Der nächste Morgen brach an, und obwohl der gestrige Tag wie ein Traum erschien, holte mich die Realität schneller ein, als ich erwartet hatte. Das Wochenende war vorüber, und die Schule verlangte nach meiner Aufmerksamkeit. Doch diesmal war es anders. Etwas hatte sich zwischen Nathon und mir verändert – es war eine Art Gewissheit, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam meistern würden.
Ich lag noch im Bett und lauschte dem leisen Geräusch von Nathons gleichmäßigem Atem, der im Nebenzimmer schlief. Die Erinnerung an das gestrige Spiel brachte ein Lächeln auf meine Lippen. Seine Worte hallten in meinem Kopf wider: „Ich hab heute nur für dich gespielt.“ Es war, als hätte er damit ein Versprechen gegeben, das mir mehr bedeutete, als ich es in Worte fassen konnte.
Schließlich zwang ich mich, aufzustehen und mich für den Tag fertig zu machen. Im Badezimmer sah ich mein eigenes Spiegelbild an, doch diesmal betrachtete ich mich mit einem neuen Gefühl der Zuversicht. Nachdem ich mir die Zähne geputzt und mein Gesicht gewaschen hatte, entschied ich mich für ein Outfit, das schlicht, aber dennoch elegant war – eine dunkelgraue Skinny-Jeans und ein weiches, helles Pullover in Pastellrosa. Es war bequem, aber dennoch stilvoll genug, um mir die nötige Sicherheit zu geben.
Als ich die Treppe hinunterging, hörte ich Laurie in der Küche, wie sie bereits das Frühstück vorbereitete. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee begrüßte mich, als ich die Küche betrat. Laurie's Gesichtsausdruck war wie immer freundlich, aber ich konnte die leichte Anspannung in ihren Augen nicht übersehen.
„Morgen, Lena“, sagte sie mit einem Lächeln, das sie geübt aufsetzte. „Ich hoffe, du hast gut geschlafen.“
„Ja, danke“, erwiderte ich, während ich mir eine Tasse Kaffee einschenkte und mich an den Tisch setzte. „Das Spiel gestern war unglaublich.“
Laurie nickte, aber es war offensichtlich, dass sie das Thema nicht weiter vertiefen wollte. Stattdessen stellte sie einen Teller mit Toast, Butter und Marmelade vor mich hin. „Du solltest etwas essen, bevor du zur Schule gehst. Es wird ein langer Tag.“
Ich bedankte mich und begann, mein Frühstück zu essen. Laurie warf mir hin und wieder verstohlene Blicke zu, als wollte sie etwas sagen, es aber nicht wagte. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und setzte sich mir gegenüber.
„Lena...“, begann sie zögerlich, „ich weiß, dass du und Nathon euch nähergekommen seid. Aber ich möchte nur sicherstellen, dass du verstehst, wie ernst das alles ist. Es gibt so viele Dinge, die ihr beide bedenken müsst.“
Ich legte das Messer, mit dem ich die Butter auf meinen Toast gestrichen hatte, zur Seite und sah sie an. „Ich weiß, Laurie. Aber ich glaube, wir sind uns dessen bewusst. Wir haben gestern viel darüber gesprochen und ich... ich vertraue ihm. Ich vertraue uns.“
Laurie seufzte und legte ihre Hand auf meine. „Ich will nicht, dass du verletzt wirst, Lena. Du weißt, dass ich immer für dich da bin.“
Ihre Worte rührten mich, aber gleichzeitig verspürte ich den Drang, ihr zu versichern, dass ich stark genug war, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen. „Ich weiß, Laurie, und ich schätze das sehr. Aber ich muss meinen eigenen Weg gehen.“
Das Gespräch endete damit, dass Laurie mir einen Kuss auf die Stirn gab und mir eine zusätzliche Scheibe Toast auf den Teller legte, als wäre das ihre Art, ihre Sorge zu zeigen. Es war eine merkwürdige Mischung aus Erleichterung und Besorgnis, die mich begleitete, als ich schließlich das Haus verließ, um zur Schule zu gehen.
In der Schule verlief der Tag zunächst wie gewohnt. Die Stunden zogen sich dahin, die Lehrer wiederholten Stoff, den wir bereits in den letzten Jahren durchgenommen hatten, und meine Gedanken drifteten immer wieder zu Nathon ab. Doch gegen Mittag, als ich mich in der Cafeteria mit meinen Freundinnen zum Mittagessen traf, spürte ich die Veränderung.
Die Blicke, die ich von den anderen Mädchen erntete, waren anders – neugieriger, vielleicht sogar ein bisschen eifersüchtig. Es war offensichtlich, dass sich das Geschehen beim Football-Spiel herumgesprochen hatte. Während wir in der Schlange standen, um unser Essen zu holen, hörte ich einige der Mädchen hinter mir tuscheln.
„Hast du gehört? Sie haben sich nach dem Spiel geküsst. Direkt vor allen“, flüsterte eine.
„Kein Wunder, dass er so gut gespielt hat“, erwiderte eine andere mit einem leicht abfälligen Unterton.
Ich versuchte, das Gerede zu ignorieren, doch es fiel mir schwer, die aufkommende Unsicherheit abzuschütteln. Es war, als hätte unser Kuss vor allen Augen etwas verändert – als ob er mich in eine neue Rolle gedrängt hätte, auf die ich nicht vorbereitet war.
Als ich schließlich mit meinem Tablett in der Hand am Tisch meiner Freundinnen ankam, begrüßten sie mich mit aufgesetzten Lächeln und neugierigen Fragen.
„Na, Lena, wie fühlt es sich an, die Freundin des neuen Football-Stars zu sein?“, fragte Emily, eine meiner ältesten Freundinnen, mit einem Zwinkern.
Ich lachte nervös. „Ach, es ist nichts Besonderes. Nathon ist einfach... Nathon.“
„Nichts Besonderes?“ Eine andere Freundin, Jessica, lachte auf. „Lena, er hat gestern Abend den gesamten Jubel auf sich gezogen!“
„Und dann dieser Kuss!“, fügte Emily hinzu. „Oh mein Gott, alle haben darüber gesprochen.“
Ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass sich etwas in unserer Freundschaft verschoben hatte. Ihre Worte waren freundlich, aber die unterschwellige Spannung war nicht zu übersehen. Es war, als ob sie mich plötzlich anders sahen – nicht mehr als einfach nur Lena, sondern als diejenige, die mit Nathon zusammen war.
„Ich...“, begann ich, wusste aber nicht, was ich sagen sollte. „Es ist einfach viel passiert.“
Die Mädchen nickten, und das Gespräch verlagerte sich glücklicherweise auf ein anderes Thema. Trotzdem fühlte ich mich unwohl. Der Rest des Schultages verging in einer Art Nebel, und ich konnte mich kaum konzentrieren. Immer wieder schlich sich der Gedanke ein, dass dieser neue Status, den ich durch meine Beziehung zu Nathon erlangt hatte, sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich brachte, die ich noch nicht ganz begriff.
Am Nachmittag, nach dem Unterricht, hatte ich geplant, mit Nathon nach Hause zu gehen. Als ich ihn jedoch am Ausgang der Schule traf, umringt von seinen Football-Freunden, spürte ich erneut diese Unsicherheit. Sie klopften ihm auf die Schulter, lachten und scherzten, als wäre er plötzlich der Held des Tages. Als er mich schließlich bemerkte und auf mich zukam, veränderte sich seine Miene jedoch sofort. Sein Lächeln wurde weicher, und er löste sich von seinen Freunden, um zu mir zu kommen.
„Hey“, sagte er, als er mich erreichte und meine Hand nahm. „Alles okay?“
Ich nickte und versuchte, die Zweifel zu unterdrücken, die in mir hochkamen. „Ja, alles gut. Es war nur ein langer Tag.“
„Das verstehe ich“, antwortete er und zog mich sanft in eine Umarmung. „Lass uns einfach nach Hause gehen und den Rest des Tages zusammen entspannen.“
Die Berührung seiner Arme um mich beruhigte mich sofort, und ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter. „Das klingt perfekt“, flüsterte ich.
Wir gingen gemeinsam zum Parkplatz, wo sein Auto stand, und fuhren nach Hause. Die Fahrt war ruhig, und die Stille zwischen uns war nicht unangenehm, sondern beruhigend. Als wir das Haus erreichten, ließ ich mich auf das Sofa fallen, während Nathon in die Küche ging, um uns etwas zu trinken zu holen.
„Laurie ist noch nicht da“, bemerkte er, als er mit zwei Gläsern Wasser zurückkam.
„Sie arbeitet heute länger“, antwortete ich und nahm das Glas entgegen. „Sie hat sich Sorgen gemacht, aber ich denke, sie wird sich irgendwann beruhigen.“
Nathon setzte sich neben mich und legte seinen Arm um meine Schultern. „Wir müssen uns nicht hetzen, Lena. Ich weiß, dass das alles neu für dich ist, aber wir schaffen das.“
Ich sah ihn an und spürte, wie sich meine Unsicherheiten langsam auflösten. „Danke, Nathon“, sagte ich leise. „Ich glaube, ich brauche einfach etwas Zeit, um mich an all das zu gewöhnen.“
„Das ist okay“, antwortete er und drückte mich sanft. „Wir haben alle Zeit der Welt.“
In diesem Moment wusste ich, dass es stimmte. Wir hatten Zeit, uns an diese neue Realität zu gewöhnen, an die Veränderungen, die unsere Beziehung mit sich brachte. Egal, was kommen würde, wir würden es zusammen durchstehen.
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Heartstrings in the U.S
RomanceDie 17-jährige Lena beginnt ihr Austauschjahr in einem beschaulichen amerikanischen Städtchen, wo sie von der Familie Collins aufgenommen wird. Zwischen den alltäglichen Abenteuern und dem neuen Leben entwickelt sie eine unerwartete Verbindung zu Na...
