#39 Weiße Rosen

72 10 0
                                        

Jordan

Es war Logans Todestag und ich war bei Ray im Shop, anstatt dem Drang, zu weinen, zu trinken und Süßkram zu essen, nachzugehen. In der Nacht hatte ich kaum geschlafen, was man mir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit anmerkte. Von Ray hatte ich zumindest schon besorgte Blicke erhalten, aber ignoriert. Glücklicherweise stellte er keine Frage, wahrscheinlich weil er sich vorstellen konnte, was los war. Freundlich lächelte ich die Dame vor mir an, nachdem sie bezahlt hatte. Heute war ein Tag, an dem wenig los war, wodurch es nicht dramatisch war, wenn ich Gedanken war. Bei dem Mann, den ich noch immer liebte und nie wieder bekommen würde. Tränen stiegen mir in die Augen, aber ich blinzelte sie tapfer weg, während mein Blick an die Decke ging. Ich wollte frustriert auf den Verkaufstresen schlagen, aber machte es nicht, da ich keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen wollte. Als ich wieder gerade aus schaute, stand vor mir ein Mann mit Blumen. Weiße Rosen. Das Universum mochte mich anscheinend wirklich nicht.

„Ich habe hier Blumen für Jordan Zambrano", sagte er. Verwundert schaute ich ihn an. „Das bin ich", brachte ich leise hervor.

Ohne ein weiteres Wort überreichte er mir den kleinen Strauß, wofür ich bedankte. Neun weiße Rosen. Ewige und reine Liebe. An der Seite steckte eine kleine Karte, die ich auseinander faltete. Ein Wort. Liebling. Mein Herz setzte einen Moment aus, aber dann wurde ich wütend. Das musste ein schlechter Scherz sein. Ein sehr schlechter. Ray, der die Tische am aufräumen war, sagte ich Bescheid, dass ich im Büro sei, wo ich mich direkt hin verzog. Kaum hatte ich mich auf dem Drehstuhl niedergelassen, klingelte mein Handy. Verwundert schaute ich auf das Display, da Clair die Anruferin war.

„Ist etwas passiert?", fragte ich direkt, als ich den Anruf annahm. Leise kicherte sie. „Keine Sorge, der Shop steht noch. Ich wollte nur Bescheid geben, dass hier Rosen für dich angekommen sind", informierte sie mich. Wütend presste ich meine Zähne auf einander. „Weiße? Neun Stück? Mit einer Karte, wo Liebling drauf steht?", wollte ich wissen. „Richtig, ich lege sie ins Büro", sagte sie. „Mach das, ich komme später vorbei", meinte ich und legte danach auf.

Mein Kiefer schmerzte bereits von dem aufeinander pressen meiner Zähne. Erneut zog ich die Karte hervor und schaute mir die Schrift an. Da ich nie Mareks Handschrift gesehen hatte, konnte ich nicht ausschließen, dass er das gewesen war. Zoe traute ich das nicht zu, aber ihr würde ich das auf jeden Fall erzählen und mir ihre Reaktion anschauen. Ansonsten fiel mir nur noch Jamie ein, der es gewesen sein könnte, da die Möglichkeit bestand, dass Logan ihm davon erzählt hatte. Das geschriebene musste nicht zwingend von dem Absender sein, kam mir in den Sinn. Genervt legte ich meine Stirn auf meine Hände ab. Ich verfluchte den Blumenstrauß, da er zu viel in mir auslöste. Wenn ich im letzten Jahr weiße Rosen gesehen hatte, musste ich direkt an Logan denken, was mir jedes Mal weh getan hatte. Die Karte machte es nur noch schlimmer. Es fühlte sich an, als ob mir jemand mein Herz rausgerissen hätte und dann zerquetscht hätte, um es wieder in meinen Körper zu stecken. Erneut griff ich nach meinem Handy und wählte die Nummer von Jamie. Nachdem ich zwei Mal auf der Mailbox gelandet war, versuchte ich es noch ein letztes Mal. Ungeduldig tippte ich auf der Tischplatte herum.

„Sag mir, dass du einen guten Grund hast, um mich zu wecken", brummte Jamie. Mist, ich hatte gar nicht daran gedacht, dass er eine Nachtschicht gehabt haben könnte. „Hast du mir Rosen geschickt?", fragte ich geradeheraus. Das war kein guter Grund. „Warum sollte ich? Wenn ich vögeln wollen würde, würde ich das sagen", sagte er. „Ich dachte, dass du dir vielleicht einen schlechten Scherz erlaubt hast. Logan hat mir immer welche geschenkt", erklärte ich. „Ich gehe dann jetzt wieder schlafen", nach den Worten legte er auf.

Wenn ich im Nachhinein darüber nachdachte, ergab es auch keinen Sinn, warum Jamie so etwas machen sollte. Er hatte schließlich bisher keine Anstalten gemacht, dass er mich verletzen wollte. Nun kam mir nur noch Marek in den Sinn, da ich ihm erzählt hatte, dass Logan mir immer Rosen geschenkt hatte. Am Anfang unserer Beziehung hatte ich ihn gebeten, dass er mich nicht Liebling nannte, da Logan den Kosenamen für mich benutzt hatte. Ich wollte nicht jedes Mal bei einem Kosenamen an ihn erinnert werden. Die Wunde, die damit hinterlassen wurde, war noch lange nicht geheilt, wie ich feststellte. Wenn Marek mit meinem Kaffee kam, was nicht mehr lange dauern durfte, würde ich ihn darauf ansprechen. Für ihn hoffte ich, dass er es nicht gewesen war, da ich dann unsere Beziehung beenden würde und den Kontakt abbrechen würde. Leise klopfte es an der Tür, wodurch ich die Person hereinbat. Zu meiner Verwunderung war es Ray.

Zeit ist GeldGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt