London A-Z

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"Sie werden morgen in China ankommen".

"Nicht ohne dem, wofür sie gekommen sind". Sherlock legte seinen Schal auf den schwarzen Ledersessel, in dem ich es mir gemütlich machte.

Er beobachtete mich etwas gereizt, wohlmöglich wollte er sich hinsetzten. Aber ich gebe den Stuhl nicht so leicht wieder ab.

Mit einem Schnalzen führte er fort. "Wir müssen ihr Versteck finden. Es steckt in der Nachricht, irgendwo muss sie es uns sagen". Nachdenklich streckte er seine Hand zur Kriminalwand und lenkte seine Finger über die Zeilen.

"Also, wenn Sie hier weitermachen, sollte ich lieber gehen", sagte die junge Frau.

"Oh, nein, nein Sie sollten definitiv bleiben, Sarah". "Ja, es wäre hilfreich, ich muss mich konzentrieren", brabbelten John und Sherlock gleichzeitig.

"Nein, nein er macht nur Scherze, bitte bleib wenn du willst".

Nervös legte sie eine Strähne hinter das Ohr und lächelte irritiert. "Bin ich es nur, oder ist noch jemand am verhungern".

"Oh Gott", zog Sherlock lang. Ich versuchte seine Unhöflichkeit mit einem lauten Auftreten zu übertrumpfen. Als könnte dieser Abend nicht schon peinlicher genug werden.

Sarah war nämlich Johns Date und Sherlock hegt eine natürliche Abneigung gegen sie. Warum? Keine Ahnung

"Ich verabschiede mich dann".

"Wo gehen Sie hin?".

"Schlafen. Wenn es ihnen passt", sagte ich.

Ich hallte es keinen Moment länger in dieser angespannten Kombination aus.

~

"Eeve! Eeve", hörte ich eine dumpfe stimme in mein Gedächtnis prallen.

Gott, kann ich nicht mal eine Nacht Pause haben. Es sind nicht mal zwanzig Minuten gewesen.

Sherlock donnerte laut gegen meine Wohnungstür.

"Was ist Sherlock-".

"John wurde entführt!".

"Was?".

"Ziehen Sie ihn an". Er rannte in mein Wohnzimmer und schnappte sich meinen Mantel vom Kleiderständer. Gezwungen schob er mich aus meinem Wohnzimmer. "Warten sie mein Schlüssel", rief ich, doch die Tür schlug zu.

"Wir haben keine Zeit, kommen Sie!".

~

Ich hörte Stimmen am Ende des Tunnels und sah eine flackernde Lichtquelle.

"Woher wussten Sie, wo sie sind?", flüsterte ich. Wir versteckten uns hinter einen großen Lieferwagen, der in einem abgelegenen Tunnel stand.

"Das Buch, das wir für die Entschlüsselung des Codes benötigt hätten, war London A-Z".

"Einen Reiseführer?".

Er nickte angespannt. "Der Code enthüllte die Nachricht für ein vereinbartes Treffen, das uns hier her führt".

"Okay und wie gehen wir vor?".

"Improvisation".

"Wa-".

Er tauchte hinter dem Lastwagen auf und durchkreuzte die Konversation der Kidnapper und John.

Ich erhaschte einen genaueren Blick auf die beiden. Sarah saß angebunden und mit verklebten Mund neben John. 

Beide wurden von einer kleinen Frau mit schwarzen kurzen Haaren bedroht. Ihren Akzent zu urteilen, klang sie asiatisch.

"Sie sollten ihm glauben. Sherlock Holmes ähnelt ihn in keiner Weise. Wie würden Sie mich beschreiben John?".

Während Sherlock mit den anderen seine Spielchen spielte, blickte ich mich um. 

Neben dem Lastwagen standen rostige lange Stangen und veraltete Werkzeuge. Ich schnappte mir eine altes Brecheisen, das nicht einmal mehr den typischen Bogen an der Spitze besaß.

Raschelnde Kieselsteine, von denen ich wusste, dass Sherlock sie nicht aufwühlte, ertönten.

Schließlich stand der Detektiv gegenüber von mir.

Mit ausgeholten Armen, hielt ich die rostige Stange in beiden Hände. Die Hand des Detektives hob sich langsam. Seine Zeigefinger spitze sich und die Schritte kamen näher und näher.

Als ich den ersten Zipfel des Ärmels, von einer der Kidnapper erkannte, gab mir Sherlock ein Zeichen. Ich holte weit aus und schlug erst auf die Genitalien und danach auf den Hinterkopf.

Er blickte überrascht hinunter und dann zu mir. Ich hatte das Gefühl er wollte etwas sagen, doch ließ es dann wieder sein.

Er rannte nach vorn und trat heftig gegen einer der brennenden Tonnen.

Dass in dem Gesicht der Frau, welche die Waffe hielt, Angst aufstieg, konnte ich von hier sehen. Sie steckte die klapprige Pistole ein und verschwand in der Dunkelheit.

Natürlich, der Boss ist der größte Feigling von allen. Wie ironisch.

Schnell rannte ich dem Mann im Mantel hinterher, doch ein weiterer Kidnapper packte mich von hinten. 

Mit seiner rauen Hand angelte er den Kragen meines Mantels und schmiss mich anschließend -als wäre ich ein Stein- 1,5 Meter nach vorn.

Hart fiel ich auf mein Bein.

Mit verzerrten Gesicht zischte ich scharf die Luft ein und krauchte, so weit es ging von ihm weg.

Ich versuchte mich aufzurappeln, doch kippte um, als ein heftiger Schmerz sich durch mein gesamtes Bein zog.

Plötzlich hörte ich, wie er sich das Brecheisen schnappte und wütend auf mich zu kam.

Ich riss mich zusammen und stellte mich auf meine wackligen Beine.

Der Angreifer schliff bedrohlich mit den Schuhen über den Kies und schwang das Brecheisen in seiner linken Hand.

Als ich ein weiteres Mal holperte, schnitt sich mein Aufprall mit dem lauten Geräusch eines abgeschossen Pfeils.

Geschockt blickte ich hoch und sah einen Mann mit einem Mantel zu Boden fallen.

Sherlock stand daneben und rankte nach Luft, vor ihm die total verheulte Sahra am Stuhl gefesselt.

"Du kannst mir nicht entkommen". Sagte der breite Mann und holte angsteinflößend mit der Metallstange aus. Er schleuderte sie hinunter und traf den dreckigen Boden.

Noch einmal schlug er sie nieder. Mit Mühe wich ich ihr aus.

Nun stand er direkt über mir. Ich blickte panisch zur Seite.

Dreck schoss mir ins Gesicht, als knapp neben mir ein kleines metallenes Stück landete.

Gespielt schaute ich nach rechts und zeigte auf die leere Wand. "Was ist das?", sagte ich.

So dumm, wie ich den Schläger einschätze schaute er hart nach rechts.

Ohne zu zögern griff ich nach einem Schraubenschlüssel und schlug es ihm ein weiteres Mal heftig zwischen seine Beine. 

Ich rutschte trotz Schmerzen unter ihn hindurch und dreschte ihm das Ding gegen den Kopf.

Die Schmerzen ließen etwas nach, wohlmöglich wegen des Adrenalinkicks.

Ich joggte zum riesigen Katapult und half Sahra mit ihren verbundenen Händen und Beinen. 

Danach John, der umgekippt -immer noch am Stuhl gebunden- im Dreck lag. Er hatte eine große Wunde an der Stirn, die blutend auf den Boden tropfte. 

"Mach dir keine Sorgen, das nächste Mal gehen wir ins Kino", versicherte er Sarah.

An undefined LovestoryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt