Zeigefinger am Kinn ab und mustert das Mädchen, welches hektisch als Antwort nickt, amüsiert.

„Wie heißt du denn?"

„Mai Nakamura." Leicht verbeugt sich die grauhaarige vor dem Jungen und schenkt ihm ein schüchternes Lächeln, welches er natürlich sofort viel strahlender erwidert.

„Gut, ich bin Yuu Nishinoya. Zweitklässler."

Verstehend nickt Mai und starrt dem braunhaarigen in das beinahe makellose Gesicht. Tatsächlich sieht er sehr freundlich aus, wenn er sie so keck anlächeln tut und seine Haare-mit der blonden Spitze- wild in alle Richtungen abstehen.

„Weißt du vielleicht, wo mein Klassenraum ist? Ich finde mich einfach nicht zurecht."

„Natürlich, in welche Klasse musst du denn?" Freundlich blickt Nishinoya seiner Gegenüber ins Gesicht und muss feststellen, dass diese peinlich berührt ihren Kopf senkt. Tatsächlich hat Mai es geschafft, auch das zu vergessen.

„I-Ich weiß nicht.." krächzend gibt sie diese Worte von sich und merkt, dass ihr die Hitze in die Wangen steigt.

Einen Moment hält Nishinoya inne und mustert das Mädchen vor sich nachdenklich.
„Das ist überhaupt kein Problem. Komm mit, wir werden deinen Klassenraum schon finden!"

Nickend bestätigt Mai die Aussage des Jungen und erleichtert atmet sie aus. Wäre der kleinere nicht in sie hineingelaufen, dann würde sie ihre Klasse wohl heute nicht mehr finden und vielleicht kann sich die grauhaarige schon trauen zu sagen, dass sie hiermit bereits ihren ersten Freund gefunden hat.

stitches | oikawa ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt