Der nächste Morgen kam viel zu schnell, aber als ich aufwachte, erinnerte ich mich sofort an den Filmabend mit Nathon und spürte ein leichtes Kribbeln der Vorfreude auf den neuen Tag. Es war das erste Mal seit meiner Ankunft, dass ich mich wirklich auf einen Schultag freute. Nicht wegen des Unterrichts, sondern weil ich Nathon wiedersehen würde. Der Austausch mit ihm hatte etwas in mir geweckt, das ich noch nicht ganz verstehen konnte.
Nachdem ich mich fertig gemacht hatte – heute entschied ich mich für eine dunkelblaue Jeans und ein schlichtes weißes T-Shirt – ging ich die Treppe hinunter. Laurie war bereits auf dem Weg zur Arbeit, und Nathon saß allein am Küchentisch, ein Buch vor sich und eine Tasse Kaffee in der Hand. Das Sonnenlicht fiel durch das Fenster und tauchte die Küche in ein sanftes Morgenlicht.
„Guten Morgen“, sagte ich, als ich den Raum betrat.
Nathon sah auf und schenkte mir ein kurzes Lächeln. „Morgen, Lena. Gut geschlafen?“
„Ja, sehr gut. Und du?“, antwortete ich, während ich mir ein Glas Orangensaft einschenkte.
„Auch gut. Der Film gestern hat mich irgendwie zum Nachdenken gebracht“, sagte er, während er sein Buch zuschlug und zur Seite legte. „Manchmal ist es gut, solche Filme zu sehen. Sie erinnern einen daran, dass es noch mehr gibt als den Alltag.“
Ich nickte zustimmend. „Das stimmt. Manchmal vergisst man das in all dem Trubel.“
Wir frühstückten still weiter, und ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass Nathon etwas auf dem Herzen hatte. Seine Blicke waren ab und zu in die Ferne gerichtet, und obwohl er physisch hier war, schien er mit seinen Gedanken woanders zu sein.
Als wir uns auf den Weg zur Schule machten, durchbrach Nathon plötzlich die Stille. „Lena, ich wollte dich etwas fragen…“
„Klar, was denn?“, sagte ich und versuchte, nicht zu neugierig zu klingen.
Er zögerte einen Moment, als ob er die richtigen Worte suchte. „Was hast du eigentlich gedacht, als du hierhergekommen bist? Ich meine, über die Leute hier, über mich?“
Die Frage überraschte mich. „Um ehrlich zu sein, ich war ziemlich nervös. Alles war neu, und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Aber jetzt, nach diesen Wochen… Ich bin wirklich froh, hier zu sein. Ihr seid alle so nett zu mir, und… ich fühle mich langsam richtig wohl.“
Nathon lächelte, aber es war ein nachdenkliches Lächeln, als ob meine Worte etwas in ihm auslösten. „Ich bin auch froh, dass du hier bist“, sagte er leise. „Es hat sich einiges verändert, seit du da bist.“
Bevor ich darauf reagieren konnte, hatten wir die Schule erreicht. Der Rest des Vormittags verging schnell, doch die Gespräche mit meinen Mitschülern fühlten sich heute anders an. Ich konnte nicht aufhören, an Nathons Worte zu denken. Was genau meinte er damit, dass sich einiges verändert hatte? War es nur eine freundliche Bemerkung, oder steckte mehr dahinter?
Nach der Schule hatte ich eine Freistunde, und anstatt nach Hause zu gehen, entschied ich mich, in der Bibliothek zu bleiben. Die Ruhe des Raums half mir, meine Gedanken zu ordnen. Ich saß zwischen den Bücherregalen, das Notizbuch vor mir aufgeschlagen, und versuchte, das Durcheinander in meinem Kopf zu sortieren. Doch immer wieder schweiften meine Gedanken zu Nathon ab.
Plötzlich vibrierte mein Handy. Es war eine Nachricht von ihm.
**Nathon:** Hey, hast du nach der Schule noch was vor?
Ich überlegte kurz, ob ich schon eine Ausrede parat haben sollte, entschied mich dann aber, ehrlich zu sein.
**Lena:** Eigentlich nicht. Warum?
DU LIEST GERADE
Heartstrings in the U.S
RomanceDie 17-jährige Lena beginnt ihr Austauschjahr in einem beschaulichen amerikanischen Städtchen, wo sie von der Familie Collins aufgenommen wird. Zwischen den alltäglichen Abenteuern und dem neuen Leben entwickelt sie eine unerwartete Verbindung zu Na...
