Marek
Ungläubig schaute ich Jordan an, als er mir erzählte, dass er eine dritte Filiale eröffnen wollte. Vor ein paar Wochen hatte ich ihn noch gebeten Urlaub zu machen und pünktlich Feierabend zu machen, wodurch ich nicht gedacht hatte, dass er das daraus machte. Eine weitere Filiale bedeutete, dass er noch mehr arbeiten würde, was mit mehr Stress einherging. Er müsste wieder einen neuen Mitarbeiter einarbeiten. Mir gefiel es nicht, obwohl ich ihm den Erfolg gewährte. Meiner Meinung nach, überreizte er sein Glück mit einer weiteren Filiale.
„Zoe sucht mir bestimmt einen guten Standort", beendete Jordan seinen Monolog. Bestätigend nickte ich. „Ich denke, dass du noch etwas warten solltest. Zumindest bis der Sommer anfängt", sagte ich. Mit einem skeptischen Gesichtsausdruck presste er seine Lippen zusammen. „Keine schlechte Idee", stimmte er zu.
Erleichtert atmete ich aus, denn ich hatte es geschafft, dass er noch wartete. So knapp vor Silvester hätte das sowieso nicht viel gebracht. Dazu kam, dass bald Logans Todestag war und ich vermutete, dass die Zeit nicht leicht für ihn werden würde. Dass Jordan das vergessen haben könnte, dachte ich nicht. Ich merkte immer wieder, besonders in den letzten Wochen, dass er in Gedanken war. Er schaute manche Sachen, wie das gravierte Weinglas, länger als sonst an. Wenn wir die Nacht zusammen verbrachten, schlief er unruhiger. Manchmal dachte ich, dass er jeden Moment zusammenbrechen würde, aber das war bisher nicht mehr der Fall gewesen. Leise klopfte es an der Zimmertür und kurz darauf öffnete sie sich, da Zoe reinkam. Schmunzelnd setzte sie sich auf die Bettkante.
„Jordan, du hast die Shops über Silvester geschlossen, oder?", fragte sie nach. Hoffnungsvoll schaute sie ihren Bruder an. „Ja. Bluefort bleibt eine Woche geschlossen, da Ray bei seiner Familie ist. Clair habe ich für die Zeit Urlaub gegeben, wodurch ich den unten ab nach Neujahr alleine mache", erzählte Jordan. Überrascht hob sie ihre Augenbrauen. „Meinst du nicht, dass du dann auch Urlaub machen könntest?", wollte sie wissen. Ich war erleichtert, dass sie die Frage stellte. „Nein, ich möchte arbeiten", antwortete er.
So schnell war meine Hoffnung verpufft. Nachdem ich ihn das letzte Mal gebeten hatte Urlaub zu machen, traute ich mich gar nicht mehr eine Frage in die Richtung zu stellen. Er hatte mir deutlich zu verstehen gegeben, dass er das nicht wollte. Zwar hielt ich das nicht für gut, aber ich wollte wegen so etwas nicht unsere Beziehung aufs Spiel setzen. Zoe schüttelte ihren Kopf, bevor sie ihn flehend anschaute. Vielleicht schaffte sie es ihn zu überreden, dachte ich mir. Zumindest ein freier Tag mehr wäre gut. Jordan blieb standhaft und starrte sie nur zurück an. Wenn ich mich nicht vollkommen täuschte, durfte sein Tag nur noch aus arbeiten, Wein trinken und schlafen bestehen. Im Grunde erlaubte er sich unter der Woche keine Freizeit oder Spaß, was schade war. Er lebte sein Leben nicht weiter, denn es war am nächsten Punkt stehen geblieben.
„Möchtet ihr an Silvester etwas alleine machen oder seid ihr hier?", wollte sie von uns wissen. Fragend schaute ich zu meinem Freund, da ich nicht wusste, ob er etwas geplant hatte. „Wir sind hier", antwortete Jordan schließlich. „Wollen wir vielleicht Jamie einladen? Ich denke, dass er alleine ist, nachdem seine Frau verstorben ist", fragte Zoe vorsichtig. „Ich frage ihn", antwortete ihr Bruder mit zusammengebissenen Zähnen. „Es wäre keine schlechte Idee", sagte ich.
Warnend schaute mein Freund mich an, aber der genaue Grund dafür war mir unklar. Sanft gab ich ihm einen Kuss auf die Wange, damit unsere Stimmung nicht kippte. In der gleichen Intensität streichelte er mir über den Oberarm, wodurch ich vermutete, dass er über meine Zustimmung nicht böse war. Ich wollte nämlich nicht, dass wir uns noch vor den Feiertagen stritten, denn dann bestand die Gefahr, dass wir sie nicht zusammen verbrachten. Im Vorjahr waren meine Feiertage bereits einsam gewesen. Meine einzige Gesellschaft war der Alkohol gewesen und ein ganz kurzer Besuch von Logan. Nachdem Zoe ihren Bruder nochmal bittend angeschaut hatte, stand sie auf und verließ das Zimmer.
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Zeit ist Geld
Teen FictionZwei Männer. Eine Auktion. Jeder ein anderes Ziel. Im Auktionshaus Caparelli werden keine wertvollen Gegenstände ersteigert, sondern Dates. Während die Auktion für den einen die Zukunft bestimmt, würde der andere lieber mit einem Glas Rotwein zu H...
