Der nächste Tag begann, wie es schon zur Routine geworden war: der schrille Klang meines Weckers riss mich aus dem Schlaf, und für einen Moment lag ich einfach nur da, die Augen geschlossen, das Gewicht der Decke auf mir spürend. Doch anders als sonst fühlte ich mich nicht überfordert von dem Gedanken an einen weiteren Schultag in Amerika. Irgendetwas hatte sich verändert – ein kleines, fast unmerkliches Detail, das alles leichter erscheinen ließ.
Ich dachte an das Gespräch mit Nathon zurück. An die Gitarre, die ruhigen Momente in seinem Zimmer, die Art, wie er mich angesehen hatte. Es war etwas Besonderes, etwas, das ich nicht recht in Worte fassen konnte. Ein Funke, der sich still und leise in mein Herz geschlichen hatte.
Nach einer schnellen Dusche zog ich mein Lieblingsoutfit an: eine bequeme Jeans und ein hellblaues Oberteil, das meine Augen hervorhob – zumindest hatte meine Mutter das immer gesagt. Ich vermisste sie. Trotz allem, was ich hier erlebt hatte, gab es Momente, in denen ich sie einfach anrufen wollte, nur um ihre Stimme zu hören.
Als ich unten in die Küche kam, war Laurie schon am Tisch und trank ihren Kaffee. Ihr Mann, den ich jetzt einfach Steve nennen durfte, las in der Zeitung. Die beiden wirkten entspannt, als ob der Tag sie noch nicht ganz eingeholt hätte.
„Morgen, Lena“, begrüßte Laurie mich mit einem warmen Lächeln.
„Morgen“, antwortete ich und schnappte mir ein Stück Toast.
„Nathon ist schon los“, fügte Steve hinzu, ohne von seiner Zeitung aufzusehen. „Er musste früher zur Schule wegen Football.“
Ich nickte, obwohl es mich etwas enttäuschte, dass ich ihn nicht vor der Schule sehen würde. Aber vielleicht war es auch besser so. Manchmal war es gut, sich ein bisschen auf Abstand zu halten, um die eigenen Gefühle zu sortieren.
„Wie läuft’s eigentlich in der Schule?“, fragte Laurie plötzlich, als ich mich an den Tisch setzte.
„Ganz gut“, sagte ich und zuckte leicht mit den Schultern. „Es ist immer noch eine Umstellung, vor allem wegen der Sprache, aber ich glaube, ich komme langsam rein.“
Laurie nickte verständnisvoll. „Das ist normal. Es braucht seine Zeit, aber du machst das super.“
Das Frühstück verlief ruhig, und ich war dankbar für die Normalität, die es mir bot. Laurie und Steve gingen ihren eigenen Wegen nach, während ich meinen Rucksack schnappte und mich auf den Weg zur Schule machte.
Der Schultag verging in einem gemächlichen Tempo. Ich konnte dem Unterricht besser folgen als noch vor ein paar Wochen, aber es gab immer noch Momente, in denen mir die Worte entglitten und ich mich verloren fühlte. Doch das war okay. Ich wusste, dass es besser werden würde, je mehr Zeit ich hier verbrachte.
In der Mittagspause saß ich draußen auf einer Bank und beobachtete die anderen Schüler. Es war interessant zu sehen, wie sie miteinander umgingen, wie selbstverständlich ihre Gespräche verliefen. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte mich genauso leicht einfügen, aber ich wusste, dass das noch Zeit brauchte.
„Hey, Lena!“
Ich drehte mich um und sah Ethan, der mit einem breiten Grinsen auf mich zukam. „Hey, Ethan“, sagte ich und winkte ihm zu.
„Wie läuft’s?“, fragte er, als er sich neben mich setzte.
„Ganz gut“, antwortete ich und lächelte. „Und bei dir?“
„Nicht schlecht“, sagte er und zuckte mit den Schultern. „Hast du Lust, nach der Schule was zu unternehmen? Vielleicht was essen oder so?“
Ich war überrascht von seiner Einladung, aber auch ein bisschen erfreut. Es war schön, dass jemand die Initiative ergriff. „Klar, warum nicht?“
Der Rest des Tages verging schnell, und bevor ich mich versah, war es Zeit, nach Hause zu gehen. Ethan und ich hatten uns für ein kleines Café in der Nähe der Schule verabredet, und ich freute mich auf die Abwechslung.
Das Café war gemütlich, mit warmem Licht und dem Duft von frisch gebackenem Kuchen in der Luft. Ethan erzählte mir von seiner Familie, seinen Hobbys und seinem Traum, einmal in Europa zu reisen. Ich erzählte ihm ein wenig von Deutschland, was ihm sichtlich gefiel.
„Weißt du“, sagte er, als wir gerade unsere Getränke bekamen, „ich finde es echt cool, dass du hierhergekommen bist. Das ist ein großer Schritt.“
„Ja, manchmal fühlt es sich so an“, gestand ich. „Aber es war die richtige Entscheidung.“
Der Nachmittag verging wie im Flug, und als ich schließlich nach Hause kam, war es schon dunkel. Nathon war in seinem Zimmer, und ich entschied, ihn nicht zu stören. Stattdessen ging ich in mein Zimmer und setzte mich auf mein Bett, den Tag noch einmal Revue passieren lassend.
Da fiel mir etwas ein. Ich schnappte mir mein Handy und schrieb Nathon eine Nachricht.
**Lena:** Hey, ich hoffe, du hattest einen guten Tag. Danke nochmal für das Gespräch gestern. Es hat mir wirklich gutgetan.
Es dauerte nicht lange, bis er antwortete.
**Nathon:** Hey, kein Problem. Mir hat es auch gutgetan. Was hast du heute noch so gemacht?
**Lena:** Ich war mit Ethan im Café. Es war nett, mal mit jemandem zu reden.
**Nathon:** Cool. Ethan ist ein guter Typ. Aber vergiss nicht, dass du jederzeit zu mir kommen kannst, wenn du reden willst.
Ich lächelte bei seiner Nachricht. Da war wieder dieses Gefühl, das ich nicht ganz greifen konnte, aber das mich irgendwie glücklich machte.
**Lena:** Danke, das werde ich. Schlaf gut, Nathon.
**Nathon:** Du auch, Lena. Gute Nacht.
Ich legte das Handy zur Seite und kuschelte mich in die Kissen.
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Heartstrings in the U.S
RomanceDie 17-jährige Lena beginnt ihr Austauschjahr in einem beschaulichen amerikanischen Städtchen, wo sie von der Familie Collins aufgenommen wird. Zwischen den alltäglichen Abenteuern und dem neuen Leben entwickelt sie eine unerwartete Verbindung zu Na...
