Der Abend war ruhig, fast schon zu ruhig. Nach dem Abendessen hatte ich mich in mein Zimmer zurückgezogen, um ein wenig zu lesen. Ich war zwar müde, aber gleichzeitig zu unruhig, um wirklich schlafen zu gehen. Die Lichter im Haus waren bereits gedimmt, und draußen herrschte eine Stille, die nur durch das gelegentliche Rascheln der Blätter unterbrochen wurde.
Ich legte mein Buch zur Seite und streckte mich auf meinem Bett aus, während meine Gedanken sich unweigerlich um Nathon drehten. In den letzten Tagen hatte sich etwas zwischen uns verändert. Wir hatten uns angenähert, und die Art, wie er mich ansah, ließ mich immer wieder aufs Neue erröten.
Gerade als ich mich entschloss, das Licht auszumachen, hörte ich ein leises Klopfen an meiner Tür. Es war so sanft, dass ich es fast überhört hätte. Verwundert stand ich auf und öffnete die Tür einen Spalt breit. Da stand Nathon, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, und flüsterte: „Hey, Lena. Hast du Lust, mit mir einen Film zu schauen?“
Überrascht und ein wenig nervös sah ich ihn an. „Jetzt? Es ist schon ziemlich spät.“
„Genau“, sagte er und hob eine Augenbraue. „Deshalb müssen wir es ja auch heimlich machen. Ich hab den perfekten Film ausgesucht, und ich dachte, wir könnten uns in meinem Zimmer verstecken.“
Ich konnte nicht anders, als über seine Idee zu schmunzeln. „Okay, warum nicht?“ Es klang aufregend, und mein Herz klopfte schneller bei dem Gedanken, die Nacht mit ihm zu verbringen, wenn auch nur vor einem Bildschirm.
„Super“, flüsterte er, bevor er sich auf den Flur zurückzog und mich aufforderte, ihm leise zu folgen.
Wir schlichen uns die wenigen Meter zu seinem Zimmer, wobei wir darauf achteten, keinen Laut zu machen, der Laurie und Steve wecken könnte. Als wir sein Zimmer betraten, warf Nathon die Tür sanft ins Schloss und deutete auf sein Bett, das mit einer weichen Decke und einigen Kissen ausgestattet war. „Mach es dir bequem“, sagte er leise.
Ich setzte mich auf sein Bett, das überraschend groß und bequem war. Das Zimmer war typisch für einen Teenager: Poster von verschiedenen Football-Teams hingen an den Wänden, und seine Gitarre lehnte in einer Ecke, fast so, als würde sie darauf warten, wieder gespielt zu werden. Sein Schreibtisch war übersät mit Büchern und Notizen, und der Raum war von einem angenehmen Duft erfüllt, der etwas Beruhigendes hatte.
Nathon setzte sich neben mich und griff nach der Fernbedienung. „Ich dachte, wir könnten uns einen Klassiker ansehen. Nicht zu gruselig, aber spannend genug, um uns wach zu halten.“
Ich lächelte und nickte. „Klingt gut. Welchen Film hast du ausgesucht?“
Er startete den Film, und die ersten Töne von *Jurassic Park* erfüllten den Raum. „Ein bisschen Dinosaurier-Action“, sagte er mit einem Grinsen. „Ich hoffe, du magst den.“
„Perfekte Wahl“, antwortete ich und lehnte mich zurück.
Die ersten Minuten des Films vergingen schnell, und obwohl ich mich auf den Bildschirm konzentrieren wollte, konnte ich meine Aufmerksamkeit nicht ganz von Nathon abwenden. Seine Anwesenheit, so nah bei mir, ließ mein Herz immer wieder schneller schlagen. Hin und wieder warf ich ihm einen Blick zu und bemerkte, dass auch er mich aus dem Augenwinkel betrachtete.
Nach einer Weile spürte ich, wie seine Hand sich langsam auf die Decke legte, die wir uns teilten. Er zögerte, bevor er meine Hand leicht berührte. Es war nur eine flüchtige Berührung, fast unbemerkt, aber sie hinterließ einen deutlichen Eindruck.
Ich drehte mich leicht zu ihm um, und unsere Blicke trafen sich. In diesem Moment schien die Zeit stillzustehen. Der Film lief weiter, aber für uns beide war er plötzlich nur noch Hintergrundrauschen.
„Ich bin froh, dass du hier bist, Lena“, flüsterte Nathon leise, seine Stimme kaum mehr als ein sanftes Murmeln.
„Ich auch“, erwiderte ich, meine Stimme ebenso leise. Es fühlte sich an, als ob etwas in der Luft lag, etwas Unausgesprochenes, das wir beide verstanden, aber nicht benennen konnten.
Die Nacht verging, und der Film neigte sich dem Ende zu. Doch weder Nathon noch ich machten Anstalten, uns zu bewegen. Schließlich drehte er sich zu mir um und lächelte verschmitzt. „Wollen wir das nochmal machen?“
Ich konnte nicht anders, als bei seiner Frage zu schmunzeln. „Ja, gerne.“
Wir blieben noch eine Weile dort, einfach nur in der Dunkelheit seines Zimmers, die Nähe des anderen genießend. Es war ein Moment der Stille, der sich nicht erzwungen anfühlte, sondern völlig natürlich.
Schließlich merkte ich, dass meine Augenlider schwerer wurden. Ich unterdrückte ein Gähnen und sah zu Nathon, der es ebenfalls bemerkte. „Du solltest schlafen“, sagte er sanft.
„Ja, du auch“, erwiderte ich, aber ich machte keine Anstalten, aufzustehen.
„Ich bring dich zurück zu deinem Zimmer“, bot er an.
Gemeinsam schlichen wir zurück über den Flur zu meinem Zimmer, wo er sich mit einem sanften „Gute Nacht“ verabschiedete. Als ich mich in mein Bett legte, war ich überrascht, wie ruhig ich mich fühlte. Es war ein gutes Gefühl, eines, das mir den Schlaf schnell brachte.
Die Nacht war voller kleiner, stiller Momente gewesen, die in meinem Herzen nachhallten. Vielleicht war es der Beginn von etwas Neuem, oder vielleicht war es einfach nur ein schöner Abend.
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Heartstrings in the U.S
RomanceDie 17-jährige Lena beginnt ihr Austauschjahr in einem beschaulichen amerikanischen Städtchen, wo sie von der Familie Collins aufgenommen wird. Zwischen den alltäglichen Abenteuern und dem neuen Leben entwickelt sie eine unerwartete Verbindung zu Na...
