#26 Eingeschränkt

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Logan

Obwohl ich vermutete, dass Jordan eifersüchtig war, sagte ich die Verabredung mit Marek trotzdem nicht ab. Ich war froh, dass er das Treffen selber vorgeschlagen hatte, da es mir zeigte, dass er sein Leben weiter lebte und es nicht zum stillstand kam. Genau so etwas wünschte ich mir auch für meinen Partner, wenn ich irgendwann von dieser Welt ging.

„Verstehe ich das richtig? Du kannst deinen Bruder nicht ausstehen, aber hast zugelassen, dass er Jordan behandelt?", fragte Marek nach. Ich hatte ihn auf seine Nachfrage hin auf den aktuellen Stand gebracht. „Ja. Jamie weiß, was er macht. Wenn ich einen anderen Eindruck gehabt hätte, hätte ich um einen anderen Arzt gebeten", antwortete ich.

Als er nicht an die Entzündung in Jordans Schulter gedacht hatte, war ich sauer gewesen, aber ich hatte es ihm verziehen. Jamie hatte genügend andere Patienten und konnte sich nicht alle Krankengeschichten merken. Dass er keine Reue zeigte, störte mich, aber ich wusste, dass er das noch nie getan hatte. Es gehörte mit zu seiner Gefühllosigkeit. Mich verwunderte nur immer wieder, dass er auf Dauer Gefühle für jemanden fälschen konnte und das so erfolgreich. Ich vermutete, dass er jahrelang Menschen beobachtet und analysiert hatte, um zu wissen, wie er reagieren musste. Mir oder unserem Vater gegenüber machte er sich gar nicht die Mühe, da wir ihn kannten. Anstatt weiter darüber nachzudenken, nahm ich einen Schluck von meinem Drink.

„Jordan würde dich gerne kennenlernen, wenn er wieder gesund ist", sagte ich. Eigentlich wollte ich das nicht ansprechen, aber ich wollte von meinem Bruder ablenken. „Ich weiß nicht. Ist das nach unserer letzten Begegnung nicht komisch?", druckste Marek unruhig herum. Er war niedlich, wenn er so unsicher war. „Nein, aber du musst auch nicht, wenn du nicht möchtest. Jordan hatte mich gefragt und ich wollte das nicht alleine entscheiden, da es schließlich um dich geht", erklärte ich.

Verwundert legte Marek seinen Kopf schief. Ich war mir selber unsicher, ob ein kennenlernen eine gute Idee war. Das einzige, was ich damit befriedigen konnte, war Jordans Eifersucht. Oder ich hätte Pech und es würde sie noch mehr anfeuern. Er sollte nicht eifersüchtig sein, aber das konnte ich nicht verhindern. Im Grunde war das nur ein Beweis für seine Gefühle gegenüber mir, was mich eigentlich glücklich machen sollte. Mir war noch nichtmal hundertprozentig klar, woher sie kam, da ich ihm erklärt hatte, warum Marek früher bei mir gewesen war. Jordan hatte Verständnis gezeigt, wodurch mir das alles merkwürdig vorkam. Vielleicht war er einfach nur interessiert, mit wem ich befreundet war, überlegte ich, denn das klang logisch.

„Wenn du kein Problem damit hast, können wir etwas zu dritt machen", sagte Marek schließlich. Erleichtert atmete ich aus. „Ich werde dir dann auf jeden Fall Bescheid geben, wenn Jordan wieder gesund ist", versicherte ich ihm. „Wenn es wirklich nur eine leichte Lungenentzündung ist, dürfte das nicht allzu lange dauern", war er überzeugt. Zustimmend nickte ich.

***

Mal wieder hatte ich Rosen gekauft, welche ich Jordan überreichte, nachdem ich das Wohnzimmer betreten hatte. Er sah müde aus, aber man konnte trotzdem die Freude in seinen Augen erkennen. Lächelnd legte er die Blumen auf dem Tisch ab. Federleicht gab ich ihm einen Kuss auf die Wange, als ich mich neben ihn setzte. Direkt kuschelte er sich an mich.

„Setzt du dich hinter mich?", fragte Jordan leise nach. Unweigerlich musste ich lächeln. „Dann musst du nach vorne rutschen", forderte ich ihn auf, was er sofort tat.

Ohne Probleme ließ ich mich hinter ihm nieder und legte meine Beine von außen an seine. Sanft streichelte ich ihm über die Brust bis zu seinem Bauch, was ein wohliges Seufzen bei ihm auslöste. Entspannt lehnte er seinen Kopf gegen meine Brust. Die Küsse, die ich auf seinem Hals verteilte, änderten sein Seufzen in ein leises Stöhnen. Als er anfing zu husten, fiel mir wieder ein, dass ich ihn nicht heiß machen sollte. Es strengte seinen Körper viel zu sehr an. Provokant zuckte seine Hüfte nach oben, was mich meine Erkenntnis fast über Bord schmeißen ließ. Sanft übte ich Druck auf seine Oberschenkel aus, damit er blieb, wo er war. Er murrte, da er anscheinend frustriert war, was ich in seiner Situation nachvollziehen konnte. Jordan war durch seine Gesundheit eingeschränkt und fühlte sich wahrscheinlich dementsprechend.

Zeit ist GeldWo Geschichten leben. Entdecke jetzt