Der Montagmorgen brach grau und regnerisch an. Ich wachte auf, als das Trommeln der Regentropfen auf das Dach lauter wurde. Es war ein seltsamer Kontrast zum gestrigen Sonnenschein, und irgendwie spiegelte es meine gemischten Gefühle wider. Es war meine zweite Woche in der High School, und obwohl ich langsam meinen Rhythmus fand, fühlte ich mich immer noch ein wenig unsicher in dieser neuen Umgebung. Der Gedanke, wieder zur Schule zu gehen, ließ mich kurz seufzen, bevor ich mich aus dem Bett schwang.
Das Haus war still, als ich ins Badezimmer ging, um mich fertig zu machen. Ethan und Nathon schliefen wahrscheinlich noch oder waren schon aufgestanden, aber nicht im Haus. Ich wusch mein Gesicht mit kaltem Wasser, um den Schlaf aus meinen Augen zu vertreiben, und blickte in den Spiegel. Meine blonden Haare waren in einem wilden Durcheinander, und ich strich sie glatt, während ich überlegte, was ich anziehen sollte.
Das regnerische Wetter verlangte nach etwas Gemütlichem. Ich zog eine dunkelblaue Jeans und einen warmen, olivgrünen Pullover aus meinem Schrank, die sich perfekt für einen grauen Tag anfühlten. Nachdem ich mich angezogen hatte, griff ich nach meiner schwarzen Regenjacke, die ich vorsichtshalber einpackte, bevor ich mein Zimmer verließ.
In der Küche duftete es bereits nach frischem Kaffee, und ich fand Mrs. Collin, meine Gastmutter, die sich mit einer Tasse an den Tisch gesetzt hatte, während sie durch die Zeitung blätterte. Sie sah auf, als ich hereinkam, und schenkte mir ein warmes Lächeln.
„Guten Morgen, Lena. Hast du gut geschlafen?“ fragte sie.
„Ja, danke“, antwortete ich, während ich mir eine Tasse Kaffee einschenkte. „Und du?“
Mrs. Collin, oder wie ich sie inzwischen öfter nannte, Laurie, lächelte breit, als sie bemerkte, dass ich sie wieder geduzt hatte. Vor ein paar Tagen hatte sie mir angeboten, das „Sie“ gegen das „Du“ einzutauschen und mich zu ermutigen, sie bei ihrem Vornamen zu nennen. Es war eine ungewohnte, aber sehr freundliche Geste gewesen, die mir den Übergang ins amerikanische Familienleben erleichterte.
„Ich kann mich nicht beschweren“, sagte Laurie und deutete auf den Stuhl gegenüber von ihr. „Setz dich doch, bevor du zur Schule gehst. Es scheint heute ein ruhiger Tag zu werden.“
Ich nahm Platz und nippte an meinem Kaffee. „Ja, es sieht nach einem dieser gemütlichen Regentage aus. Ich hoffe nur, dass ich nicht zu nass werde.“
„Mach dir keine Sorgen. Nathon fährt dich heute zur Schule. Er wollte sicherstellen, dass du nicht im Regen zur Bushaltestelle laufen musst“, sagte Laurie, während sie einen weiteren Schluck aus ihrer Tasse nahm. „Er sollte jeden Moment hier sein.“
„Das ist nett von ihm“, sagte ich dankbar. Nathon hatte sich wirklich als rücksichtsvoll und aufmerksam erwiesen. In den letzten Tagen hatten wir viel Zeit miteinander verbracht, und ich hatte ihn besser kennengelernt. Es war, als hätten wir einen stillen Pakt geschlossen, einander zu helfen, die Dinge einfacher zu machen.
Kurz darauf hörte ich Schritte, und Nathon erschien in der Tür, bereits in seiner Jacke. Seine braunen Haare waren noch leicht zerzaust, aber sein Lächeln war wie immer aufrichtig und freundlich.
„Bereit für die Schule?“ fragte er.
„So bereit, wie ich sein kann“, sagte ich mit einem leichten Grinsen und stand auf, um meinen Rucksack zu holen. „Danke, dass du mich mitnimmst.“
„Kein Problem. Ich hab heute früher Training, also passt das gut“, sagte er, während wir uns auf den Weg zur Tür machten. „Komm, lass uns gehen, bevor der Regen schlimmer wird.“
Wir traten nach draußen, und der kühle Regen prasselte auf unsere Jacken. Der Weg zum Auto war schnell zurückgelegt, und als wir ins Auto stiegen, stellte Nathon die Heizung an, um uns vor der Feuchtigkeit zu schützen. Die Fahrt zur Schule war kurz, und obwohl wir uns die ganze Zeit unterhielten, schienen wir beide tief in Gedanken versunken zu sein.
Nathon sprach über das Footballtraining und das anstehende Spiel am Wochenende. Es war eines der wichtigsten Spiele der Saison, und ich konnte spüren, wie er sich innerlich darauf vorbereitete. Sein Engagement und seine Leidenschaft für den Sport waren offensichtlich, und ich bewunderte, wie sehr er sich dafür einsetzte.
„Und wie läuft es bei dir in der Schule?“ fragte er schließlich, als wir uns der Schule näherten.
„Es wird besser“, sagte ich ehrlich. „Ich meine, es ist immer noch etwas überwältigend, und das Schulsystem hier ist so anders als in Deutschland, aber ich gewöhne mich langsam daran.“
„Das freut mich zu hören. Es wird mit der Zeit leichter. Und wenn du Hilfe brauchst, frag mich einfach. Ich kenne mich aus mit dieser Schule“, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Ich lächelte dankbar. „Das ist gut zu wissen. Ich könnte wirklich etwas Unterstützung gebrauchen, besonders bei Mathe. Das war noch nie meine Stärke.“
„Kein Problem. Ich bin zwar kein Mathe-Genie, aber ich helfe dir gerne, so gut ich kann“, sagte er, als wir auf den Parkplatz der Schule fuhren. „Wir sehen uns später?“
„Auf jeden Fall“, sagte ich, als ich ausstieg. „Viel Erfolg beim Training.“
„Danke“, antwortete er, bevor er losfuhr und ich mich auf den Weg ins Schulgebäude machte. Der Regen hatte nachgelassen, aber die Wolken hingen noch immer tief über der Schule, als ob sie meine Stimmung widerspiegeln würden.
Der Vormittag verging langsam, die Stunden zogen sich hin, während ich versuchte, mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Obwohl mein Englisch sich verbessert hatte, war es immer noch eine Herausforderung, den Unterricht voll zu verstehen, besonders in Fächern wie Geschichte, wo viel auf einmal vermittelt wurde. Doch ich war entschlossen, mich nicht entmutigen zu lassen. Jede Stunde war eine neue Gelegenheit, besser zu werden, und ich war fest entschlossen, diese Gelegenheit zu nutzen.
In der Mittagspause traf ich mich mit einigen meiner neuen Mitschüler. Es war immer noch ein wenig seltsam, Teil dieser Gruppen zu sein, die sich schon so lange kannten. Doch ich versuchte, mich einzubringen, und langsam, aber sicher begann ich, mich wohler zu fühlen.
Als ich am Nachmittag wieder nach Hause kam, war das Haus still. Ich wusste, dass Laurie nachmittags oft unterwegs war, um Besorgungen zu machen, und Ethan hatte wahrscheinlich ein weiteres Training. Ich genoss die Stille und machte mir einen Tee, bevor ich mich an den Küchentisch setzte, um meine Hausaufgaben zu erledigen. Es war eine beruhigende Routine, die mir half, mich zu entspannen und die Ereignisse des Tages zu verarbeiten.
Später, als es draußen dunkel wurde und der Regen wieder stärker wurde, hörte ich, wie die Tür aufging und Nathon hereinkam. Seine Jacke war durchnässt, und seine braunen Haare klebten ihm in feuchten Strähnen am Kopf, aber sein Gesicht war trotz der Anstrengung des Tages hell und lebendig.
„Hey, wie war dein Tag?“ fragte er, als er seine Schuhe auszog und seine Jacke an den Haken hängte.
„Anstrengend, aber gut“, sagte ich und legte meinen Stift zur Seite. „Wie war dein Training?“
„Hart, aber es hat sich gelohnt“, sagte er mit einem zufriedenen Lächeln. „Wir haben wirklich hart gearbeitet, um bereit für das Spiel am Wochenende zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen.“
„Das klingt vielversprechend“, sagte ich, während ich meinen Tee in der Hand drehte. „Ich werde am Wochenende da sein, um euch anzufeuern.“
„Das würde uns viel bedeuten“, sagte er und setzte sich auf den Stuhl neben mir. „Es ist immer gut, jemanden im Publikum zu haben, der einem den Rücken stärkt.“
Wir sprachen noch eine Weile über das bevorstehende Spiel und die Herausforderungen, die es mit sich brachte. Es war ein gutes Gespräch, das mir half, den stressigen Tag hinter mir zu lassen. Nathon war nicht nur ein guter Zuhörer, sondern auch jemand, der die richtigen Worte fand, um mich aufzumuntern und mir das Gefühl zu geben, dass alles in Ordnung war.
Am Ende des Abends fühlte ich mich wieder etwas mehr angekommen, ein bisschen mehr wie ein Teil dieser Familie und dieser neuen Welt, die ich nach und nach besser zu verstehen begann. Es war ein langer Weg, aber ich war bereit, ihn zu gehen. Und mit Leuten wie Nathon und Laurie an meiner Seite fühlte ich mich mutig genug, ihn zu beschreiten.
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Heartstrings in the U.S
RomansaDie 17-jährige Lena beginnt ihr Austauschjahr in einem beschaulichen amerikanischen Städtchen, wo sie von der Familie Collins aufgenommen wird. Zwischen den alltäglichen Abenteuern und dem neuen Leben entwickelt sie eine unerwartete Verbindung zu Na...
