#15 Nicht nachdenken, sondern machen

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Jordan

Vom Küchenfenster aus schaute ich hinab auf die Straße. Seit ein paar Minuten wartete ich darauf, dass Zoe nach Hause kam, da ich Essen bestellt hatte. Logan war bereits vor zwei Stunde gefahren, da er etwas erledigen musste. Ich hatte nicht nachgefragt, was er machen musste, da ich nicht zu neugierig sein wollte. Meine Vermutung war, dass er die Sache vom Mittag mit Jamie klärte. Als ich das Auto von meiner Schwester erkannte, wendete ich mich vom Fenster ab, um uns Wein einzuschütten. Die blutrote Flüssigkeit war immer gut, um den Abend entspannt ausklingen zu lassen. Mit den beiden Gläsern setzte ich mich an den Küchentisch und im selben Moment hörte ich, dass die Haustür geschlossen wurde.

„Hier riecht es köstlich", rief Zoe, worauf ich das öffnen ihrer Zimmertür hörte. „Wenn du hoffst, dass ich selber gekocht habe, muss ich dich leider enttäuschen", antwortete ich in der gleichen Lautstärke. Sofort vernahm ich ihr Lachen, welches näher kam. „Wenn du nicht kochst, kann ich mir zumindest sicher sein, dass du dich nicht verbrennst", gab sie belustigt zurück.

Gespielt entsetzt schaute ich sie an, da die Aussage leider wahr war. Mit einem Grinsen öffnete sie den Pizzakarton. Ich hoffte, dass die Pizzeria an ihren extra Käse gedacht hatte, denn das hatte ich zuvor nicht kontrolliert. Da sich nur bedankte und beherzt in das dreieckige Stück hinein biss, konnte ich erleichtert ausatmen. Wenn es nach ihr ging, konnte überall extra Käse drauf. Im Kino bestellte sie sich auch Nachos mit viel zu viel Käse. Die Mitarbeiter schauten sie dann meist skeptisch an, aber gingen dann ihrem Wunsch nach. Bei ihrer dünnen Figur konnte ich den Blick meistens nachvollziehen, da man es nicht von ihr erwartete.

„Wie war es mit Logan?", fragte Zoe nach. Um die Antwort noch einen Moment herauszuzögern, nahm ich einen großen Schluck von meinem Wein. „Es war schön", antwortete ich knapp. Genervt verdrehte meine Schwester ihre Augen. „Wenn ich so eine Antwort haben möchte, kann ich mit einer Wand reden, bei der die Farbe trocknet. Ich möchte Details haben", forderte sie mich auf.

In dem Moment verfluchte ich sie, für ihre Neugier. Bei solchen Gesprächen hatte ich meist das Gefühl, dass ich das ganze Geschehene selbst noch nicht vollständig realisiert hätte. Ich kam mir wie ein Beobachter meines eigenen Lebens vor. Für mich war noch nichtmal klar, wo ich überhaupt anfangen sollte. Der Anfang war wohl das beste, aber ab wann startete dieser? Beim Frühstück? Bei Logans Wohnverhältnissen? Am See? Die Begegnung mit Jamie? Oder als ich ihn küssen wollte und zu feige war? Das Alles war viel zu durcheinander, um einen Antwort zu finden. Intensiv schaute Zoe mich an, da sie auf eine Reaktion von mir wartete, die ich anscheinend nicht lange herauszögern durfte.

„Ich wollte Logan küssen", platzte es schließlich überfordert aus mir heraus. Ungläubig schaute Zoe mich an, wobei sie ihr Stück Pizza langsam sinken ließ. „Und warum hast du das dann nicht gemacht?", fragte sie schließlich nach. Wahrscheinlich glich mein Blick einem Reh, welches im Scheinwerferlicht stand. „Ich möchte nicht, dass das alles zwischen uns kaputt macht. Wir verstehen uns so gut und er hat sich nach dem Überfall um mich gekümmert, ohne etwas dafür zu wollen", sagte ich. Meine Stimme zitterte ein wenig bei der Erinnerung.

Wir kannten uns gerade mal ein paar Wochen, aber zwischendurch fühlte es sich so an, als wir schon Jahre befreundet wären. Dieses Gefühl war magisch und ich wollte es nicht verlieren. Besonders nicht durch einen impulsiven Kuss. Ich musste mir diesen Gedanken ganz dringend aus dem Kopf schlagen, wenn ich unsere Freundschaft weiterhin erhalten wollte. Mit beiden Hände fuhr ich mir durch die Haare, wobei eine schmerzhafter Stich meine Schulter durchfuhr. Vielleicht war ein Besuch beim Arzt keine schlechte Idee, überlegte ich. Indem ich meine Pizza weiter aß, versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen. Zoe hatte nämlich ebenfalls gemerkt, dass die Schmerzen seit ein paar Tage wieder schlimmer waren. Alle paar Wochen war es das gleiche, aber es war bisher noch nie so schmerzhaft gewesen.

Zeit ist GeldGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt